05. März 2021 / 16:06 Uhr

Öffnungs-Fahrplan: So bewerten Hannovers Vereine die mögliche Rückkehr auf den Fußballplatz

Öffnungs-Fahrplan: So bewerten Hannovers Vereine die mögliche Rückkehr auf den Fußballplatz

Christian Purbs und David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Garbsens Trainer Martin Kummer hofft auf eine Fortsetzung der aktuellen Saison nach Ostern. 
Garbsens Trainer Martin Kummer hofft auf eine Fortsetzung der aktuellen Saison nach Ostern.  © CHRISTIAN HANKE
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Nach den Verkündungen von Bund und Ländern am Mittwochabend wird die Chance größer, dass bald wieder ein normaler Trainingsbetrieb möglich ist. Das gilt auch für Hannovers Amateurfußball. Wir haben uns mit Vereinsverantwortlichen und Trainern unterhalten und über die neuen Möglichkeiten gesprochen.

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Der neue Öffnungs-Fahrplan für die Corona-Maßnahmen, den Bund und Länder am späten Mittwochabend bekannt gegeben haben, hat mehrere Haltestellen, an denen die Möglichkeit immer größer wird, bald wieder in einen normalen Trainingsbetrieb einzusteigen. Vorausgesetzt natürlich, der Inzidenzwert spielt mit. Wenn es optimal läuft, könnte Kontaktsport unter freiem Himmel ohne Beschränkung, aber mit tagesaktuellem Corona-Schnelltest bereits ab dem 22. März möglich sein – also in weniger als drei Wochen.

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Seine bislang beeindruckende Saison würde auch der SV Ramlingen/Ehlershausen als Tabellenführer der Oberliga nur allzu gerne so schnell wie möglich fortsetzen. „Ich sehe im Moment den Hoffnungsschimmer, dass es wieder losgehen kann“, sagt Kurt Becker. Der Sportliche Leiter des RSE hofft auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs „Mitte oder Ende April. Es sind ja nicht mehr so viele Spiele, da sehe ich kein Problem.“

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. Zur Galerie
Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

RSE will alles tun, "um wieder spielen zu können"

In der Qualifikationsrunde der Oberliga stehen für den Spitzenreiter noch neun Partien bis zum regulären Abschluss der Runde auf dem Programm. Geht es nach dem Willen der Vereine, würde der Tabellenerste dann direkt in die Regionalliga aufsteigen, der Zweite hätte die Chance, sich über Relegationsspiele für die nächst höhere Klasse zu qualifizieren.

Wann das erste Punktspiel nach so langer Pause angepfiffen wird und welche Rolle dabei Corona-Schnelltests spielen, ist zwar noch unklar. Sicher ist hingegen, dass der RSE „alles machen wird, um wieder spielen zu können. Und wenn wir dafür testen müssen, werden wir das machen. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Jungs bald wieder auf den Platz können“, sagt Becker.

100 Leute im Supermarkt und Fußball draußen verboten?

Das ist beim TuS Garbsen nicht anders. „Die Jungs würden alles in Kauf nehmen, um endlich wieder auf der grünen Wiese stehen zu können“, sagt Martin Kummer. Der Trainer des Tabellenführers der Bezirksliga 4 verfolgt gespannt die Entwicklungen rund um die politischen Entscheidungen zu den geplanten Öffnungsschritten.

„Ich hatte die Saison auch vorher noch nicht abgeschrieben und hoffe, dass es nach Ostern wieder losgeht und wir die Saison noch halbwegs vernünftig über die Bühne kriegen“, sagt Kummer, der besonders die sozialen Kontakte mit den Spielern vermisst. „Corona nervt nur noch. Es ist doch nicht nachvollziehbar, dass 100 Leute gleichzeitig im Supermarkt einkaufen dürfen, aber Fußball an der frischen Luft verboten ist“, sagt Kummer.

