24. Mai 2021 / 18:30 Uhr

Fußballfans aus Ostprignitz-Ruppin feiern Rostocker Aufstieg und Unions siebten Platz live vor Ort

Fußballfans aus Ostprignitz-Ruppin feiern Rostocker Aufstieg und Unions siebten Platz live vor Ort

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Oliver Jundel vom SV Union Neuruppin vor dem Rostocker Ostseestadion.
Oliver Jundel vom SV Union Neuruppin vor dem Rostocker Ostseestadion. © privat
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Fußballfans aus Wittstock, Neuruppin, Alt Ruppin und Pritzwalk sind im Freudentaumel: Ihre Herzensvereine Union Berlin und Hansa Rostock haben am letzten Spieltag Großes erreicht - und sie waren live dabei.

Dass Fußballfans schon weit vor dem Anpfiff den Mannschaftsbus empfangen und ihrem Team die bedingungslose Unterstützung präsentieren, wurde in den letzten Wochen zur Gewohnheit. Auch, dass einige Anhänger die 90 Minuten vor dem Stadion verbringen, ist gerade an den entscheidenden Spieltagen keine Seltenheit gewesen. Mancherorts war der finale Akt der Saison 2020/21 in den drei Profiligen aber doch außergewöhnlich: In Rostock und Berlin spielten sich Szenen ab, an die man sich zwar erst wieder gewöhnen muss, die aber auch Hoffnung schüren. Es waren Bilder von Fußballfans, die eine Partie im Stadion verfolgen durften. Im Ostseestadion, wo dem FC Hansa ein 1:1-Remis gegen Drittliga-Absteiger VfB Lübeck zum Zweitliga-Aufstieg genügte, fanden 7500 Zuschauer Platz. Im Stadion An der Alten Försterei in Berlin-Köpenick bejubelten 2000 Eiserne den Last-Minute-Erfolg ihres 1. FC Union gegen RB Leipzig – und den Einzug in den Europapokal, die Qualifikation zur neu geschaffenen Conference League. Sowohl an der Küste als auch im Südosten der Hauptstadt feierten Fußballfanatiker aus der hiesigen Prignitz-Ruppin-Region mit.

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„Seit Mittwoch stieg die Anspannung ins Unermessliche“, verrät Oliver Jundel. Neun lange Jahre litt der Torwart des SV Union Neuruppin mit seinem FC Hansa Rostock in der 3. Liga mit, die Rückkehr in die Zweitklassigkeit fühlt sich noch nicht real an. In der kommenden Saison reist der FC Hansa nicht mehr nach Lotte, Meppen oder zu Türkgücü München, die Gegner heißen dann Schalke 04, Hamburger SV oder Fortuna Düsseldorf. „Und wir fahren ins Weserstadion, aber nicht mehr zur zweiten Mannschaft des SV Werder“, sagt der 29-Jährige.

Rostock-Fans aus der gesamten Nation versammelten sich am Sonnabend in der Hansestadt, ob auf den Straßen, auf dem Nordplatz oder im Leichtathletik-Stadion: „Alle wollten dabei sein“, sagt Jundel, der dem Team von Trainer Jens Härtel keinen schönen Fußball, dafür aber Kampf und Leidenschaft attestiert.

BerLut
Hansa-Wittstock-Urgestein Jörg Lutter (r.) war mit Kevin Berlin in Rostock zu Gast. © privat

Unweit des Ostseestadions tummelten sich auch Jörg Lutter und Kevin Berlin. Lutter, langjähriger Trainer des FK Hansa Wittstock, schmückte vorab sein eigenes Haus mit Trikots und Schals, er wollte sich die Fahrt gen Norden mit seinem ehemaligen Schützling und jetzigen Spieler des Meyenburger SV aber nicht nehmen lassen. „Die Stimmung war überragend, in der Stadt war die Hölle los. Jörg hat schon die früheren ein, zwei Aufstiege von Hansa live miterlebt, er war im Nachgang überglücklich“, erklärt Kevin Berlin. Auch Kicker vom FC Dossow bildeten eine Reisegruppe, die dem FC Hansa vor Ort die Daumen drückte.

