23. Dezember 2021 / 09:34 Uhr

Havellands Fußball-Wikipedia: "Alle Ergebnisse mit allen Torschützen aller Vereine"

Havellands Fußball-Wikipedia: "Alle Ergebnisse mit allen Torschützen aller Vereine"

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Fußballarchiv Havelland: Initiator Andy Aulenbach fotografiert leidenschaftlich gerne Amateurspiele.
Fußballarchiv Havelland: Initiator Andy Aulenbach fotografiert leidenschaftlich gerne Amateurspiele. © Privat, Andy Aulenbach
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Bis zur Saison 1901/02 geht es zurück. Der Rathenower Andy Aulenbach baut im Internet ein Archiv für den Kick der heimischen Region auf. Dafür fährt er regelmäßig zu Amateurspielen und schießt Fotos für seine Internetseite.

Dieser Artikel ist Teil des Amateurfußball-Bündnisses #GABFAF. Infos auf gabfaf.de.

Es liegt noch viel Arbeit vor ihm, um den „Traumzustand”, wie er es nennt, zu erreichen. Auf schätzungsweise sieben Prozent beziffert Andy Aulenbach den aktuellen Status seines Internetprojekts fussballarchiv-havelland.de. „Alle Ergebnisse mit allen Torschützen aller Vereine – und das aller Zeiten. Das wäre großartig, ist aber sehr aufwendig und wohl kaum zu schaffen. Aber ich probiere, so weit wie möglich zu kommen”, sagt der Rathenower.

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Seine große Leidenschaft ist der Lokalkick. Früher fieberte der in Neuruppin geborene und in Premnitz aufgewachsene Aulenbach auch auf der großen Fußballbühne mit. Der 1. FC Köln hatte es ihm angetan, „glühender Fan” sei er gewesen. Aber schleichend entfremdete sich der 45-Jährige davon. „Der Fußball da oben überflutet sich mit den ganzen Spielen und Wettbewerben selbst, es geht so viel um Geld. Da fällt es schwer, sich noch mit zu identifizieren.” Statt 1. FC Köln, Bayern München, FC Liverpool und Real Madrid reizen ihn heute fast ausschließlich nur noch Vereine wie TSV Chemie Premnitz, SG Einheit Bamme, SV Empor Spaatz und SG Eintracht Friesack. „Am Lokalfußball mag ich das Ursprüngliche, das Natürliche, das Ehrliche”, sagt Aulenbach.

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Im Alter von sechs Jahren hatte er selbst mit dem Fußballspielen begonnen. Bis auf zwei Jahre, als er nach der Juniorenzeit kurz für den Mögeliner SC 1913 spielte, war Aulenbach immer für Chemie Premnitz aktiv. Mit Mitte 30 hörte er bei der zweiten Mannschaft auf. Aulenbach brachte sich bei seinem Heimatclub auch ehrenamtlich als Nachwuchstrainer und Vorstandshelfer ein.


Ende 2005 schoss er beim Landespokalspiel zwischen Premnitz und dem MSV Neuruppin zum ersten Mal Fotos, „nur so für mich selbst”, erinnert sich Aulenbach. „Das hat Spaß gemacht. Ich habe mir dann eine gute Spiegelreflexkamera gekauft und regelmäßig Bilder von Chemie-Spielen gemacht.” Zwei Jahre später startete er ein Vereinsarchiv, nutzte Fotos, dokumentierte die Partien aller Mannschaften. Das Projekt floss in die TSV-Internetseite ein. Als diese nun umgestellt wurde, ließ sich die Datenbank nicht mehr unterbringen. „Ich hatte die Sammlung nur noch auf meiner Festplatte und hätte sie verstauben lassen können.”

"Viele Vereine sind online nicht gut sichtbar"

Aber das wäre ihm zu schade gewesen. Stattdessen erweiterte Aulenbach seinen Fokus und kam auf die Idee des Fußballarchivs für das gesamte Havelland. „Ich habe gesehen, dass viele Vereine online nicht gut sichtbar sind, und möchte gerne eine allgemeine Plattform bieten”, sagt er. „Eine Art Wikipedia für den lokalen Fußball.” Und so trug er viele Informationen zusammen. Über die Vereine, die Stadien und Sportplätze, die Saisons. Bis 1901/02 geht er zurück. „Ende August habe ich die Seite ins Internet gestellt. Ich bin dabei, sie immer weiter anzureichern.” Dafür nimmt Aulenbach auch mal einen Urlaubstag, um für mehrere Stunden ins Kreisarchiv in Friesack zu fahren. Dort wälzt er alte Ausgaben der „Märkischen Volksstimme”, der Vorgängerin der heutigen „Märkischen Allgemeinen Zeitung”, um Statistiken rauszusuchen.

Seine Passion für Detailarbeit hänge wohl auch mit seiner beruflichen Tätigkeit als Vermessungstechniker zusammen, sagt er. „Da beschäftige ich mich mit alten Karten, arbeite aber auch vor Ort und kenne den Landkreis Havelland sehr gut aus der Luft.” Für sein Fußballarchiv sucht er auch die Standorte früherer Sportstätten auf, die heute zum Beispiel Eigenheimsiedlungen sind.

"Ein Tag am Wochenende ist erlaubt"

Und er ist regelmäßig bei Spielen unterwegs, um Fotos für seine Internetseite zu machen. Aulenbach ist dann mit seiner Kamera im Havelland unterwegs, hauptsächlich im westlichen Bereich rund um Rathenow, aber auch den Osten möchte er zunehmend erkunden. „Ein Tag am Wochenende ist erlaubt. Mehr nicht – das ist aber auch verständlich”, sagt Aulenbach lachend. Schließlich soll auch genügend Zeit für seine Familie bleiben. Den Fototag plane er so, dass der Besuch von zwei bis vier Partien möglich ist. Seine Bilder können sich sehen lassen, stehen denen von Profi-Sportfotografen in nichts nach.

Dass die Corona-Pandemie zuletzt den Spielbetrieb wieder stoppte, finde er persönlich nachvollziehbar und nicht so schlimm. „In der Adventszeit sind andere Dinge angenehmer, als draußen in der Kälte zu stehen”, sagt der Rathenower. Doch nächstes Jahr will er wieder über die Plätze ziehen, Fotos schießen, Infos sammeln. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man so viel in der Freizeit investiert”, sagt Andy Aulenbach. „Aber es bereitet mir Freude.” Mit dieser geht er die restlichen 93 Prozent an.

Für sein Internetprojekt ist Andy Aulenbach immer auf der Suche nach neuen Informationen, Zeitzeugen und Unterstützern. Per E-Mail an info@fussballarchiv-havelland.de kann Kontakt aufgenommen werden.