14. Januar 2022 / 13:06 Uhr

Fußballtraining wieder möglich: Vorsichtiger Optimismus im Leipziger Land

Fußballtraining wieder möglich: Vorsichtiger Optimismus im Leipziger Land

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Die Kicker des Bornaer SV (hier gegen Bad Lausick) gehen am kommenden Dienstag wieder in die Spur. 
Die Kicker des Bornaer SV (hier gegen Bad Lausick) gehen am kommenden Dienstag wieder in die Spur.  © Jens Paul Taubert
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Ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg zur Normalität oder etwa doch nur ein zwischenzeitliches Strohfeuer? Die seit Freitag geltende neue Corona-Schutzverordnung der sächsischen Landesregierung beinhaltet durchaus weitreichende Lockerungen für den Breitensport. Wir haben Stimmen bei den Fußballern aus dem Muldental/Landkreis Leipzig gesammelt.

Borna/Grimma. Trainings- und theoretisch sogar Spielbetrieb ist selbst im Erwachsenenbereich wieder möglich, wenn auch mit der 2G-Regel als Hürde. Selbst eine begrenzte Anzahl an Zuschauern ist bei Wettkämpfen zugelassen. Zudem wurde die Altersgrenze bezüglich sportlicher Betätigung ohne Einschränkungen angehoben, statt U16 gilt für die Nachwuchsathleten jetzt U18. Wie fallen die Reaktionen in hiesigen Fußballvereine auf die Nachrichten aus der Staatskanzlei aus, sieht man die jüngste Entwicklung als Hoffnungsschimmer am Horizont oder traut man dem Frieden längst noch nicht? Werden jetzt die Hütchen und die Leibchen in Windeseile aus dem Schrank geholt oder bleibt das Ballregal noch verschlossen? Wir haben uns bei einigen Verantwortlichen in der Region umgehört.

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Marco Gruhne (Trainer der Landesklassemänner des Bornaer SV) hat den Termin im Kalender bereits dick mit Filzstift angestrichen. „Kommenden Dienstag beginnen wir mit dem Training, wobei ich sogar gern bereits am Freitag los gelegt hätte. Die 2G-Regel stellt natürlich ein zweischneidiges Schwert dar, gerade was die Kontrolle und Dokumentation des Impfstatus betrifft. Doch dieses Hindernis müssen wir irgendwie überspringen. Wobei ich schon ein paar Schwierigkeiten befürchte, so bald das Flutlicht brennt. Hoffentlich verbringe ich nicht den Großteil der Trainingszeit damit, einem Mitarbeiter vom Gesundheitsamt Rede und Antwort zu stehen.“

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Dass die Freude über ein Stückchen zurückgewonnener Alltag nur von kurzer Dauer ist, glaubt der BSV-Coach indes eher nicht. „Die Zügel wegen eventuell nochmals steigender Infektionszahlen erneut anzuziehen, das lässt sich wohl kaum noch verkaufen. Die Menschen wollen ihr gewohntes Umfeld, ihr altes Leben zurückhaben. Woanders waren die Einschnitte ohnehin kleiner, bei der Darts-WM oder in der englischen Premier League habe ich am Fernseher volle Arenen gesehen.“


Ein Stück weit überraschend

Auf das Wiedersehen mit seinen Schützlingen ist Gruhne auf jeden Fall gespannt. „Mal schauen, ob alle ihre Hausaufgaben gemacht haben. Ausreichend körperliche Ertüchtigung war vor allem um die Feiertage herum das A und O. Das durften auch Übungen sein, die nicht unbedingt als fußballspezifisch zu bezeichnen sind. Wir müssen wegen der ewig langen Pause schnell unseren Bewegungsrhythmus wiederfinden, zumal die Hallensaison erneut ausgefallen ist.“

Steffen Teichmann (Trainer der Kreisoberligaherren des SV Tresenwald Machern) war gerade bei ersten Planungen hinsichtlich des Re-Starts, als das Telefon klingelte. „Ich habe vorhin Kontakt mit unserem Kapitän, Assistenzcoach, Teammanager und Tresenwalder Urgestein Roy Pfüller aufgenommen. Wir wollen definitiv zeitnah in den Trainingsbetrieb zurückkehren. Testspiele sind dann aber erst der nächste oder vielleicht erst übernächste Schritt, obwohl wir bereits das eine oder andere vereinbart haben. Eine gewisse Vorlaufzeit ist allerdings unerlässlich, die Muskulatur muss sich schließlich zunächst wieder an die Belastung gewöhnen, da darf der Bogen nicht sofort überspannt werden.“

Für den erfahrenen Übungsleiter kam die jüngste Entwicklung ein Stück weit überraschend. „Die eindringlichen Warnungen vor Omikron und zugleich die Aufhebung etlicher Beschränkungen, das war schon einigermaßen kurios. Wobei die Regelungen teilweise sowieso schwer nachvollziehbar gewesen sind, Freizeitsport im Verein als private Treffen zu deklarieren zum Beispiel. Da hätte ich von der Politik andere Lösungsvarianten erwartet, als nur auf die Bettenbelegung in den Krankenhäusern zu starren.“

"Sportler scharren mit den Hufen"

In die nahe Zukunft blickt Teichmann mit einem Schuss Gelassenheit. „Ich denke, wir sind bei der Virusbekämpfung besser gewappnet als vor einem Jahr. Wobei die Frage einer Impfung meiner Meinung nach jeder für sich selbst zu beantworten hat. Wir müssen endlich zurück ins gewohnte Leben, können die Probleme nicht ständig vor uns her schieben. Gerade die Hobby-Sportler verpassen praktisch eine Saison nach der anderen, und das im besten Alter, sowie bei bestem Wetter. Die haben seit zwei Jahren kein Ziel mehr vor den Augen, soziale Aspekte fallen obendrein flach. Das kann doch beim besten Willen nicht im Sinne des Erfinders sein. Hoffentlich halten alle zur Stange und bewahren sich ihren Ehrgeiz. Dass eine reguläre Wertung des laufenden Spieljahres zeitlich auf jeden Fall noch machbar sein dürfte, ist dem Zusammenhang im Moment wahrscheinlich gar nicht einmal das Allerwichtigste.“

Thomas Kolbe (seines Zeichens Präsident beim Döbelner SC) verfällt ungeachtet aller Zuversicht keinesfalls in ungetrübte Euphorie, wenn er auf die Möglichkeiten der neuen Corona-Schutzverordnung blickt. „Wir sollten nicht so vermessen sein zu denken, dass ab Freitag auf einen Schlag sämtliche Sportplätze voll belegt sind. Das kann garantiert nicht gleich von Null auf Hundert hoch gehen. Stattdessen ist eine vernünftige Übergangsphase mit Augenmaß notwendig, denn die Pandemie ist schließlich längst noch nicht überstanden, wir befinden uns mitten in der nächsten Welle. Nicht das dann gleich der Bumerang zurück kommt. “

Trotz aller Vorsicht möchte der DSC-Chef jedoch keinen Teufel an die Wand malen und verbreitet eine Spur Optimismus: „ In den Reihen des Nachwuchses ist ein richtiger Wiederbeginn sicherlich recht rasch umsetzbar. Bei den Erwachsenen dürfte der Restart etwas schwieriger umzusetzen sein, denn 2G ist eine ziemlich große Herausforderung. Eines ist allerdings völlig klar. Die Sportler scharren mit den Hufen, möchten raus an die frische Luft, wollen ohne irgendwelche Zwänge ihrer liebgewonnenen Leidenschaft nachgehen.“