23. November 2020 / 18:13 Uhr

Ein Oberliga-Team in der Bezirksliga: Der Freundeskreis des WSV Wendschott

Ein Oberliga-Team in der Bezirksliga: Der Freundeskreis des WSV Wendschott

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Einstellung muss stimmen: Bei Bezirksliga-Aufsteiger WSV Wendschott um den spielenden Co-Trainer Jan Ademeit (Mitte) ist spielerische Qualität nicht das einzige Kriterium.
Die Einstellung muss stimmen: Bei Bezirksliga-Aufsteiger WSV Wendschott um den spielenden Co-Trainer Jan Ademeit (Mitte) ist spielerische Qualität nicht das einzige Kriterium. © Roland Hermstein
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Der WSV Wendschott spielt als Aufsteiger in der Bezirksliga, dabei haben die meisten Akteure des Vereins schon Erfahrungen in der Ober- oder gar Regionalliga gesammelt.

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Eine Mannschaft gespickt mit Spielern mit Regionalliga- und Oberliga-Erfahrung, die in der Bezirksliga kicken und das ohne Bezahlung. Gibt es nicht? Doch, beim WSV Wendschott. Das Team von Trainer Kenny Hülsebusch war in der vergangenen Saison Zweiter in der Wolfsburger Kreisliga geworden und in die Bezirksliga aufgestiegen. Mit Marcel Krassow, Lasse Vandreike, Dario Alaimo, Lukas Elling und Jannik Jennerich wechselte ein Landesliga-Quintett zum WSV, mit Luca Nazaré-Vaz kam gar ein Spieler aus der Oberliga von Lupo/Martini Wolfsburg. Klar, dass die Wendschotter mit solch einem Kader nicht um den Klassenerhalt spielen wollen.

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„Mit so einer Mannschaft muss man oben mitspielen. Das muss auch unser Anspruch sein, sonst wären wir keine gute Mannschaft und auch keine guten Trainer“, sagt der spielende Co-Trainer Jan Ademeit, der selbst von 2016 bis 2019 für Lupo in der Regionalliga spielte. Erfolgreich will auch Hülsebusch sein, doch der Coach verspüre keinen Druck, als Aufsteiger direkt den Wiederaufstieg als Ziel ausrufen zu müssen. "Ich muss den Jungs so etwas gar nicht sagen. Die Spieler haben Bock, miteinander zu spielen." Aber: "Klar gehen wir als Fußballer alle auf's Spielfeld, um zu gewinnen und das möglichst immer."

Trotz Freundschaft keine Stammplatz-Garantie

Wendschott lockt die Spieler nicht mit Geld, auf der Rundling-Sportanlage treffen Freunde zusammen, die im Nordosten Wolfsburgs etwas aufbauen wollen. Aber, und das betont Ademeit, „wir wollen auch fußballerische Qualität im Team haben.“ Passt ein Spieler aber charakterlich nicht ins Team, verzichtet der Bezirksligist lieber auf die sportliche Qualität. Viele Spieler sind miteinander befreundet, haben zuvor aber oftmals in unterschiedlichen Vereinen gespielt. "Einige von ihnen sind im Herbst ihrer Fußballer-Karriere und wollten noch einmal zusammen spielen", sagt Hülsebusch.

Ein Beispiel ist Neuzugang Jannik Jennerich, der zu Saisonbeginn von Landesligist SSV Kästorf nach Wendschott gewechselt war, er ist einer von Ademeits besten Freunden. „Ich habe ihm gesagt: 'Spar' dir die Fahrt nach Kästorf'". In den Freundschaften innerhalb der Mannschaft birgt sich jedoch auch eine Schwierigkeit. „Selbst, wenn man mit dem Trainerteam gut befreundet ist, heißt es noch lange nicht, dass man spielt. Man muss da unterscheiden können, das klappt bei uns bisher ganz gut“, sagt Ademeit. Und auch die Ur-Wendschotter werden im Verein nicht aussortiert, wie beispielsweise Ersatz-Torhüter Sven Sehm oder Philip Müller, der auch nach dem Umbruch weiterhin Kapitän der Mannschaft ist.

Neben dem "absoluten Zusammenhalt", wie Hülsebusch die Chemie innerhalb des Teams bezeichnet, wird beim WSV der Fokus auch auf das Drumherum gelegt. „Bei uns lässt sich Fußball und Familie miteinander vereinbaren. Das ist eine Komponente, die auf keinen Fall wegbrechen darf“, so Ademeit. „Wenn ein Spieler am Wochenende Zeit mit der Familie verbringen möchte, dann müssen die Mitspieler das auffangen.“ Doch auch beim Tabellensechsten der laufenden Saison ist nicht alles eitel Sonnenschein. „Klar gibt es auch Unstimmigkeiten, wenn man nicht spielt, dann muss man auch sauer sein“, sagt Ademeit. Aber: „Die Jungs können das alle in die richtige Schublade einsortieren.“

Freundschaft muss auf dem Platz sichtbarer werden

Für Ademeit ist der WSV eine „Wohlfühl-Oase. Ich gehe meiner Leidenschaft Fußball nach und sehe dabei einen Großteil meiner besten Freunde.“ Mit der bisherigen Punkte-Ausbeute ist das Trainerteam nicht zufrieden, vier Zähler aus drei Spielen sind ausbaufähig. "Dennoch ist es schön zu sehen, dass wir als Aufsteiger in der höheren Liga gut mithalten können", sagt Hülsebusch. Die eigentlich größte Stärke der Mannschaft müsse aber laut Co-Trainer Ademeit mehr zum Vorschein kommen. „Es gibt viele zusammengekaufte Mannschaften mit individuellen Spielern, aber der eine ist dort nicht bereit, für den anderen zu kämpfen. Das ist bei uns anders, wir müssen es aber noch besser hinbekommen und zu unserem Vorteil nutzen."