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Schnelltests für die Mannschaften seien zwar sinnvoll, „aber ich weiß echt nicht, wie man mit dieser Möglichkeit umgehen soll. Das wäre ja auch eine finanzielle Belastung für die Spieler, ich kann doch nicht über deren Geldbeutel bestimmen“, sagt der TuS-Coach.

Luthes Trainer sieht "zu viele Fragezeichen"

Weniger optimistisch als seine Kollegen ist Steffen Ulrich. Der Plan für die Öffnungen sei zwar auch für den Fußball ein „Schritt in die richtige Richtung, aber die Hoffnung auf eine reguläre Saison habe ich aufgegeben“, sagt der Trainer des Bezirksligisten TSV Luthe. „Da sind mir einfach zu viele Fragezeichen und Unsicherheiten dabei.“

Martin Pyka ist für alle Eventualitäten gewappnet. „Wir freuen uns mega auf einen möglichen Start, werden jetzt aber nicht euphorisch. Genauso wären wir nicht am Boden zerstört, wenn es dann doch nicht klappt“, sagt der Coach des Landesligisten SC Hemmingen-Westerfeld. Seit dem ersten Lockdown gestaltet er die fußballerische Pause so kreativ wie möglich. „Wir folgen dem Prinzip der Anpassungsfestigkeit“, sagt der 34-Jährige. „Wenn wir morgen loslegen dürften, sind wir bereit, wenn es in zwei Monaten erst geht, sind wir auch bereit.“

Pyka gehört nicht zu den Trainern, die mindestens drei Wochen Vorbereitungszeit vor dem Wiedereinstieg in den Wettkampfmodus für nötig halten – zumindest nicht in seiner Spielklasse. „Von Spielern eines ambitionierten Landesligisten kann ich erwarten, dass sie sich während einer Unterbrechung fit halten“, sagt der SCH-Übungsleiter. Das Ballgefühl käme dann schnell zurück. Überhaupt gefällt ihm die Situation, dass viele Hemminger Akteure sehr vernünftig mit der Corona-Lage umgehen würden. „Wir alle lieben den Fußball – aber er ist nicht existenziell für uns.“

Für Schierholz fällt das Wörtchen ,wenn’ viel zu oft

Sich lieber positiv überraschen lassen als hinterher enttäuscht zu sein, das ist die Haltung von Florian Schierholz, dem Coach des Bezirksligisten MTV Ilten. „Für mich sind da noch zu viele ,Wenns’ im Spiel. Ich sehe das eher skeptisch“, sagt er. Es müsse schon viel zusammenkommen, damit es in vernünftiger Art und Weise zurück auf den Platz gehen kann, auch hinter dem Plan mit den Schnelltests sieht Schierholz noch ein Fragezeichen. „Eine erfolgreiche Impfstrategie ist wichtig, und das wird wohl noch etwas dauern“, sagt Iltens Trainer.

Für Toni Pagano wäre es ein ganz besonderer Neustart in den Trainingsbetrieb, denn er hat den Landesligisten TSV Barsinghausen erst während des zweiten Lockdowns zusammen mit Ricardo Díaz García übernommen. „Wir sind es leid zu laufen, leid uns nur in Zoom-Konferenzen zu sehen. Es juckt doch allen in den Füßen“, sagt er.

"Wir alle gucken Fußball im Fernsehen und wollen einfach selbst da raus und die Schuhe anziehen"

Nach den Meldungen der vergangenen Wochen hätte der neue Coach der Deisterstädter nicht damit gerechnet, dass sich die Tür zurück auf den grünen Rasen so schnell vielleicht wieder öffnet. „Das steht und fällt alles mit dem Inzidenzwert, und man darf auch nicht vergessen, dass sich die Gefahr der Ansteckung nach Lockerungen um ein Vielfaches erhöht und es dann wieder eine Rolle rückwärts gibt“, sagt Pagano. Eine baldige Rückkehr in den Pflichtspielbetrieb wäre herausfordernd, aber wenn es möglich ist, wäre die Freude natürlich groß: „Wir alle gucken Fußball im Fernsehen und wollen einfach selbst da raus und die Schuhe anziehen.“