16. April 2020 / 17:06 Uhr

Brandenburgliga-Toptorjäger Patrick Richter: "Bin ein Spieler, der sich wohl fühlen muss"

Brandenburgliga-Toptorjäger Patrick Richter: "Bin ein Spieler, der sich wohl fühlen muss"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Werderaner FC - SV Falkensee-Finkenkrug, Brandenburgliga, 5. Spieltag, Saison 19/20, 21.09.2019, Werder, Foto: Benjamin Feller
Beim 4:0-Hinspielerfolg des Werderaner FC gegen Falkensee-Finkenkrug gelang Patrick Richter (l.) ein Dreierpack. Insgesamt erzielte der 29-Jährige in der Brandenburgliga-Saison 2019/20 bereits 23 Saisontreffer. © Benjamin Feller
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Brandenburgliga: Der 29-jährige Angreifer wechselte im vergangenen Sommer vom TuS Sachsenhausen zum Werderaner FC und erzielte in 18 Saisonspielen bereits 23 Treffer.

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Nach einer insgesamt wenig zufriedenstellenden Saison 2018/19, in der Fußballer Patrick Richter weder in der Hinrunde beim Oberligisten FSV Luckenwalde (sieben Einsätze, ein Tor) noch in der zweiten Halbserie beim Brandenburgligisten TuS Sachsenhausen (elf Einsätze, fünf Tore) richtig glücklich wurde, wechselte der 29-Jährige im Sommer innerhalb Brandenburgs höchster Spielklasse zum Werderaner FC. Beim zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung Tabellensechsten wurde er direkt zum absoluten Leistungsträger. Im Interview spricht der Angreifer über die aktuelle Zwangspause, das WFC-Trainerduo Ingo Hecht/Martin Nitzsche und die besten Angreifer der Liga.

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In drei Rückrundenspielen haben Sie vier Treffer erzielt. Wie ärgerlich ist die Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie für Sie persönlich?

Patrick Richter: Wenn man im Anschluss an fünf, sechs Wochen intensive Wintervorbereitung nach drei Rückrundenspielen eine Zwangspause einlegen muss, ist das persönlich natürlich alles andere als begeisternd. Zumal sich das jetzt schon seit ungefähr einem Monat hinzieht und meiner Ansicht nach auch noch länger werden wird.

Wie halten Sie sich aktuell fit?

Wir haben vom Trainerteam Hausaufgaben aufbekommen, welche jeder einzelne jede Woche anstelle des Trainings mit Nachweis absolvieren muss.

In Bildern: Das sind die besten Torjäger Brandenburgs.

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Das sind die besten Torjäger Brandenburgs. ©

Wie nutzen Sie die zusätzliche freie Zeit ohne den normalen Trainings- und Spielbetrieb?

Neben den Fußball-Hausaufgaben gehe ich als Disponent weiter Vollzeit arbeiten und bin nicht im Homeoffice oder gar in Kurzarbeit. Daher hat sich bei mir gar nicht so viel verändert. Aber ich habe gerade am Wochenende mal mehr Zeit, Dinge zu erledigen, die im normalen Alltag nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen wären.

Was fehlt Ihnen in Zeiten von Kontaktsperren am meisten?

Ehrlich gesagt fehlt mir gerade sehr viel. Man lebt sehr eingeschränkt und das öffentliche Leben ist ja nahezu komplett zum Erliegen gekommen. Man kann nichts machen und muss sich selbst und seine Mitmenschen schützen. Das ist eine sehr schwierige Situation, an die man sich in kürzester Zeit gewöhnen musste. Das Schlimmste ist jedoch, dass man einfach nicht absehen kann, wie lange das in allen Bereichen noch so sein wird.

Blicken wir auf den sportlichen Bereich, in dem es für Sie nach dem Wechsel zum Werderaner FC mit 23 Toren in 18 Spielen kaum hätte besser laufen können.

Ich bin aus meiner Sicht in ein super Umfeld gekommen und wurde vom ganzen Verein und von der Mannschaft sehr toll aufgenommen.

Das reichte schon aus, damit Sie sich nach einer durchwachsenen Saison wieder in Topform präsentieren?

Ich bin ein Spieler, der sich wohl fühlen muss und das Gefühl braucht, dass im Verein und in der Mannschaft Ambitionen und Ziele verfolgt werden. Wir haben eine junge Truppe mit erfahrenen Spielern. Wenn alle zu 100 Prozent mitziehen, haben wir ja in der Saison schon öfter gezeigt, wozu wir in der Lage sind. Wenn vieles passt, kann ich meine Leistung bringen und einer Mannschaft weiterhelfen.

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Welche Rolle spielen dabei die Trainer Ingo Hecht und Martin Nitzsche?


Beide ergänzen sich hervorragend und bilden zusammen ein starkes Trainerteam. Es wird sehr viel Wert auf Hierarchie, Ordnung und Disziplin gelegt. Diese Komponenten bekommen beide sehr gut hin und das ist letztlich aus meiner Sicht auch der Grundstein, um Spaß am Fußball zu haben und Erfolge zu feiern.

