07. Januar 2019 / 16:03 Uhr

Fußball-Verband der Stadt Leipzig erhält Konkurrenz

Fußball-Verband der Stadt Leipzig erhält Konkurrenz

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Überblick: So haben die Teams der 3. Kreisklassen gespielt. Symbolbild
Überblick: So haben die Teams der 3. Kreisklassen gespielt. Symbolbild © Christian Modla
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Die neu gegründete "Confederation of Football" veranstaltet Fußball-Turniere und sieht sich als Gegenentwurf zur bisherigen Verbandsstruktur unter Federführung des DFB. 

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Leipzig. Beim Fußball-Verband der Stadt Leipzig (FVSL) herrscht etwas Unruhe. Das ist in einem Verband mit fünfstelliger Mitgliederzahl (rund 18 500 in 82 Vereinen) durchaus normal, aber der Anlass ist ziemlich neu. Seit rund einem Jahr gibt es einen neuen Verband, die Confederation of Football. Die CoF mit Sitz in Leipzig versteht sich als Konkurrent zu den herkömmlichen Verbänden, die unterm DFB-Dach und damit auch unter dem des Weltverbandes Fifa „siedeln“.

Am Wochenende veranstaltete die CoF erstmals Hallenturniere, in Grimma gab es Spiele für Männer- und B-Juniorenteams. Teilnehmer waren auch Vereine, die Mitglied im FVSL sind. Damit fangen aus FVSL-Sicht die Probleme an, weshalb der Stadtverband schon Ende November vor der Teilnahme an CoF-Turnieren gewarnt hat. Angesprochen wurden dabei unter anderem der nicht geklärte Versicherungsschutz bei Verletzungen.

Ziel ist ein Gegenverband zur bisherigen Struktur

Der CoF antwortet auf seiner Internetseite darauf, wobei schon deutlich wird, dass es sich hier um juristisch nicht ganz einfaches Terrain handelt. „Die Überreaktion des FVSL können wir nicht ganz nachvollziehen“, wundert sich René Jacobi, der als gewählter Präsident derzeit 27 CoF-Mitgliedern vorsteht. „Wir wollen keinen Verband angreifen, aber mittel- und langfristig einen Gegenverband aufbauen, vieles anders machen, auch um die bisherige monopolistische Struktur aufzubrechen“, so Jacobi. „Diese widerspricht übrigens europäischem Wettbewerbsrecht“, betont der beruflich als Unternehmensberater für Kundenservice-Organisation tätige CoF-Chef.

FVSL-Präsident Dirk Majetschak, der zugleich Vize des Sächsischen Fußball-Verbandes ist, sagt: „Wir haben von dieser Confederation Kenntnis erlangt, aber eine Zusammenarbeit mit uns ist nicht angefragt worden. Wir sind auch nicht interessiert daran, weil sie sich außerhalb der DFB-Statuten bewegt.“ Doch er betont: „Handelnde Aktive des CoF können sich aber gern bei uns integrieren.“

Das war bei René Jacobi übrigens einst der Fall, er war als Schiedsrichter für den FVSL aktiv. Umso mehr hat die von ihm vollzogene und ins Internet gestellte Verbrennung seines Schiri-Ausweises für Aufsehen gesorgt. „Ich habe damit nur statutengemäß den Ausweis vernichtet, nachdem ich meine Tätigkeit als Referee beendet hatte“, erklärt Jacobi, gibt allerdings zugleich zu: „Ob das so offiziell der richtige Weg war, kann man hinterfragen. Ich wollte mich absichern, dass mir niemand unterstellt, ich würde weiter mit Hilfe des Schiri-Passes kostenlos Eintritt zu Spielen erlangen.“

Erfolgsaussichten des "CoF" sind unklar

Was es für ein langer Weg werden wird, einen Verband zu etablieren, ist Jacobi offenbar klar: „Da wir nicht nur Turniere, sondern irgendwann auch Spielbetrieb in Ligen organisieren wollen, rechne ich mit 10 bis 15 Jahren, ehe wir in diese bislang monopolistische Struktur eindringen können.“ Es solle die eigene Entscheidung der Vereine sein und einen Wettbewerb unter den Verbänden geben, wer für Vereine quasi der beste Dienstleister ist.

In manch anderer Sportart gibt es mehrere Verbände, bekanntestes Beispiel ist wohl Boxen. Aber auch im Tischtennis oder Ringen kennt man das, wohlgemerkt mit manch juristischem Scharmützel. Ob das für Sportler und Zuschauer unbedingt besser ist, sei dahingestellt und muss die Zukunft zeigen.

Auch im Fußball gab es in der deutschen Vergangenheit schon lange Phasen mit mehreren Verbänden. Diese wurden dann aber unter dem Nazi-Regime nach 1933 entweder aufgelöst oder in den DFB zwangseingegliedert. Dessen Gründung war bekanntermaßen auch kein ganz einfacher Akt, denn schließlich mussten sich erst etliche teils konkurrierende Verbände darauf einigen.

Dies gelang nach mehrfachen Anläufen schließlich am 28. Januar 1900 in Leipzig. Weil es ungeachtet des Wettbewerbsgedankens eben auch viele Vorteile hat, wenn der Spielbetrieb in einem starken Zentralverband und dessen regionalen Unterverbänden gebündelt abläuft.