04. Mai 2020 / 16:26 Uhr

Fußballtraining unter Corona-Regeln: "Das ist wie beim Tischkicker"

Fußballtraining unter Corona-Regeln: "Das ist wie beim Tischkicker"

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Tino Gewinner (SV Gifhorn).
Tino Gewinner (SV Gifhorn).
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Unter strengen Corona-Regeln soll es ab Mittwoch wieder erlaubt sein, Fußballtraining auf Sportplätzen durchzuführen. Bei den Vereinen der NFV-Kreise Gifhorn und Wolfsburg stößt dieses Vorhaben aber nicht durchweg auf Begeisterung, der SPORTBUZZER hörte sich mal um. Eine Einheit hat noch niemand der Befragten geplant.

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Sport im Freien darf ab Mittwoch wohl wieder auf Sportanlagen betrieben werden - dazu zählt auch Fußball. Das hatte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) imSPORTBUZZER-Interview angekündigt. Allerdings sei das "nicht unter Wettkampfsimulation im Mannschaftsspiel" möglich, betonte Pistorius. "Technik oder Athletik sind durchführbar. Gastronomie, Duschen und Umkleiden müssen dabei geschlossen bleiben." Zudem muss ein Mindestabstand von etwa zwei Metern eingehalten werden und die Einheiten müssen kontaktlos durchgeführt werden. Das stößt bei einigen Trainern der Gifhorner und Wolfsburger Klubs auf Kritik.

Michael Spies (MTV Gifhorn, Oberliga): "Wir müssen erst mal abwarten, bis es offiziell ist. Aber wir würden uns freuen, wenn es so kommt. Die Jungs können immer was mit dem Ball machen. Wir machen uns auch schon Gedanken, wie wir es umsetzen könnten und was wir dann machen können. Wir bereiten uns auf jeden Fall so vor, als würde die Saison doch noch fortgesetzt werden."

Giampiero Buonocore (Lupo/Martini Wolfsburg, Oberliga): "Wenn die Maßnahmen vernünftig beachtet werden, macht die Lockerung Sinn. Es ist für jeden gut, mal wieder rauszukommen. da geht's mir weniger ums Sportliche, vielmehr um den Spaßfaktor. Jeder Spieler kann sich individuell verbessern, man kann im taktischen und technischen Bereich arbeiten. Eine Einheit haben wir aber noch nicht geplant."

Ein Überblick: Das ist der Status quo bei Deutschlands Landesverbänden. Stand: 21. Mai 2020.

<b>Schleswig-Holstein:</b> Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit, wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert.

 Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  Zur Galerie
Schleswig-Holstein: Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. "Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit", wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert. Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  ©

Georgios Palanis (SSV Kästorf, Landesliga): "Solange keine Entscheidung hinsichtlich der laufenden Saison gefallen ist, wird bei uns wohl nichts passieren. Wenn die Saison abgebrochen wird und die neue erst im September beginnt, wieso sollen wir dann jetzt schon trainieren?! Ich weiß auch nicht, ob es ein Stück Normalität ist, wenn beim Fußball fünf Leute ohne Körperkontakt trainieren. Und wie soll es funktionieren, wenn die Duschen und Umkleiden geschlossen bleiben. Ich mache keine Freudensprünge, solange die anderen Dinge nicht geklärt sind."

Burkhard Kick (SSV Vorsfelde, Landesliga): "Man muss erst noch einige Dinge abklären. Aber wir planen schon, wie Training bei uns umsetzbar wäre. Sportlich wird es uns nicht viel weiterbringen, aber man hat die Jungs mal wieder um sich. Dass es Richtung Normalität geht, würde ich noch nicht sagen. Ob man sich nun darüber freuen soll oder nicht, weiß ich nicht so recht."

Thomas Orth (TSG Mörse, Bezirksliga): "Grundsätzlich finde ich es gut, wenn es nach vorn geht. Und es ist schön, sich mal wiederzusehen, auch wenn es nur einmal die Woche ist, aber anständiges Training kann das nicht sein, Fußball ist nun mal ein Kontaktsport. Das kann man unter den Maßnahmen nur auf freiwilliger Basis machen, auch wenn ich glaube, dass die Jungs schon Lust haben, mal wieder was mit dem Ball zu machen."

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Tino Gewinner (SV Gifhorn, Bezirksliga): "Es ist wichtig, erst mal zu wissen, wie es mit der Saison weitergeht. Mit Fußball hat diese Art von Training nichts zu tun. Ich habe beispielsweise keine 100 Meter lange Umkleidebank, damit jeder Abstand einhalten kann. Wenn ein Torwart sich in die Handschuhe spuckt und den Ball anfässt, muss der Ball dann desinfiziert werden? Genauso bei Kopfbällen. Training auf Abstand - das ist wie beim Tischkicker. Und die Verantwortung den Trainern zu überlassen, finde ich fraglich. Wenn sich jemand infiziert, kommen Fragen auf. Ich kann die Spieler gut verstehen, wenn sie sagen, sie kommen nicht zum Training."

David Pisano (TV Jahn Wolfsburg, Kreisliga Wolfsburg): "Von diesen Lockerungen liest man gern. Man weiß zwar noch nicht, wie der Spielbetrieb weitergeht, aber die Hauptsache ist doch erst mal, wieder auf dem Platz zu stehen und sich in kleinen Gruppen zu treffen. Eine Laufübung mit dem Ball ist doch viel geiler als im Wald Joggen zu gehen. Bei uns ist es organisatorisch auf jeden Fall umsetzbar, und uns fallen genug Übungen ein."

Hartmut Müller (SV Westerbeck, Kreisliga Gifhorn): "Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn es wieder losgehen kann. Dass wir langsam wieder anfangen müssen und nicht direkt wieder spielen können, sollte jedem einleuchten. Es gibt genügend Möglichkeiten, zu trainieren und die Abstände einzuhalten - und wenn es nur Spielzüge sind. Die Jungs haben viel gemacht, sind, was die Kondition angeht, nicht abgefallen. Sie werden sich fühlen wie junge Tiere, wenn sie nach dem Winter wieder auf die Weide gelassen werden."

Udo Hoffmann (MTV Wasbüttel, 1. Kreisklasse Gifhorn 2): "Das halte ich so nicht für praktikabel. Wie soll das aussehen? Die Jungs werden aus Gewohnheit vielleicht auch mal vergessen, dass es keine Zweikämpfe geben darf. Das bringt uns gar nichts, wir wissen ja auch noch nicht, wie es mit der Saison weitergeht. Wir werden uns voraussichtlich am Sonntag treffen und können uns mal wieder in die Augen schauen, eine Einheit gibt es aber nicht. Die Jungs haben Trainingspläne, da vertrauen wir ihnen auch."

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