02. März 2021 / 22:29 Uhr

"Einer der besten der Liga": Heimische Torhüter beeindruckt von Wolfsburgs Casteels

"Einer der besten der Liga": Heimische Torhüter beeindruckt von Wolfsburgs Casteels

Jürgen Braun, Henning Kampen und Yannik Haustein
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Acht Bundesliga-Partien ohne Gegentor: Die heimischen Torhüter Marius Sauss (v.u.l. im Uhrzeigerinn), Tobias Krull, Justin Kick, Niklas Kloth, Stefan Will, Luca Meier, Chris Neuschulz und Philip Koch beurteilen die Leistung von VfL-Torhüter Koen Casteels.
Acht Bundesliga-Partien ohne Gegentor: Die heimischen Torhüter Marius Sauss (v.u.l. im Uhrzeigerinn), Tobias Krull, Justin Kick, Niklas Kloth, Stefan Will, Luca Meier, Chris Neuschulz und Philip Koch beurteilen die Leistung von VfL-Torhüter Koen Casteels. © Boris Baschin/Gero Gerewitz/Sebastian Preuß/Britta Schulze/Privat(5)
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Seit acht Pflichtspielen ist Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels ohne Gegentor. Wir haben uns umgehört, wie heimischen Amateurfußball-Torhüter die Leistung des VfL-Schlussmanns bewerten.

Mainz, Leverkusen, Freiburg, Augsburg, Mönchengladbach, Bielefeld, Hertha: Seit sieben Partien in der Bundesliga und insgesamt 666 Minuten ist Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels ohne Gegentor, bis zur längsten Zu-null-Serie von Timo Hildebrand (VfB Stuttgart, 884 Minuten) fehlen dem Belgier noch drei Spiele. Dazu gab's auch im Pokalspiel gegen Schalke (1:0) kein Gegentreffer. Wir haben uns bei Torhütern aus Wolfsburg und Gifhorn umgehört, wie sie die Leistung des VfL-Schlussmanns bewerten - es gab eine Menge Lob.

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Marius Sauss (Oberligist Lupo/Martini Wolfsburg): "Casteels halte ich schon länger für einen der drei besten Torhüter in der Liga. Durch die Statistik rückt er nun quasi verdient mal so richtig in den Fokus, weil seine Leistung dadurch sichtbar wird. Auf der Linie exzellent, gute Strafraum-Beherrschung, mit dem Ball am Fuß hat er sich in Wolfsburg noch verbessert, er wirkt immer sehr ruhig, das gibt den Feldspielern ein gutes Gefühl - er ist ein kompletter Torwart. Er hat natürlich auch eine gut funktionierende Mannschaft und eine gute Abwehr vor sich, aber die braucht man als Torhüter auch, ansonsten kann es nie so eine Serie werden. Acht Spiele am Stück ohne Gegentreffer, das ist schon außergewöhnlich. Man wird eher von außen auf solche Zahlen gebracht. Als Torwart denkst du nicht so sehr drüber nach, da schaust du nur von Spiel zu Spiel. Oder nicht mal das. Eigentlich musst du im Moment bleiben, denn sonst fängst du an, über sowas nachzudenken, triffst vielleicht eine falsche Entscheidung - und es ist vorbei."

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Tobias Krull (Oberligist MTV Gifhorn): "Acht Spiele ohne Gegentor hatte ich noch nicht. Als wir in die Oberliga aufgestiegen sind, haben wir relativ offensiv gespielt, also auch das eine oder andere Gegentor bekommen - das war aber egal, wir konnten immer noch einen drauflegen. In der Oberliga fallen zwar weniger Tore, aber es ist schwierig, so eine Serie zu schaffen - in der Bundesliga hast du natürlich die Qualität, dass auch mal nach Standards eins fällt, da gehört also auch Glück dazu. Aber das erarbeitet man sich, der VfL ist als Mannschaft sehr kompakt, und was durchkam, hat Casteels gehalten. Er hat eine gute Strafraum-Beherrschung, es hilft, wenn du viel wegfängst. Dafür hat er eine gute Größe. Er spielt ruhig, solide und ohne Ausflüge, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Und das Wichtigste: Er macht keine Fehler. Dann hältst du automatisch auch die guten Dinger."

