02. Juli 2018 / 06:49 Uhr

Fußball gucken mit einer russischen Familie: „Auf die Freundschaft“

Fußball gucken mit einer russischen Familie: „Auf die Freundschaft“

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Prost: Die SPORTBUZZER-Reporter René Wenzel (von links), Alexander Salenko und Lisa Neumann stoßen mit Sergej (zweiter von links) und Nikolai auf den Sieg der russischen Nationalmannschaft an.
Prost: Die SPORTBUZZER-Reporter René Wenzel (von links), Alexander Salenko und Lisa Neumann stoßen mit Sergej (zweiter von links) und Nikolai auf den Sieg der russischen Nationalmannschaft an. © Sportbuzzer
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Unglaublich: Russland besiegt Spanien im Achtelfinale! Und wir trinken darauf mit einer russischen Familie. Dabei machen wir Bekanntschaft mit dem großen Herz der Gastgeber.

In einem Vorort der Stadt Kstowo kurz vor Nischni Nowgorod sitzt Sergej entspannt auf einem mit Teppich ausgepolsterten Sessel. In seinem Wohnzimmer blättert die Tapete an einigen Stellen ab. Die Bilder hängen schief an der Wand, Rohre verlaufen vor den Fensterbänken. Mehrere schwarze Streifen ziehen sich durch den Fernseher, auf dem das WM-Achtelfinale zwischen dem Gastgeber und Spanien läuft. Die Spieler der russischen und der spanischen Nationalmannschaft wirken leicht verpixelt. „Es muss ein Wunder passieren“, sagt Sergej.

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Was er meint? Ohne ein Fußball-Wunder werden es die Russen wohl nicht ins Viertelfinale schaffen. Das Wunder geschieht. Nach einem Elfmeterkrimi, den wir Reporter mit Sergej und seiner Familie gemeinsam verbringen dürfen. Aber bis „Sbornaja“-Torhüter Igor Akinfeev den letzten spanischen Elfmeter hält, ist es noch ein langer Weg.

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Die meisten von Sergejs Verwandten verbringen den Abend zunächst lieber im Garten. Um die Gäste aus Deutschland kümmert sich trotzdem jeder. Sergejs Bruder Nikolai bringt Getränke und Süßigkeiten ins Wohnzimmer. Erst schwarzen Tee, dann Gebäck. „Möchtet ihr Bratkartoffeln essen?“, fragt Nikolai. Wir halten uns zurück, sehen aber nur Minuten später einen vollen Tisch vor uns. Eier, Erdbeeren, Gurken, Tomaten, Kekse, Kuchen stehen vor uns. In einer Einkaufstüte bringt uns Nikolai Dosenbier aus der Region.

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Wir haben Flensburger Pils und Weizenkorn mitgebracht. „Gar nicht mal so schlecht“, meint Sergej. Das Spiel läuft nur noch nebenbei. Trinken, Essen, Fußball: Zeit für viele Fragen bleibt nicht. Diese Russen erfüllen auf liebevolle Weise alle Klischees.

Nikolai schenkt den nächsten Kurzen ein – 60 Milliliter, zwei Schluck. Auf Russland, auf den Fußball. Wir atmen kurz durch, essen Gurken und Tomaten dazu. Nur meine Kollegin Lisa Neumann bleibt verschont – sie fährt.

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Russland jubelt! Der WM-Gastgeber hat Spanien aus dem Turnier gekegelt und steht sensationell im Viertelfinale. Der SPORTBUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse gesammelt. ©

Als Russland das 1:1 erzielt, nimmt Sergej einen Schluck aus dem Bierkrug. Dann folgt der nächste Korn. Die Flasche ist leer, gerecht aufgeteilt. „Auf unseren Sieg“, sagt Sergej. So langsam kommt das Wunder näher. In der Halbzeitpause kommt Sergejs Schwester ins Wohnzimmer. Sie macht mit dem Handy ein Erinnerungsfoto und verschwindet.

Sergej verdient als Bauarbeiter für russische Verhältnisse gutes Geld. Er steckt Nikolai Scheine zu: „Kannst du noch Nachschub holen? Eine Flasche Wodka. 700 Milliliter.“ Es läuft die 51. Minute. Ich mache mich mit ihm auf den Weg. In der Zwischenzeit bekommt Kollegin Lisa von Mama Ljudmila die Fotoalben der Familie gezeigt.

Nach zehn Minuten sind wir wieder zurück – mit einer neuen Flasche Wodka im Gepäck. Der Abend ist noch nicht vorbei, nach dem Elfmeterschießen fängt er erst richtig an. „Auf die Freundschaft“, sagt Sergej. Was für ein Tag!