28. Februar 2021 / 16:14 Uhr

Fußballer im Lockdown: Jugendtrainer in Göttingen und Duderstadt warten auf Signale der Politik

Fußballer im Lockdown: Jugendtrainer in Göttingen und Duderstadt warten auf Signale der Politik

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Die jungen Fußballer des JFV Eichsfeld (blaue Trikots, hier beim Finalspieltag der Bolzplatzhelden 2019) warten darauf, wieder mit ihren Freunden auf dem Platz stehen zu können.
Die jungen Fußballer des JFV Eichsfeld (blaue Trikots, hier beim Finalspieltag der Bolzplatzhelden 2019) warten darauf, wieder mit ihren Freunden auf dem Platz stehen zu können. © Helge Schneemann
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Vor den nächsten Beratungen zu Lockerungen im Corona-Lockdown: Die Verantwortlichen des I. SC Göttingen 05 und des JFV Eichsfeld hoffen auf positive Signale seitens der Politik. Sie drängen darauf, die Trainingsplätze für die Nachwuchsfußballer wieder zu öffnen.

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Wenn am Mittwoch, 3. März, die Länderchefs wieder mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen kommen, um über eine Fortführung oder mögliche Lockerung des derzeitigen Lockdowns zu sprechen, sollte es – nach Wunsch der Fußballer in der Region – auch um Maßnahmen für den Sport gehen. Vor allem im Jugendbereich drängen Übungsleiter und Funktionäre auf eine Rückkehr zum Trainingsbetrieb.

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„Ich bin skeptisch, dass es gravierende Lockerungen geben wird, halte es aber für zwingend notwendig, dass diese kommen müssen“, sagt Jan Steiger, Trainer der U15 des I. SC Göttingen 05 und Koordinator für die Jüngsten im Verein. Vor allem der Trainingsbetrieb müsse wieder möglich sein, die Hygienekonzepte vor dem zweiten Lockdown seien wirksam gewesen, alle seien verantwortungsvoll damit umgegangen. „Natürlich muss man sich über die Kabinennutzung und Fahrgemeinschaften Gedanken machen – in die Richtung muss konzeptionell einiges passieren. Freiluftsport muss wieder möglich sein. In einem ersten Schritt kann der Spielbetrieb ausgeklammert werden, da geht es erst einmal nur um das Training. Wenn wir verantwortungsbewusst agieren, ist das Risiko überschaubar.“

Zoom-Meetings sind kein Ersatz für normales Training

Acht Distanz-Trainingseinheiten haben Steiger und seine Trainerkollegen den U15- Spielern, die in der Regionalliga auflaufen, pro Woche geboten. Drei davon waren Zoom-Konferenzen. Über die vier Monate ohne Training sind alle dabei geblieben. „Wir haben die Jungs, die sehr leistungsorientiert sind, beschäftigt und sie waren dankbar – auch, dass sie sich während dieser Konferenzen mal wieder sehen konnten. Die sozialen Kontakte sind wichtig. Aber all das ersetzt in keinster Weise das normale Fußballtraining“, sagt Steiger, der enttäuscht ist, dass die starken Verbände wie der DFB erst sehr spät interveniert und sich lange in einer „Schockstarre“ befunden haben. Wenn das „Go“ seitens der Politik komme, sei es kein Problem, schnell wieder auf dem Platz zu stehen. „Natürlich mit einem vorsichtigen Start, um das Verletzungsrisiko so gering wie möglich zu halten.“

Florian Gerlach, Vorstandsmitglied des JFV Eichsfeld und dort zuständig als Koordinator für die C- bis A-Jugend, hat keine konkreten Erwartungen an die Runde der Entscheider am kommenden Mittwoch. „Es wäre schön für alle, wenn es ein bisschen Licht am Ende des Tunnels geben würde. Bislang sehe ich nur Nebel. Der Sport muss Perspektiven haben – und da spreche ich nicht nur für die Fußballer“, sagt der Eichsfelder, der auch eine E-Jugend im JFV trainiert.

Regionale Gegebenheiten stärker bewerten

Vorstellbar sei für ihn eine schrittweise Lockerung auf regionaler Ebene. „Dann haben eben die Landkreise Glück, bei denen die Werte niedriger sind. Aber irgendwo muss einmal begonnen werden.“ Der JFV Eichsfeld deckt alle Altersklassen von der G- bis zur A-Jugend ab. „Ich bin zuversichtlich, dass das so bleibt. Bislang hat es keine keine Abmeldungen gegeben, weil wegen der Corona-Vorgaben nicht trainiert werden konnte. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es bei Vereinen, die nicht ganz so üppig mit Spielern ausgestattet sind, schon mal eng werden kann. Vor allem dürfen die Kleinen nicht vergessen werden. Ältere Spieler sind schon lange dabei und in dem Sport verankert, jüngere springen leichter ab.“

Mehr vom Sport in der Region

Für Gerlach ist es auch wichtig, dass die Nachwuchsfußballer eine Perspektive haben. „Kein Lauf ersetzt die Arbeit auf dem Platz. Es war schon immer schwer, manche Fußballer, die nicht so viel Gelegenheit hatten, in der Halle zu spielen und zu trainieren, aus dem Winterschlaf zu holen. Das ist jetzt noch schwieriger geworden“, sagt der JFV-Trainer, der nicht nur darauf hofft, dass seitens der Politik Lockerungen kommen werden. Er verlangt auch vom Niedersächsischen Fußballverband eine Entscheidung zum weiteren Saisonverlauf. „Sollte es einen Abbruch geben, dann bin ich dafür, dass es – wie in anderen Sportarten – ein alternatives Sommerprogramm auf regionaler Ebene gibt. Da muss sich dann der Kreisverband Gedanken machen.“

„Kinder brauchen dringend soziale Kontakte“

Probleme, schnell wieder ins Training einzusteigen, sieht Gerlach nicht. „Wir wissen damit umzugehen, sind auch im Sommer und Herbst gut mit dem Hygienekonzept klar gekommen.“ Große Hoffnungen setzt das JFV-Vorstandsmitglied auf die Öffnung der Schulen. „Wenn die Kinder in den Wechsel-Unterricht gehen, können sie auch nachmittags zusammen trainieren. Wir finden die richtigen Trainingsformen. Die Kinder brauchen dringend soziale Kontakte“, sagt der Familienvater.