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Justin Kick (Landesligist SSV Vorsfelde): "Acht Spiele ohne Gegentor sind ein ganz dickes Ausrufezeichen in Richtung Konkurrenz. Das hat mit der kompletten Verteidigung zu tun, auch die Sechser Maximilian Arnold und Xaver Schlager haben daran einen großen Anteil. Trotzdem ist der Torwart der letzte Mann, an ihm hängt es, ob der Ball reingeht oder nicht. Zuletzt hat Casteels in fast jedem Spiel mindestens einen überragend rausgeholt. Er ist in Topform, fokussiert und strahlt Ruhe aus - die gibt er auch der Verteidigung, die dadurch weniger Fehler macht. Koen profitiert von seiner Technik, seiner guten Ausbildung und seiner Größe. Wenn er zum Beispiel bei Standards hochspringt, weiß man, er hat das Ding. Ich selbst kann mich nicht an so eine lange Zu-null-Serie bei mir erinnern. Es ist schwierig, so lange ohne Gegentor zu bleiben, du musst jedes Mal wieder den Fokus hochhalten."

Chris Neuschulz (Landesligist SSV Kästorf): "Koen hat die letzten Jahre über bewiesen, dass er die richtige Wahl als Nachfolger von Diego Benaglio war. Er gibt dem Team mit seiner ruhigen Art Sicherheit, seine Mitspieler wissen, dass sie sich auf ihn verlassen können. Er bringt eine sehr gute Größe für einen Torwart mit, das merkt man vor allem in der Strafraum-Beherrschung - wenn die Dinger hoch in den Fünfer kommen, fischt er sie runter wie reife Äpfel. Wichtig ist auch sein Positionsspiel, oft lässt er den Gegenspielern gar nicht die Möglichkeit, sich eine Ecke auszusuchen, dann müssen sie ihn anschießen. So eine Serie ist stark, der VfL hat zuletzt ja auch nicht gegen Fallobst gespielt."

Philip Koch, (Bezirksligist VfL Wahrenholz): „Casteels ist keiner, der sich groß in der Vordergrund stellt. Er zeigt aber immer eine souveräne Leistung, im Eins-gegen-eins ist er unverwüstlich. Die Serie kommt gefühlt aus dem Nichts, das ist der Wahnsinn. An seiner Stelle würde ich den Rekord auf jeden Fall brechen wollen. Ich hatte in der Jugend mal eine längere Serie ohne Gegentor, vier oder fünf Spiele, da steigert sich das Selbstbewusstsein immer weiter. Auch wenn ich nach ein paar Spielen wieder ein Gegentor bekommen habe, wusste ich, dass ich davor Top-Leistungen gezeigt habe. Um so eine Serie aufbauen zu können, muss auch das Zusammenspiel mit der Abwehr passen. Wenn ich weiß, dass ich immer jemanden neben mir habe, kann ich ohne Druck agieren.“

Niklas Kloth (Bezirksligist VfB Fallersleben): „Für mich als Torhüter ist es das Grundprinzip, die Null zu halten, und damit eine der wichtigsten Auszeichnungen. Casteels' enorme Stärke ist seine Reaktionszeit und sein Blick auf das Spiel. Auch fußballerisch finde ich ihn stark. Er hat ein gutes Aufbauspiel und setzt seine Mitspieler gut ein. Ich hatte in der A-Jugend eine Serie von sechs Spielen ohne Gegentor, ein Spiel ohne Gegentor ist für einen Torhüter eines der schönsten Gefühle. Man pusht sich als Mannschaft von Spiel zu Spiel mehr. Die Schwierigkeit liegt darin, sich immer wieder neu zu fokussieren, denn nicht nur der Torhüter, auch die Verteidiger bekommen vielleicht das Gefühl, sie seien unüberwindbar.“

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Stefan Will, (Kreisligist Wesendorfer SC): „Für so eine Serie muss die ganze Mannschaft funktionieren. Das Mittelfeld muss auf die Abwehr abgestimmt sein, der Torwart muss seine Verteidiger einwandfrei stellen und natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu. Wenn ich so eine Serie hätte, würde ich meine Vorderleute noch mehr motivieren. Eine Serie hatte ich auch mal, aber das waren höchstens drei Spiele. Wenn man so eine lange Serie hat, fühlt man sich natürlich super.“

Luca Meier (Kreisligist FSG Neindorf/Almke): „Paraden sind für einen Torhüter mit die schönsten Gefühle, wenn man Lob von seinen Mitspielern bekommt. Ich kann mir vorstellen, dass Koen Casteels sich gerade sehr wohl in seiner Haut fühlt. Seine Stärke ist, dass er immer die Ruhe bewahrt. Ein moderner Torhüter spielt mit und klebt nicht nur auf der Linie, ich finde, dass Casteels sich da von Spiel zu Spiel verbessert. Je mehr Spiele es ohne Gegentor werden, desto mehr Druck wird es auch für einen selbst. Vielleicht nicht von außen, aber für einen Torhüter selbst, denn den Ehrgeiz hat man immer. Ich würde mir selbst immer den Druck machen, die Serie noch weiter ausbauen zu wollen.“