21. April 2020 / 16:17 Uhr

Fußballstipendium in den USA: Marvin Lindau macht´s vor 

Fußballstipendium in den USA: Marvin Lindau macht´s vor 

Max Lübeck
Lübecker Nachrichten
Der Lübeck Marvin Lindau (rechts im Bild) mit zwei seiner Teamkollegen des Cloud County Community College
Der Lübeck Marvin Lindau (rechts im Bild) mit zwei seiner Teamkollegen des Cloud County Community College © Foto: hfr/privat
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Ein Jahr lang studierte der 20-jährige Lübecker bereits in den Vereinigten Staaten – ob es für ihn dort weitergeht, steht noch nicht fest

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Es ist der Traum vieler junger Fußballtalente und es kann einen aus sportlicher und schulischer Sicht extrem weiterentwickeln – die Rede ist von einem Fußballstipendium. Gerade in den USA werden genau solche Fußballstipendien angeboten, doch nicht jeder ist auch für ein Solches geeignet, beziehungsweise wird dafür zugelassen.

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Lindau in der Jugend beim JFV Hanse, dem VfB Lübeck, dem SV Eichede, Eintracht Groß Grönau und dem ATSV Stockelsdorf

Der Lübecker Marvin Lindau, der in seiner Jugend zuletzt beim TSV Eintracht Groß Grönau spielte und vorher bereits beim ATSV Stockelsdorf, dem JFV Hanse Lübeck, dem SV Eichede und dem VfB Lübeck kickte, ging nun vor einem Jahr genau diesen Weg. Jugendtrainern in der Lübecker Region dürfte das junge Talent bestens bekannt sein, machte er schließlich auch immer wieder mit sämtlichen Toren auf sich aufmerksam. In der U17-Oberligasaison mit dem JFV Hanse schoss Lindau 23 Saisontore und stieg am Ende der Spielzeit mit seinem Team in die Regionalliga auf – bis dato das wahrscheinlich schönste Erlebnis seiner Zeit im Jugendbereich. Nachdem der 20-jährige Offensivmann im Mai 2019 sein Abitur erfolgreich absolvierte, bewarb er sich bei einer Agentur, die deutsche Spieler per Stipendium in die USA vermittelt. Nach einem kurzen und erfolgreichen Vorstellungsprozess, in dem Lindau unter anderem in einem 90-minütigen Spiel seine fußballerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen musste, ging es dann auch schon im August letzten Jahres los – es war ein mutiger und aufregender Start ins Ungewisse.

Fußballstipendium in den USA an dem Cloud County Community College

Das junge Talent kam schließlich an das Cloud County Community College, studiert dort Psychologie und spielt für dessen College-Team in einer Conference, also einer Art Liga, gegen andere College-Teams. „Es ist in den USA alles sehr professionell. In der Vorbereitung auf die Saison haben wir zwei bis drei Trainingseinheiten am Tag absolviert, allesamt auf Kunstrasen im Stadion. Wir haben sogar einen eigenen Athletiktrainer. Das war anfangs schon erstaunlich muss man sagen – auch das gute fußballerische Niveau habe ich so nicht erwartet“, gab Lindau in einem Gespräch mit dem LN-Sportbuzzer zu.

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Mit College-Team bis in die Play-Offs; Psychologie-Studium mit Bestnote

Am meisten Angst vor dem Beginn seines neuen Lebensabschnittes hatte er dabei vor der englischen Sprache – das allerdings entwickelte sich schnell zur Routine und Lindau gewöhnte sich schnell daran. Generell akklimatisierte Lindau sich sehr schnell, sodass dieses erste Jahr für ihn sehr erfolgreich verlaufen konnte. Mit dem College-Team erreichte er die Play-Offs, in welchen man später in der 2. Runde ausschied, und auch sein Studium verläuft bislang exzellent. „In meinem ersten Semester erreichte ich einen Notendurchschnitt von 4.0 – das ist in Deutschland vergleichbar mit einer 1,0“, erklärt der Lübecker. Es sprang also gleich im ersten Semester die Bestnote für den motivierten Studenten und gleichzeitigen Fußballspieler heraus – vorbildlich!

Marvin Lindau: "Ich habe mich fußballerisch weiterentwickelt und bin selbstständiger geworden!"

Für ihn persönlich war dieses erste Jahr in den Vereinigten Staaten extrem wertvoll, wie er uns verriet: „Ich habe mich fußballerisch sehr gut weiterentwickeln können und bin um einiges selbstständiger geworden. Damit alles so gut verlaufen konnte, musste ich natürlich auch eine gewisse Disziplin an den Tag legen“, freut sich Lindau über seine Entwicklung. Nun befindet sich der Lübecker im 2. Semester seines Psychologie-Studiums – durch die anhaltende Corona-Epidemie wurde aber auch er vorerst ausgebremst. „Mein Studium bewältige ich derzeitig von zu Hause aus, da es online weiterläuft“, erzählt Lindau, der mit dem `zu Hause` sein Elternhaus in Lübeck meint.

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Weiteres Jahr in den USA möglich - oder startet Lindau im Lübecker Herrenfußball durch?

Wie es nach dem Semester für ihn weitergeht, steht allerdings noch nicht genau fest. Verschiedene Faktoren spielen bei der Entscheidung eine Rolle: „Ich hätte zum einen natürlich Lust, weiterhin in den USA zu studieren und weiter dort Fußball zu spielen. Allerdings weiß man bis dato leider nicht, wie sich die Corona-Krise entwickelt. Momentan besteht in die USA jedenfalls für mindestens noch 30 Tage ein Einreiseverbot, das kann natürlich auch noch verlängert werden. Zum anderen bin ich auch nicht abgeneigt davon, mein Studium hier in Deutschland fortzuführen. Meine zwei Semester aus den USA würden mir auch hier anerkannt werden und ich könnte beispielsweise in Hamburg mein Studium fortsetzen. Desweiteren habe ich auch große Lust darauf, hier in Deutschland mein erstes Herrenjahr zu bestreiten, schließlich bin ich von der Jugend aus direkt auf das College in die USA gegangen und bei den College-Mannschaften liegt der Altersdurchschnitt bei etwas über 20 Jahren. Hier im Herrenbereich fußballerisch anzuknüpfen, wäre auch für mich eine neue Erfahrung.“ Gespräche mit verschiedenen Vereinen führte Lindau noch nicht, „sollte es aber darauf hinauslaufen, dass ich mich für diesen Weg entscheide, werde ich mich damit natürlich auch auseinandersetzen“, meint Lindau.

Nächstes Ziel: Erfolgreiches Abschneiden im 2. Semester

Fakt ist, dass Marvin Lindau sich vorerst beide Türen offenhalten möchte und nun erst einmal sein 2. Semester erfolgreich beenden möchte. Ob wir den Youngster dann vielleicht schon bald auf einem der Lübecker Fußballplätze sehen werden, wird sich danach wohl erst zeigen – die andere Möglichkeit wäre, dass Lindau sich doch dafür entscheidet, ein weiteres Jahr in den USA zu studieren. Gefallen hat ihm das bisher jedenfalls richtig gut – und empfehlen könnte er es im Übrigen auch jedem…