10. Juli 2020 / 09:01 Uhr

Die Geschichte der Fußball-EM: 2016 - Verletzter Cristiano Ronaldo peitscht Portugal zum Titel

Die Geschichte der Fußball-EM: 2016 - Verletzter Cristiano Ronaldo peitscht Portugal zum Titel

Udo Muras und Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Cristiano Ronaldo hatte trotz Verletzung und Auswechslung einen großen Anteil am Final-Triumph von Portugal über Gastgeber Frankreich.
Cristiano Ronaldo hatte trotz Verletzung und Auswechslung einen großen Anteil am Final-Triumph von Portugal über Gastgeber Frankreich. © imago/Laci Perenyi
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Eigentlich sollte jetzt bei der Europameisterschaft der Ball rollen – es kam anders. Für ein bisschen EM-Gefühl blickt der SPORTBUZZER auf die 60-jährige Geschichte des Wettbewerbs zurück. In der Serie mit eingebettetem Podcast, in dem Reporterlegende Hartmut Scherzer zahlreiche Anekdoten verrät, geht es nun im dreizehnten Teil um das Finale der EM 2016, dem Portugal-Star Cristiano Ronaldo trotz früher Auswechslung seinen Stempel aufdrückte.

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Für Momente wie diesen wurde der Begriff vom Häufchen Elend erfunden. Es läuft das EM-Finale 2016 in Paris: Cristiano Ronaldo kauert auf dem Boden und jammert gestenreich. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel. Der vielleicht beste Fußballer der Welt in jenen Tagen kann nicht mehr, nach einer Attacke des Franzosen Dimitri Payet hat er es noch ein paar Minuten versucht, doch das linke Knie streikt.

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Weniger die schmerzhafte Innenbandzerrung als die Notwendigkeit, den Platz zu verlassen, lässt ihn Tränen vergießen. Großes Gefühlskino im letzten Spiel dieser EM, in der die Gastgeber nun näher denn je vor dem Triumph stehen. Portugal ohne CR7 – das ist eine andere Mannschaft. Alles dreht sich um den schillernden und selbstverliebten Weltstar von Real Madrid, der bei seiner vierten EM Rekordhalter Michel Platini (neun Tore bei der EM 1984) eingeholt hat. Nun muss er raus. Nach 25 Minuten.

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Ronaldo macht den Trainer

Aber er kommt wieder. Nach dem ersten Schock sammelt er sich, in der festen Überzeugung, dass es ohne ihn nicht geht. Und so kommt es, dass wohl erstmals in der Geschichte des Fußballs ein ausgewechselter Spieler den Trainer ablöst. Offiziell bleibt Fernando Santos im Amt, aber schon in der Halbzeit (0:0) hält CR7 – eine Kombination aus seinen Initialen und der Rückennummer – die Ansprache. "Das war fantastisch", lobt Verteidiger Cedric die Motivationsfähigkeit seines Kapitäns.

Denn so umstritten die Diva in der Öffentlichkeit sein mag, ihre Mitspieler verehren sie. Pepé ruft zum Kabinenschwur auf: "Als er gesagt hat, dass er nicht weitermachen kann, habe ich zu den anderen gesagt: Wir gewinnen es für ihn." In der Verlängerung sieht man Cristiano Ronaldo an der Seitenlinie herumhüpfen und gestikulieren. Einmal schubst er den Trainer weg. Als dieser Stürmer Eder einwechselt, flüstert dem sein Kapitän ins Ohr: "Du machst jetzt das Siegtor." In Spielminute 109 hält sich Eder an die Anweisung und beteuert: "Er hat mir Kraft und Energie gegeben."

Noch mehr Hintergründe, Anekdoten & Co.: Hier geht es zum Podcast zur SPORTBUZZER-Serie

Nicht schön, aber effizient: Portugal wird Europameister

Portugal wird erstmals Europameister. Es ist kein glanzvoller Champion. Durch die Vorrunde kamen Ronaldo und Co. nach drei Unentschieden als einer der vier besten Gruppendritten. In der regulären Spielzeit gewannen sie nur eins ih­rer sechs Spiele: das Halbfinale gegen Wales (2:0) – aber am Ende bekommen sie den Pokal, den nicht wenige den Gastgebern gegönnt hätten. "Frankreich geschlagen mit Mottenkisten-Fußball. Jetzt ist Portugal Europameister. Das geht nur bei dieser seltsamen EM", schrieb Bild.

Seltsam war dieses Turnier von Beginn an angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terror. Frankreich war ab 2015 Schauplatz zahlreicher Attentate geworden, die EM fand dennoch statt – unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. So waren alle Tickets personalisiert. Anschläge wie beim Testspiel der Deutschen 2015 in Paris gab es zum Glück nicht.

Die besten Jubelfotos nach Portugals EM-Sieg!

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Die besten Jubelfotos nach Portugals EM-Sieg! © imago/dpa

Der DFB-Auswahl brachte das Turnier kein Glück. Zwar gelang es im Viertelfinale, Italien im Elfmeterschießen zu schlagen, doch danach war beim 0:2 gegen Frankreich Schluss. Bundestrainer Joachim Löw zum SPORTBUZZER: "Noch heute fällt es mir schwer, mich mit dieser Niederlage in Marseille abzufinden, denn wir waren sicher nicht die schlechtere Mannschaft. Wir hatten mehr Ballbesitz und mehr große Chancen." Aber es fehlte einer, der das Glück erzwingen wollte. Einer wie CR7.