24. Juni 2020 / 17:18 Uhr

Ostfußball-Legenden fordern Aussetzung des Abstiegs

Ostfußball-Legenden fordern Aussetzung des Abstiegs

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Bildnummer: 15170237  Datum: 30.11.2013  Copyright: imago/Robert Michael      Fussball, 2. Bundesliga, Saison 2013/14, 16. Spieltag, SG Dynamo Dresden - 1. FC Kaiserslautern, Samstag (30.11.13), Dresden, Gluecksgas Stadion. Dresdens ehemaliger Spieler Hans - Jürgen Dixie Doerner. RM001; 2014 x0x xsk 2013 quer
Auch der ehemalige Dynamo-Spieler Hans-Jürgen Dörner unterschrieb die Petition. © imago sportfotodienst
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Ex-DDR-Auswahlspieler haben einen Offenen Brief an den DFB-Präsidenten Fritz Keller und den DFL-Geschäftsführer Christian Seifert geschrieben. Sie appellieren, von Absteigern in den ersten vier Ligen abzusehen.

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Dresden. Namhafte Vertreter des Ostfußballs haben sich mit einem Offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gewandt und sich mit Nachdruck für die Interessen derjenigen Ostvereine eingesetzt, die unter den Folgen der Corona-Pandemie besonders zu leiden haben. In dem von Ex-Auswahlspielern wie Hans-Jürgen Dörner, Jürgen Sparwasser, Peter Ducke, Hans-Jürgen Kreische, Rainer Ernst, Ronald Kreer, Klaus Sammer, Hartmut Schade, Gerd Weber und Gerd Kische unterzeichneten Schreiben beklagen die Verfasser eine erneute Benachteiligung von Ostclubs, die schon seit der Wiedervereinigung mit Standortnachteilen und fehlender Lobby zu kämpfen gehabt hätten. Dass die trotz geringerer Wirtschaftskraft und schlechterer Infrastruktur geleistete Aufbauarbeit in den neuen Ländern vielfach durch die Corona-Folgen massiv gefährdet ist, wollen die Unterzeichner nicht tatenlos hinnehmen.

Die prominenten Ex-Kicker, die übrigens auch vom „Wessi“ Ansgar Brinkmann unterstützt werden, finden es erschütternd, wie DFB und DFL mit ostdeutschen Fußball-Hochburgen umgehen: „Hier ist man offenbar gedankenlos dazu bereit, die Ostvereine wie Jena, Magdeburg oder Dynamo Dresden über die Klinge springen zu lassen.“ Speziell der Fall von Dynamo wird angeführt und gefragt: „Kann man wirklich noch von Fairness oder Chancengleichheit sprechen, wenn eine Mannschaft wie Dynamo Dresden bei einem zweiwöchigen Trainingsrückstand aufgrund Zwangsquarantäne gleich in den ersten der drei englischen Wochen mit den Spitzenmannschaften der 2. Liga konfrontiert wird und neun Punktspiele in nur 29 Tagen absolvieren muss?“

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von "Dixie"

27. Juli 1976: Die DDR-Spieler Hartmut Schade (14), Gerd Kische (12), Hans-Jürgen Dörner (3) und Wolfram Löwe (13) bejubeln nach dem Halbfinalsieg gegen die UdSSR bei den Olympischen Spielen ihren Trainer Georg Buschner (oben) und tragen ihn auf den Schultern.  Zur Galerie
27. Juli 1976: Die DDR-Spieler Hartmut Schade (14), Gerd Kische (12), Hans-Jürgen Dörner (3) und Wolfram Löwe (13) bejubeln nach dem Halbfinalsieg gegen die UdSSR bei den Olympischen Spielen ihren Trainer Georg Buschner (oben) und tragen ihn auf den Schultern.  ©

Jeder Sportmediziner und jeder Trainer würde bestätigen, dass Leistungssport unter diesen Bedingungen nicht möglich ist, sind die Oststars überzeugt. Dynamo werde bei DFB und DFL aber wenig geschätzt und auf dem Altar der Fernsehgelder geopfert, mutmaßen die Unterzeichner. Sie fragen: „Ist es wirklich richtig, die einfachsten Gesetzmäßigkeiten des Leistungssports komplett auszublenden, wenn man doch Leistungssport betreiben will? Ist diese Möglichkeit tatsächlich bei der Beschlussfassung überhaupt in Erwägung gezogen worden? Wohl eher nicht!“

Bedeutung des Ostfußballs

Die Unterzeichner des Briefes, zu denen auch die Cottbuser Legende Detlef Irrgang und der ehemalige Energie-Präsident Dieter Krein gehören, bitten daher, von Absteigern in den ersten vier Ligen abzusehen. Aufsteiger solle es aber geben. „Das führt zwar zu einer Vergrößerung lediglich der 1. Liga (zwei Aufsteiger, kein Absteiger), kann aber in der nächsten bzw. übernächsten Saison wieder rückgängig gemacht werden. Wir sind uns bewusst, dass damit einige nicht unerhebliche Änderungen vorgenommen werden müssten. Dieser Aufwand steht jedoch in keinem Verhältnis zu dem positiven Signal, welches davon ausgeht und den regionalökonomischen Effekten für die ohnehin strukturschwachen Regionen des Ostens. Das wäre gelebte Solidarität von DFB und DFL.“

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Die Initiatoren der Petition glauben: „Beispiellose Zeiten verlangen beispiellose Maßnahmen – jetzt ist die Zeit für ein klares Bekenntnis von DFB und DFL nicht nur zu den eigenen Werten, sondern auch zu der Bedeutung des Ostfußballs. Stehen Sie jetzt zu Ihrer so oft beschworenen Fußballfamilie, bevor die Sonne im Osten endgültig untergeht!“