07. Juni 2021 / 10:45 Uhr

Dem Fußball in der Region gehen die kickenden Frauen aus: "Es liegen einige Dinge im Argen"

Dem Fußball in der Region gehen die kickenden Frauen aus: "Es liegen einige Dinge im Argen"

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Die Frauen-Mannschaften des ESV Lok Döbeln (weiße Trikots) und des SV Klinga-Ammelshain messen sich in der Landesklasse.
Die Frauen-Mannschaften des ESV Lok Döbeln (weiße Trikots) und des SV Klinga-Ammelshain messen sich in der Landesklasse. © Sven Bartsch
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Die sportliche Lage im Frauen- und Mädchenfußball im Fußballverband Muldental/Leipziger Land ist schwierig. Die Probleme sind zahlreich. Noch halten die langjährigen Flaggschiffe die Fahne hoch. Kann der Fortbestand des Punktspielbetriebs künftig gesichert werden?

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Borna/Grimma/Döbeln. „Hier auf dem Lande ist es ganz schwierig geworden, die Sogwirkung der Großstädte wie Leipzig und Dresden ist unverkennbar“, bringt Heidi Burgkart, Vorsitzende des Frauen- und Mädchenausschusses im Fußballverband Muldental/Leipziger Land, die harte Realität ungeschminkt auf den Punkt.

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„Es fehlt an Nachwuchs, der die Frauenmannschaften irgendwann verstärken könnte. Insbesondere deshalb ist die Anzahl der Teams in den vergangenen Jahren deutlich zurück gegangen. Corona hat die Sache selbstredend nicht einfacher gemacht, doch auch ohne die Pandemie wäre die Lage wohl kaum entscheidend besser. Die demografische Entwicklung geht an uns eben nicht vorbei, bei den Männern und den älteren Jugendaltersklassen ist der Trend schließlich ganz ähnlich.“

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Die Regional-Verantwortliche für die weibliche Kicker-Gilde kann nicht in die Zukunft schauen, macht sich allerdings viele Gedanken um den Fortbestand des Punktspielbetriebs. Eine eigene Staffel hat der Verband seit der vergangenen Saison nicht mehr, die verbliebenen Mannschaften mischen seitdem in der Leipziger Liga mit. Die SG Olympia Frankenhain, der FSV Kitzscher, der TuS Pegau und der FC Bad Lausick sowie der in einer Spielgemeinschaft mit den Zwenkauerinnen verbundene SV Groitzsch halten in der Messestadt als Quintett die Fahne des Fußballverband Muldental/Leipziger Land hoch.

Delegierungen nach Leipzig schwierig

Darüber hinaus sind der ESV Lok Döbeln, der SV Klinga-Ammelshain und der Bornaer SV eine Etage höher auf dem Großfeld in der Landesklasse aktiv. Es sind also die langjährigen und zuverlässigen Flaggschiffe des Frauenfußballs, welche das Ruder unverändert fest in der Hand halten. Heidi Burgkart hat einst selbst bei den Döbelner Eisenbahnerinnen gespielt und weiterhin einen guten Draht dorthin. Zudem hat sie großen Respekt vor den Vereinen, die noch zur Stange halten. „Aber selbst beim ESV droht ein personeller Engpass, der Kader ist klein, etliche Spielerinnen sind bereits Ü 30. Wenn da nicht bald etwas nachwächst...“

Die Frauen-Mannschaften des Bornaer SV (gelbe Trikots) und des SV Klinga-Ammelshain (blau) messen sich in der Landesklasse.
Die Frauen-Mannschaften des Bornaer SV (gelbe Trikots) und des SV Klinga-Ammelshain (blau) messen sich in der Landesklasse. ©

Die ehemalige Fußballerin mag den Gedanken nicht zu Ende denken, weiß die Mühen der Ebene durchaus zu schätzen, sieht jedoch natürliche Grenzen gesetzt. „Manches Mädel würde schon gern auf höherem Niveau kicken, gerade die größeren Clubs aus Leipzig wünschen sich regelmäßige Delegierungen von Talenten. Doch welche Eltern können heutzutage noch die Zeit aufbringen, ihre Kinder mehrmals pro Woche zu Training und Spiel zu kutschieren. Außerdem haben wir in der Vergangenheit auch über die Schulen Vieles versucht, um Nachwuchs zu gewinnen. Seit drei, vier Jahren klemmt in dieser Beziehung die Säge allerdings mächtig. Und der Schulsport an sich ist inzwischen auch nicht mehr das, was er mal war. Man kann jedenfalls nicht ständig alles auf den Computer schieben. Da liegen definitiv noch einige andere Dinge im Argen.“

Personalmangel auch abseits des Feldes

Eine Bewegungsenthusiastin wie Heidi Burgkart muss es sehr schmerzen, denn die im Mochauer Ortsteil Lüttewitz wohnhafte Mitfünfzigerin ist über dreißig Jahre lang auf dem grünen Rasen dem runden Leder nachgejagt. Von 1982 bis 2000 bei Lok Döbeln und danach beim benachbarten Kiebitzer SV, wo sie zudem als Trainerin im Einsatz war. Selbst bei ihrer beruflichen Tätigkeit ist sie vom Sport nicht weit entfernt.

Im Roßweiner Stadtbad „Wolfstal“ hält die gelernte Gärtnerin die Grünanlagen in Ordnung und kassiert die Eintrittsgelder. Nebenbei sinniert sie immer wieder über das kommende Spieljahr 2021/2022 und die Zahl der in ihrem Zuständigkeitsbereich zur Verfügung stehenden Damenmannschaften. „Wir müssen halt den Meldetermin Ende Juni abwarten, hoffentlich gibt es keine weiteren Rückzüge. Ich habe einen engen Kontakt zur ehemaligen Staffel-Leiterin Marion Schröter in der Geschäftsstelle und wir hoffen darauf, dass unsere Vereine die Leipziger Liga weiterhin verstärken können.“ Dass es am Personal mangelt, spürt Heidi Burgkart auch auf Funktionärsebene. Eigentlich wollte sie den Ausschussvorsitz längst abgeben, doch es findet sich einfach kein(e) Nachfolger(in). So macht sie eben weiter und bleibt in allen Belangen optimistisch.