Gute Laune und ausgelassene Stimmung herrschte auch in der Hauptstadt – zumindest bei denen, die es mit dem 1. FC Union halten. Trainer Urs Fischer hat seine Mannschaft sensationell in den Europapokal geführt. Das ließ auch die eisernen Anhänger im Nordwesten der Mark nicht kalt, weshalb sich viele Fans auf den Weg Richtung Köpenick machten. „Ich bin mit einigen Kumpels mit der Bahn nach Berlin gefahren, zwei hatten sogar bei der Verlosung Glück und durften ins Stadion“, sagt Steffen Telschow. Der Pritzwalker ist seit knapp sieben Jahren Unioner, bei minus 17 Grad besuchte er einst mit seinem Sohn ein Zweitliga-Spiel gegen Regensburg. „Da war es um mich geschehen“, erklärt der 49-Jährige, der beim FHV die Altherren coacht und derzeit ein Benefiz-Spiel gegen die eiserne Traditionself am 13. August in der Dinnebier-Arena organisiert.

Ein Quartett des Neuruppiner Union-Fanclubs „EUFC Panik 82“ war im Stadion.
Ein Quartett des Neuruppiner Union-Fanclubs „EUFC Panik 82“ war im Stadion. © privat

Am Samstag traf er vor dem Stadion An der Alten Försterei auf Neustädter, Perleberger, Wittenberger und Kyritzer, die den Einzug in den Europapokal vor Ort miterleben wollten – wenn auch von außerhalb. „Wir hatten uns etwa eine Stunde vor Spielbeginn auf der Waldseite eingefunden und die ganzen 90 Minuten durchgesungen. Verfolgt haben wir das Spiel kaum, hin und wieder konnte man einen Blick auf das Feld erhaschen oder ein Nebenmann hatte am Handy Sky an“, erklärt Telschow, der sich das Abenteuer Europa nicht entgehen lassen will: „Da fliege ich auswärts mit, egal wohin es geht. Meinetwegen auch nach Estland.“ Völlig begeistert war auch Dauerkarteninhaber Marco Liebsch, der mit drei Kollegen vom Neuruppiner Fanclub „EUFC Panik 82“ ins „Wohnzimmer Alte Försterei“ zurückkehrte. Nach 15-minütigem Protest gegen den Leipziger Konkurrenten wurde im Sektor 3, wo die Fontanestädter standen, gebangt, gehofft und gesungen – „und zwar aus voller Kehle“. Bei den Toren von Marvin Friedrich zum 1:1 und dem Siegtreffer von Max Kruse in der Nachspielzeit gab es auf den Rängen und vor dem Stadion kein Halten mehr. „Alle rasteten aus, danach wurde die Mannschaft abgefeiert – erst im und danach vor dem Stadion“, sagt Liebsch.


Alt Ruppins Max Döbbelin (l.) fuhr mit drei Kumpels spontan an die Alte Försterei.
Alt Ruppins Max Döbbelin (l.) fuhr mit drei Kumpels spontan an die Alte Försterei. © privat

Das positive Resultat nahmen weitere Union-Fans zum Anlass, spontan ins Auto zu steigen. Max Döbbelin und Jannis Neumann, die beide für Eintracht Alt Ruppin auf dem Platz stehen, sahen die Partie im Fernsehen. Mit dem Abpfiff machte sich das Duo mit zwei weiteren Kumpels aber aus Neuruppiner Richtung nach Berlin auf, um noch einige Party-Momente zu erleben. „Als wir ankamen, war nicht mehr so viel los, da war der Platz vor dem Haupteingang schon geräumt“, sagt Döbbelin. Und trotzdem hat sich der Spontan-Trip gelohnt: „Das Erinnerungsfoto vor dem Stadion kann uns niemand nehmen. Und beim kleinen Spaziergang zur Abseitsfalle, der bekannten Union-Kneipe, kamen wir noch mit vielen Fans ins Gespräch.“ Ein Tag wie gemalt eben für Unioner und Rostocker.