05. November 2020 / 20:22 Uhr

Unverständnis nach Trainings-Stopp für Fußball-Nachwuchs: "Kinder vor die Wand gefahren"

Unverständnis nach Trainings-Stopp für Fußball-Nachwuchs: "Kinder vor die Wand gefahren"

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zwangspause: Neben dem Spielbetrieb ist in Niedersachsen im November auch das Mannschaftstraining für die Kinder und Jugendlichen untersagt.
Zwangspause: Neben dem Spielbetrieb ist in Niedersachsen im November auch das Mannschaftstraining für die Kinder und Jugendlichen untersagt. © Sebastian Preuß
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Das Sportverbot in Niedersachsen trifft den Nachwuchs in Fußballvereinen besonders hart. Interessant: In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist der Trainingsbetrieb dagegen erlaubt. Der DFB appelliert, das Training für Mannschaftssportarten unter freiem Himmel bundesweit wieder zuzulassen, Vereine aus Wolfsburg und Gifhorn befürworten den Vorschlag.

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Für den November wurde die Ausübung des Amateur- und Freizeitsport verboten, wenn es nach dem Deutschen Fußball-Bund und Präsident Fritz Keller geht, soll der Trainingsbetrieb bundesweit für Kinder und Jugendliche unter freiem Himmel wieder zugelassen werden. Als Vorbild dienen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, die entsprechende Maßnahmen getroffen haben. Dass der Trainingsbetrieb für den Nachwuchs in Niedersachsen dagegen zumindest bis Ende November untersagt ist, dafür hat Oliver Hanke, 1. Vorsitzender beim Jugendförderverein (JFV) Boldecker Land, kein Verständnis. „Die Sportgruppen draußen hätte ich nicht pauschal verboten. Das abrupte Herunterfahren von Hundert auf Null, das war für die Kinder schwer zu verstehen, das habe ich deutlich gemerkt. Die Kinder sind ein bisschen vor die Wand gefahren worden“, sagt Hanke.

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In Hattorf blickte Sven Rathmann in weinende Kinderaugen, nachdem der Fußball-Stop verkündet wurde. „Sie haben daran richtig zu knabbern“, sagt der Jugendwart des MTV Hattorf. „Die Kinder brauchen Beschäftigung, sie trainieren normalerweise zweimal die Woche, das fehlt ihnen jetzt.“ Dass die Kinder in der Schule aufeinander treffen, es auf dem Fußballplatz dagegen aber nicht dürfen, sieht Kathryn Brandes, D-Jugend-Trainerin beim JFV Kickers, als weiteres Problem. „An der frischen Luft auf dem Sportplatz ist die Ansteckungsgefahr aus meiner Sicht wesentlich geringer als in der Schule oder im Bus auf dem Weg dorthin.“

Soziale Kontakte wichtig für Kinder

Das betont auch DFB-Präsident Keller. „Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen und Zahlen birgt die Ausübung von Freiluftsport - auch in Mannschaftssportarten - kaum ein Ansteckungsrisiko. Dies hat Prof. Dr. Tim Meyer als anerkannter Experte und Leiter der Medizinischen Kommission des DFB in den vergangenen Wochen öffentlich nachvollziehbar erläutert.“ Brandes erwähnt zudem die Wichtigkeit von sozialen Kontakten für die Kinder und Jugendlichen fernab des Elternhauses und der Schule. „Die Freunde in der Schule sind die eine Seite, aber die Fußballmannschaft ist zum Teil eine andere Zusammensetzung. Dieser Teamgedanke, der in einer Fußballmannschaft herrscht, ist auch sehr wichtig“, sagt Brandes.

Ungleiche Handhabung

Das Landeskabinett in Mecklenburg-Vorpommern hat entschieden, dass das Sportverbot nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Vereinssport gilt, der Trainingsbetrieb ist damit weiterhin erlaubt. In Berlin gilt die Sonderregelung, dass Vereinssport für Kinder bis zwölf Jahren unter Auflagen gestattet ist. Die Ungleichheit der Handhabung in den unterschiedlichen Bundesländern bereitete Hanke und seinem JFV Probleme. „Es ist schwer zu begreifen und den Kindern von den Eltern und Trainern schwer verständlich zu machen“, sagt Hanke.


Die Eltern hatten die Nachricht über das erneute Sportverbot „resignierend“ hingenommen. „Ich hatte wenig Unverständnis vernommen, da der Familien-Schutz natürlich vorgeht“, sagt Hanke. Der G-Jugend-Trainer hat aber nicht die Befürchtung, dass nach einer erneuten Aufhebung des Sportverbots die Talente dem Verein fernbleiben. "In der Masse wird es uns sicherlich nicht treffen. Nach der ersten Lockdown-Phase war auch kein einziges Kind weggeblieben“, sagt Hanke.