19. Mai 2020 / 13:56 Uhr

Gifhorns Tino Gewinner: Kritik am NFV, Appell an die Vereine

Gifhorns Tino Gewinner: Kritik am NFV, Appell an die Vereine

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
SV Gifhorn: Spielertrainer Tino Gewinner (am Ball) ist mit dem Vorgehen des NFV unzufrieden.
SV Gifhorn: Spielertrainer Tino Gewinner (am Ball) ist mit dem Vorgehen des NFV unzufrieden. © Sebastian Preuß
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Ende Juni wird auf dem NFV-Verbandstag über die Zukunft der laufenden Spielzeiten im Amateurfußball entschieden. Tino Gewinner, Spielertrainer des Bezirksligisten SV Gifhorn, ärgert sich über „vertrödelte Zeit“ und hat Bedenken bei einer Wertung ohne Absteiger.

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Wie geht’s weiter mit dem Amateurfußball in Niedersachsen? Entschieden wird das erst auf einem außerordentlichen Verbandstag des NFV, der wahrscheinlich am 27. Juni stattfinden wird. Tino Gewinner, Spielertrainer des Fußball-Bezirksligisten SV Gifhorn, kritisiert den Verband für die lange Phase bis zur Entscheidungsfindung. Er glaubt, dass nur ein Vorschlag die Mehrheit der Vereine finden wird. Und dieser Vorschlag macht ihm große Sorgen mit Blick auf die nächste Saison.

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Saison-Fortsetzung praktisch vom Tisch

Auf vier Varianten (Saisonfortsetzung; Abbruch mit Wertung der Spielzeit unter Berücksichtigung der Quotientenregelung mit Auf- sowie Absteigern – und in einer Variante ohne Absteiger; Annullierung der Saison) hatten sich der NFV und die 33 Kreisverbände geeinigt, am Mittwoch wird sich der Verbandsvorstand damit beschäftigen, welche Varianten eingereicht werden. Wahrscheinlich ist, dass dann die Saison-Fortsetzung vom Tisch ist (70 Prozent der Klubs haben sich dagegen ausgesprochen). Allerdings: Bis zum Verbandstag können die Vereine weitere Vorschläge zur Diskussion stellen.

Bezirksliga: TSG Mörse gegen SV Gifhorn

Bezirksliga: TSG Mörse gegen SV Gifhorn. Zur Galerie
Bezirksliga: TSG Mörse gegen SV Gifhorn. © Boris Baschin

„Dadurch, dass der NFV von Anfang an Vorschläge zugelassen hat, hat man jetzt den Salat und kann nicht mehr zurückrudern“, sagt Gewinner. Er ist sich sicher, welche Variante die Mehrheit bekommt: „Eine Saison annullieren, das wird es nicht geben, und weniger als 50 Prozent werden fürs Weiterspielen oder für Absteiger stimmen. Die Entscheidung steht meiner Meinung nach schon fest, da muss man nicht bis Ende Juni warten mit der ganzen Geschichte. Wir vertrödeln viel Zeit.“ Er glaubt, dass sich die Variante mit Auf- aber ohne Absteiger durchsetzen wird. Und so hätte ein Saisonabbruch nach Vorbild des Handballs seiner Meinung nach schon viel früher vollzogen werden können.

"50 Prozent der Landesliga gegen Absteiger"

Im Handball wurde der Quotient anhand der absolvierten Spiele geteilt durch die Punkte errechnet. Im Amateurfußball wurde die Regelung noch nicht kommuniziert. Spielen am Ende auch andere Faktoren eine Rolle? Das bedeutet Ungewissheit, vor allem für die Teams im Keller. „In der Landesliga stehen vier Vereine auf einem Abstiegsplatz, vier weitere sind bedroht. Das heißt, 50 Prozent der Liga werden wohl kaum dafür stimmen, dass es auch Absteiger geben wird“, ahnt der SVG-Spielertrainer. So kämen die Vereine durch die vorgeschlagenen Varianten des NFV in die Bredouille: „Man schneidet sich ja nicht ins eigene Fleisch.“

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Dennoch appelliert der 35-Jährige an den sportlichen Gedanken bei den Klubs: „Ich finde, wer A sagt, der muss auch B sagen. Wenn jemand der Meinung ist, dass der Tabellenerste aufsteigen soll, weil er es verdient hat, dann hat es meiner Meinung nach auch der Letzte verdient abzusteigen.

Schon jetzt viele Beschwerden über zu viele Spiele

Gewinners große Sorge: Durch einen Saisonabbruch ohne Absteiger würden die Ligen aufgestockt werden. „Seit Jahren jammern alle Trainer rum, der Spielplan ist zu eng, die Belastung ist zu hoch in der Rückrunde, weil oft viele Nachholpartien noch anstehen“, sagt Gewinner. Bis zur Winterpause würden nach seiner Einschätzung in einer ab September neu startenden Saison noch zehn Spieltage gespielt werden können. „Dann in der Rückrunde 26 Spiele machen, von März bis Juni? Das ist genau das Gegenteil von dem, worüber man sich schon jahrelang beschwert.“ Und wenn eine weitere Corona-Welle eine zweite Saison kaputtmachen würde? Gewinner: „Was dann? Wieder Abbruch, wieder keine Absteiger und nur Aufsteiger...“