Haben Sie sich, sofern die Saison fortgesetzt wird, eine bestimmte Marke an Toren auf die Fahne geschrieben?

Als Stürmer stecke ich mir immer Ziele und möchte möglichst viele Tore schießen. Ich möchte aber in erster Linie der Mannschaft helfen. Ich bin mir nicht zu schade, mal einen abzulegen, wenn ich schon zwei Tore erzielt habe (lacht). Ich hatte in der Brandenburgliga-Saison 2015/16 mit Brieselang 26 Tore erzielt und hatte mir vor der Saison das Ziel gesetzt, mindestens 27 Tore zu schießen.

Dabei waren Sie bis zur Unterbrechung auf einem guten Weg. Tore wecken bekanntlich Begehrlichkeiten. Werden Sie in der kommenden Saison weiter das WFC-Trikot tragen?

Mit dieser Frage habe ich mich aktuell noch gar nicht so intensiv beschäftigt. Aufgrund der aktuellen Situation muss man erstmal schauen, wie es generell weitergeht. Die Wirtschaft ist ja in vielen Branchen stark belastet worden und das kann auch viele Mannschaften mit Sponsoren treffen. Daher muss man erstmal abwarten, wie es ab Mai im Amateurfußball überhaupt weitergeht. Es sind ja theoretisch noch zwölf Spieltage in der Brandenburgliga.

Von Karsten Bosecker bis Ingo Hecht: Die Trainer des Werderaner FC seit 2003

Karsten Bosecker (bis Februar 2003): Unter Karsten Bosecker (r.) war der Werderaner FC sehr erfolgreich. Im Februar 2003 stellte er sein Amt zunächst aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung, kehrte jedoch später als Co-Trainer unter Mathias Morack zurück. Zur Galerie
Karsten Bosecker (bis Februar 2003): Unter Karsten Bosecker (r.) war der Werderaner FC sehr erfolgreich. Im Februar 2003 stellte er sein Amt zunächst aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung, kehrte jedoch später als Co-Trainer unter Mathias Morack zurück. © Michael Hübner/Lothar Benesch

In der Sie aktuell der erfolgreichste Torjäger sind. Wer sind für Sie neben sich selbst die prägenden Angreifer der Liga?

Zuerst ist da in meinen Augen mein ehemaliger Sachsenhausener Mitspieler Andor Müller zu nennen, weil er seine zehnte Saison in Folge immer zweistellig getroffen hat. Als zweites ist da Rafael Conrado Prudente zu nennen, der in der Liga auch seit vier, fünf Jahren regelmäßig trifft. Klar stehen beide Stürmer aktuell nicht mit vorne in der Torjägerliste. Aber ich finde, dass das zwei Stürmer sind, die in dieser Liga eine gewisse Tore-Konstanz vorweisen. Sonst sind natürlich einige Spieler in dieser Saison dabei, die fast oder genau so viele Tore wie Spiele haben, was aus meiner Sicht auch sehr sehenswert ist.

Sie haben Ihre Brieselanger Vergangenheit bereits angesprochen. Wie sehr verfolgen Sie das Geschehen vom Team um Trainer Patrick Schlüter, das in der Landesliga den vorletzten Platz belegt, noch?

Die Situation in Brieselang verfolge ich natürlich sehr genau, weil ich dort in drei Spielzeiten meine besten Männerjahre hatte – gerade 2014/2015 nach meinem Kreuzbandriss mit der 50-Tore-Saison und den beiden Aufstiegen in Folge von der Landesliga bis in die Oberliga. Ich habe auch noch guten Kontakt zu ehemaligen und noch aktiven Brieselanger Spielern sowie Leuten aus dem Umfeld.

Im Nachwuchs beim FC Energie Cottbus

Im Nachwuchs trug der 29-jährige Patrick Richter das Trikot von Optik Rathenow, dem SC Staaken, Tennis Borussia Berlin und dem FC Energie Cottbus. Von der zweiten Männermannschaft der Lausitzer wechselte er wieder zum FSV Optik, den er nach einer Saison Richtung BSC Süd 05 verließ (2011 bis 2014). Es folgten zwei mehr als erfolgreiche Jahre beim SV Grün-Weiss Brieselang, mit dem er von der Landesliga – in der er in der Spielzeit 2014/15 50 Saisontreffer erzielte – bis in die Oberliga aufstieg.

Nach einem Oberliga-Jahr bei Tennis Borussia Berlin kehrte Richter für die Spielzeit 2017/18 noch einmal nach Brieselang zurück, ehe es jeweils für ein halbes Jahr zum FSV 63 Luckenwalde (Oberliga) und dem TuS Sachsenhausen (Brandenburgliga) ging. Im vergangenen Sommer wechselte der schnelle Angreifer mit dem eingebauten Torriecher dann innerhalb Brandenburgs höchster Spielklasse zum Werderaner FC.