20. April 2020 / 21:43 Uhr

Fußballspiele seit 1911 auf dem Gelände des Rudolf-Harbig-Stadions

Fußballspiele seit 1911 auf dem Gelände des Rudolf-Harbig-Stadions

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ilgen-Kampfbahn mit Georg-Arnhold-Bad
undatiert
Die Sportanlagen auf den Dresdner Güntzwiesen wurden 1911 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände der I. Internationalen Hygieneausstellung auch mit Unterstützung Karl August Lingners errichtet. Durch Gelder weiterer Mäzene entstanden dann in den 1920er Jahren an gleicher Stelle die Ilgen-Kampfbahn (Vorläufer des Rudolf-Harbig-Stadions) und das dahinter angrenzende Georg-Arnhold-Bad. © Archiv
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Von der Hygiene zum Sport: Der durch die Produktion des Mundwassers Odol bekannte Unternehmer Karl August Lingner war auch ein Pionier des Dresdner und des mitteldeutschen Fußballs. Er griff tief in die eigene Geldbörse und ließ den „Sportplatz an der Hygieneausstellung“ erbauen.

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Dresden. Etwas wie die Corona-Pandemie ist keineswegs ein neuartiges Phänomen. In den Jahren 1910 bis 1914 traten in verschiedenen Teilen der Welt immer wieder Infektionskrankheiten epidemisch auf: die Cholera, der systemische Typhus oder die weltverbreitete Tuberkulose. In Nordchina wurde die Mandschurei, darüber hinaus die Mongolei, von der „Yersinia pestis“ überfallen – von einer pestartigen Lungenerkrankung. Es war, als kehrte die „Schwarze Pest“ aus dem Mittelalter zurück. Sie schwappte nach Europa über, in ihren Ausläufern nach Deutschland. Dass dies nicht stärker geschah, hing damit zusammen, dass die Welt seinerzeit noch nicht ambivalent in sich verbunden war. Dagegen wurden in Deutschland zwei Abwehrmaßnahmen verordnet: strenge Hygiene, dazu die Quarantäne.

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Mit dieser Weltsicht und seinem persönlichen humanbiologischen Verständnis für die Menschen in diesen Verhältnissen, für ihre Ängste, ging Karl August Lingner in eine atemberaubende Offensive. Der gebürtige Magdeburger und gelernte Dresdner rief zur I. Internationalen Hygieneausstellung nach Dresden. Sie fand vom 6. Mai bis zum 31. Oktober 1911 auf den Güntzwiesen und im Großen Garten statt. Die Ausstellung wurde zu einem gesundheitspolitischen und medizinisch-technischen Großereignis, Zahlreiche Wissenschaftler verschiedener Provenienzen, Mediziner (Internisten, Orthopäden, Chirurgen), Künstler und Techniker wurden zu Ideengebern und Organisatoren der Weltausstellung, die 5,2 Millionen Interessenten aus dem In- und Ausland besuchten.

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Die Abteilung 17 gehörte dem Sport und dieser wiederum dem aufstrebenden Fußball. Es war die Zeit, da die Kinderschuhe aus- und „richtige“ Fußballschuhe mit Lederstollen angezogen wurden. Jüngste Forschungsergebnisse zur Geschichte des mitteldeutschen Fußballs verdeutlichen, dass die Fußballspiele während der Welthygieneausstellung zu einem bedeutenden Ereignis wurden. Sie verhalfen dem Fußball in Deutschland zum Masseneinfluss und zu öffentlichem Ansehen.

Karl August Lingner: Millionär und Visionär

Karl August Lingner, der Großindustrielle mit seinen beiden Werken in Dresden, der Odol-Mundhygieniker und Hersteller von Desinfektionsmitteln, war persönlich so umtriebig wie geschäftlich erfolgreich. Er erkannte die Zukunftsträchtigkeit dieser Sportart. Mit der Hygieneausstellung wurde Lingner zu einem Pionier des Dresdner und des mitteldeutschen Fußballs.


