24. März 2020 / 16:04 Uhr

Fußballtrainer aus dem Kreis Peine rechnen mit dem Abbruch der Saison

Fußballtrainer aus dem Kreis Peine rechnen mit dem Abbruch der Saison

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Händeschütteln und dicht beieinander stehende Zuschauer – bis auf weiteres gibt es das nicht mehr.
Händeschütteln und dicht beieinander stehende Zuschauer – bis auf weiteres gibt es das nicht mehr. © Ralf Büchler
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Die Situation ist verzwickt. Die Rückrunde im Fußball war mit wenigen Spielen gerade gestartet, da musste der Spiel- und Trainingsbetrieb eingestellt werden – bis wann, ist offen. Die PAZ befragte sechs Peiner Trainer – und die glauben nicht an einen schnellen Wiederbeginn. Sie halten den Abbruch der Saison für wahrscheinlich.

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Bis einschließlich 19. April ruht der Fußball-Spielbetrieb – und voraussichtlich auch noch länger. Der niedersächsische Fußballverband tagt am 10. April, um die Situation neu zu bewerten.

SV Lengede

Selbst wenn nach der offiziellen Sperre ab dem 20. April wieder gespielt werden könnte, sieht Lengedes Trainer Kai Olzem Probleme bei einer schnellen Wiederaufnahme der Punktspiele: „Eigentlich wären mindestens 14 Tage Vorbereitung nötig, weil alle Grundsubstanz verloren haben. Die Verletzungsgefahr wäre sonst zu hoch.“

Aber Olzem glaubt auch nicht daran, dass so schnell wieder Fußballspiele möglich sind. „Meiner Meinung nach haben wir die Spitze noch nicht erreicht.“ Deshalb hält er eine Annullierung der Saison für eine sinnvolle Lösung, auch wenn das für die Aufstiegsaspiranten ein Dilemma wäre. Befürworter und Gegner werde es aber bei jeder Variante geben, mit der versucht wird, das Problem zu lösen.

Wenn in absehbarer Zeit weitergespielt werden kann, könnte sich Olzem auch eine Verlängerung der Saison um mehrere Monate vorstellen. Vereinswechsel sollten dann um diese Frist ausgesetzt werden. Einige englische Wochen kämen dann auf die Kicker zu, da dann ja auch die kommende Saison kürzer ausfallen würde. „Eine solche Situation hatten wir ja noch nicht. Wir müssen unseren Horizont öffnen für alle Szenarien.“

Trainingsvorgaben macht das Trainergespann Kai Olzem/Dennis Kleinschmidt den Landesliga-Spielern nicht. „Anfangs haben wir noch Laufvorgaben gemacht. Aber das ist jetzt Quatsch. Die Laufintensität kann verschieden sein, und es fehlt das Ziel, auf das man sich vorbereitet.“

Mehr aus der Landesliga BS

SSV Stederdorf

„Wenn wir im Mai und Juni und eventuell Anfang Juli spielen könnten, hätte ich kein Problem mit der Fortsetzung der Saison. Es haben ja alle nicht trainiert und es sind alle auf dem gleichen Stand“, sagt Helmut Kaub, Trainer des Kreisliga-Tabellenletzten SSV Stederdorf. Dann würde auch endlich in den schönsten Monaten gespielt und nicht pausiert. „Das ist aber momentan weit weg!“

Kaub rechnet nicht mit einem schnellen Saisonstart, eher mit dem Abbruch der Saison. „Dann würde ich es für die beste Lösung halten, ohne Absteiger in die neue Saison zu starten. Und mit Überhang für eine Saison durch die Aufsteiger.“ Ausschlaggebend solle dann die Tabelle nach der Hinrunde sein.

Der SSV-Trainer geht davon aus, dass 80 Prozent seiner Spieler allein weitertrainieren. Im Ausdauerbereich gäbe es bei einer frühen Wiederaufnahme der Punktspiele bei seinem Team wohl weniger Probleme, auch weil in der bisherigen Vorbereitung viele Laufeinheiten enthalten waren. Spielerisch werde es aber erstmal holpern. Das habe sich in der Startphase der beiden Testspiele gezeigt, die der SSV noch vor der allgemeinen Sperre bestritt.

Mehr aus der Kreisliga PE

TSV Clauen/Soßmar

Wenn die Saison abgebrochen und der aktuelle Tabellenstand gewertet würde, hielte Mathias Buchmann das für keine faire Lösung. Er ist zwar aufgrund der Belastung nach einem Arbeitsplatzwechsel seit Februar nicht mehr Trainer des TSV Clauen/Soßmar, fiebert aber mit dem Verein mit.

Der TSV liegt in der Tabelle der 2. Kreisklasse Süd auf dem 3. Platz, hat aber zwei Spiele weniger absolviert als die beiden Teams auf den Rängen 1 und 2 – und nur drei beziehungsweise vier Punkte Rückstand. „Besser fände ich es, die Saison komplett zu annullieren“, sagt Buchmann.

