14. September 2020 / 19:07 Uhr

Vier Stunden Dauereinsatz als Schiri und Keeper: Harrabi gibt alles für seinen 1. FC

Vier Stunden Dauereinsatz als Schiri und Keeper: Harrabi gibt alles für seinen 1. FC

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Foto: Boris Baschin, Wolfsburg, SPORT, Fußball-Bezirkspokal, 1. FC Wolfsburg - SSV Vorsfelde
Foto: Boris Baschin, Wolfsburg, SPORT, Fußball-Bezirkspokal, 1. FC Wolfsburg - SSV Vorsfelde © Boris Baschin
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Yassin Harrabi war am Sonntag als Schiedsrichter im Einsatz und absolvierte anschließend zwei Partien über jeweils 90 Minuten für den 1. FC Wolfsburg im Tor. Für den 38-Jährigen ist der Einsatz für seinen Verein eine Selbstverständlichkeit.

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Ü40-Kreisliga, Kreisliga Wolfsburg, Bezirkspokal: Was auf den ersten Blick nach einer sonntägigen Groundhopping-Tour aussieht, war für Yassin Harrabi vier Stunden Schweiß und Qualen. Um zehn Uhr begann der fußballerische Sonntag für den Co-Trainer des Bezirksligisten 1. FC Wolfsburg als Schiedsrichter beim Altsenioren-Duell Lupo/Martini Wolfsburg gegen TSG Mörse (3:3). „Ich dachte, bei den alten Herren, da steht man nur rum, aber die waren alle super fit und sind richtig viel gelaufen“, so Harrabi, der zugesagt hatte, im Anschluss an die 60-minütige Partie bei der zweiten Mannschaft im Tor auszuhelfen, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellen sollte.

Der 38-Jährige fragte 1. FC-Boss Mohammed Rezzoug, ob es für das um 12.30 Uhr beginnende Kreisliga-Duell gegen RW Wolfsburg eine Alternative fürs Tor gäbe, denn „ich war nach dem Spiel fix und fertig.“ Doch die gab es nicht - Stamm-Torhüter Lawin Hussein fehlte verletzt - und Harrabi hielt sein Wort. Wie immer, wenn es um seinen 1. FC geht. „Ich bin sehr froh, dass Yassin bei uns ist. Er hat ein riesengroßes Herz und hilft an allen Ecken und Enden“, sagt Rezzoug.

Yassin Harrabi Tor
Yassin Harrabi Tor ©

Nach 70 Minuten hatte Harrabi gegen RW schon dreimal hinter sich greifen müssen, bis er selbst zum Elfmeter antrat und sein Team zurück ins Spiel brachte. Als früherer Spielmacher versenkte er den Strafstoß sicher, am Ende holte das Team noch ein 3:3. „Meine Mitspieler wissen, dass ich immer Elfmeter schieße, ich habe noch nie einen verschossen“, sagt Harrabi. Vier Knie-Operationen, dazu eine an der Schulter sowie der Lunge beendeten seine Spieler-Karriere, Rezzoug schlug ihm vor sechs Jahren als Trainer der 2. Mannschaft den Wechsel ins Tor vor. Mit Erfolg. Der FC-Reserve gelang der Aufstieg in die Kreisliga, mittlerweile steht Harrabi regelmäßig im Training der Bezirksliga-Kicker zwischen den Pfosten. „Meine Frau sagt, ich sei verrückt, dass ich das mache, aber sie unterstützt mich trotzdem dabei.“

Für die Partie der ersten Mannschaft im Bezirkspokal gegen Landesligist SSV Vorsfelde standen Rezzoug seine etatmäßigen Torhüter Marcel Wiswedel (Achillessehnenprobleme) und Demir Jasarovski (Sehnenriss) nicht zur Verfügung, wieder sprang Harrabi in die Bresche. Gegen den klassenhöheren Gegner setzte es ein 0:6, was nicht am Schlussmann lag. „Yassin hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, attestiert Coach Rezzoug seinem eigentlichen Co-Trainer, der sich trotz Knie-Problemen am Sonntag gern in den dreifach-Dienst des Klubs stellte, einen guten Auftritt. „Mir macht es Spaß, Fußball ist mein Leben, und der Verein bedeutet mir sehr viel“, sagt Harrabi, der vor 15 Jahren aus Tunesien nach Wolfsburg kam und seitdem immer für den 1. FC gespielt hat.

Je nach Heilungsverlauf der beiden Bezirksliga-Torhüter könnte es für Harrabi zu weiteren Einsätzen kommen, dabei sehnt Rezzoug sich nach der Rückkehr seines Assistenten auf die Bank zum fachlichen Austausch. „Das vermisse ich, aber es geht gerade leider nicht anders“, sagt Rezzoug, der mit Arben Mustafa bereits einen Co-Trainer auf dem Spielfeld hat. Auch Harrabi hofft, dass er die Fußballspiele bald wieder abseits des Spielfelds verfolgen darf. Einen erneuten Einsatz würde er jedoch niemals ausschließen. „Der Verein kann sich immer auf mich verlassen.“