DURCHKLICKEN: Erinnerungen an 10 Jahre Stadiongeschichte

<b>1. Das Eröffnungsspiel am 15. September 2009 gegen Schalke 04:</b>
Die Vorfreude ist riesig, als die Fans am 15. September 2009 in die neue Arena an der Lennéstraße strömen. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wird der neue Fußball-Tempel am Großen Garten mit einem Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten Schalke 04 offiziell eröffnet. 32.000 Fans kommen und pfeifen Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gnadenlos aus, als sie um 19 Uhr ihre Grußworte sprechen will. Sie wird dafür abgestraft, dass Stadträte ihrer Partei und auch einer ihrer Amtsvorgänger den Stadionneubau über Jahre verschleppt und so WM-Spiele 2006 in Dresden verhindert haben. Jetzt sind aber auch CDU-Politiker froh, dass das Stadion steht. „Der Fußball in Dresden erhält eine prächtige Heimstätte“, erklärt Sachsens Justizminister Geert Mackenroth. Dynamo-Präsident Hauke Haensel, auch CDU-Mitglied, dankt allen am Bau Beteiligten, aber auch Schalke, das ohne Antrittsgage gekommen ist. Kevin Kuranyi (27.) und Ivan Rakitic (54.) zeigen sich weniger gastfreundlich, bringen den Favoriten mit 2:0 in Führung. Maik Wagefeld lässt die trotzdem feiernden Dresdner Fans aber auch noch einmal Torjubel zelebrieren. Der Kapitän der Schwarz-Gelben, die diesmal in Schwarz spielen, versenkt in der 83. Minute noch einen Elfmeter für die Elf von Trainer Ruud Kaiser. Die Atmosphäre ist trotz der 1:2-Niederlage prächtig, Bengalfackeln und eine Lasershow der Extraklasse sorgen für unvergessliche Momente. Roland Kaiser singt seine Hits, Dresdens Fußballfans sind berauscht von einer glanzvollen Nacht. <b>Im Foto:</b> Die Mannschaften laufen vor einer tollen Choreographie ins fertige Stadion ein. Zur Galerie
1. Das Eröffnungsspiel am 15. September 2009 gegen Schalke 04: Die Vorfreude ist riesig, als die Fans am 15. September 2009 in die neue Arena an der Lennéstraße strömen. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wird der neue Fußball-Tempel am Großen Garten mit einem Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten Schalke 04 offiziell eröffnet. 32.000 Fans kommen und pfeifen Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gnadenlos aus, als sie um 19 Uhr ihre Grußworte sprechen will. Sie wird dafür abgestraft, dass Stadträte ihrer Partei und auch einer ihrer Amtsvorgänger den Stadionneubau über Jahre verschleppt und so WM-Spiele 2006 in Dresden verhindert haben. Jetzt sind aber auch CDU-Politiker froh, dass das Stadion steht. „Der Fußball in Dresden erhält eine prächtige Heimstätte“, erklärt Sachsens Justizminister Geert Mackenroth. Dynamo-Präsident Hauke Haensel, auch CDU-Mitglied, dankt allen am Bau Beteiligten, aber auch Schalke, das ohne Antrittsgage gekommen ist. Kevin Kuranyi (27.) und Ivan Rakitic (54.) zeigen sich weniger gastfreundlich, bringen den Favoriten mit 2:0 in Führung. Maik Wagefeld lässt die trotzdem feiernden Dresdner Fans aber auch noch einmal Torjubel zelebrieren. Der Kapitän der Schwarz-Gelben, die diesmal in Schwarz spielen, versenkt in der 83. Minute noch einen Elfmeter für die Elf von Trainer Ruud Kaiser. Die Atmosphäre ist trotz der 1:2-Niederlage prächtig, Bengalfackeln und eine Lasershow der Extraklasse sorgen für unvergessliche Momente. Roland Kaiser singt seine Hits, Dresdens Fußballfans sind berauscht von einer glanzvollen Nacht. Im Foto: Die Mannschaften laufen vor einer tollen Choreographie ins fertige Stadion ein. ©

Auf den Güntzwiesen entstand ein Modell-Sportgelände, das aus dem Jahr 1911 wie ein Steilpass weit in die Zukunft reichte. Dort, wo heute das Rudolf-Harbig-Stadion steht, wurde der „Sportplatz an der Hygieneausstellung“ gebaut, der in Wirklichkeit ein Stadion für 12 000 Zuschauer war, in dem Fußball gespielt und Leichtathletik betrieben wurde. Die Ballwerferplastik von Richard Daniel Fabricius aus dem Jahr 1907, die heute vor dem Hygiene-Museum steht, war im Eingangsbereich aufgestellt – etwa dort, wo sich die frühere Anzeigetafel des alten Harbig-Stadions befindet.

Hinzu kamen moderne Umkleidekabinen, physiotherapeutische und sportmedizinische Behandlungsmöglichkeiten, ein transportables Entmüdungsbecken, ein „Sportlaboratorium“ für experimentelle sportwissenschaftliche Zwecke und eine „Bibliothek des Sports“ mit 6000 Büchern. Für die Zuschauer wurde ein „Wellenschwimmbad“ errichtet, was in der extremen Hitze dieses Sommers gern angenommen wurde. Der Sommer 1911 war der wärmste zwischen 1874 und 1946. Karl August Lingner war Millionär und Visionär. Er griff tief in die eigene Geldbörse. Das Sportgelände war sein „initiative investment“.

Jürgen Hermann