An eine Fortsetzung ab dem 20. April glaubt er nicht. Und auch die Verlängerung der aktuellen Saison möglicherweise bis in den Herbst hinein hält er für problematisch. „Es gäbe englische Wochen, dann kommt schlechtes Wetter mit Spielausfällen, und der Druck würde noch größer werden. Ein Neustart der Saison wäre die fairste Lösung.“

Mehr aus der 2. Kreisklasse Süd

Arminia Vechelde, A-Junioren

„Bei der aktuellen Nachrichtenlage kann ich mir eine Rückkehr in den Normalbetrieb nicht vorstellen, solange die Fallzahlen sich nicht gegenläufig entwickeln“, sagt Dennis Herrmann, Trainer der Landesliga-A-Junioren von Arminia Vechelde. „Solange niemand plötzlich mit einer Pille dagegen aus dem Labor kommt, können wir die Saison nicht mehr zu Ende spielen.“

Möglich sei es durchaus noch, mit einigen englischen Wochen die Saison zu Ende zu bringen, aber nur, wenn sich die Situation ändert. „Und das wird von Woche zu Woche unwahrscheinlicher.“

Wahrscheinlich sei deshalb ein Saisonabbruch – und in diesem Fall plädiert Herrmann dafür, keine Mannschaft absteigen zu lassen. „Und zwar nicht, weil wir als Tabellenletzter davon profitieren würden. Wir könnten mit zwei Siegen in den Nachholspielen die Abstiegsränge verlassen. Sondern damit keine Mannschaft bestraft wird. Wenn eine zum Beispiel noch nicht gegen den Tabellenletzten gespielt hat, fehlen ihr im Vergleich zur Konkurrenz sechs Punkte.“

Andererseits würde Herrmann Mannschaften aufsteigen lassen und dann in Überzahl die nächste Saison spielen. „Wenn zum Beispiel der FC Liverpool diese Saison nicht Meister werden könnte, wäre es ungerecht. Andere Mannschaften hätten einen Aufstieg einfach verdient.“ Pauschal gesehen die sinnvollste Lösung sei es, dafür die Hinrundentabelle zu nehmen. „Da hat jeder einmal gegen jeden gespielt.“ Die aktuelle Tabelle dagegen habe einige Verzerrungen.

Mehr aus der Landesliga BS (A-Jun.)

VfB Peine, Frauen

Für Michael Brennecke ist die Sache klar. „Wenn man es realistisch sieht, können wir diese Saison nicht mehr zu Ende spielen.“ In wenigen Tagen werde sich die Situation nicht so ändern, dass der Grund für die momentanen Kontakt-Einschränkungen wegfällt.

Und selbst wenn es innerhalb weniger Wochen wieder möglich wäre, zu spielen: „Sollen wir dann im Mai und Juni die komplette Rückrunde spielen? Wir haben auch noch viele Nachhol-Partien“, sagt der Trainer der Bezirksliga-Fußballerinnen des VfB Peine. In seiner Funktion als Fußball-Obmann des VfB Peine sieht er noch ein weiteres Problem: „Alle Mannschaften – Herren, Frauen, Jugend – müssten in kurzer Zeit die Saison zu Ende spielen. Diese Kapazität gibt die Anlage eventuell gar nicht her. Und andere Vereine haben es da noch schwerer als wir.“

Von der Möglichkeit, die Saison vielleicht sogar über den August hinaus zu verlängern, hält er nicht viel. „Wie lange soll das dann gehen? Und wann würden wir die nächste Saison spielen? Die Plätze in der Stadt Peine waren bis in den März hinein gesperrt. Das dürfte nächstes Jahr auch so kommen.“ Und: Man müsse einkalkulieren, dass sich in der einen oder anderen Mannschaft jemand infiziert, und dann könne im Extremfall das gesamte Team wenigstens zwei Wochen lang nicht spielen.

Momentan vermisst Brennecke eine schnelle und klare Entscheidung. Und die müsse lauten: „Ende jetzt!“ Stattdessen befänden sich alle im „Alarmmodus“, falls doch noch gespielt wird. Als Folge einer solchen Entscheidung sollte die gesamte Saison annulliert werden, meint Brennecke. Die Variante, die Saison ohne Absteiger, aber mit Aufsteigern abzuschließen, hielte er auch für denkbar. „Aber egal wie die Entscheidung fällt: Irgendwem wird sie nicht gefallen.“

Mehr aus der Bezirksliga BS 1 (Frauen)

Adler Handorf

Adler Handorfs Trainer Philipp Wulfes glaubt nicht, dass in Kürze Mannschaftssport wieder möglich ist. „Am besten fände ich es, wenn die Saison annulliert wird“, sagt er. „Für Mannschaften wie Vöhrum in der Kreisliga oder Woltorf in unserer 1. Kreisklasse wäre das zwar bitter, aber wahrscheinlich gibt es da gar keine faire Lösung.“

Mehr aus der 1. Kreisklasse

Froh ist Wulfes, dass er diese Frage nicht entscheiden muss. „Denn es gibt immer Verlierer. Andererseits ist Sport jetzt erstmal zweitrangig.“

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