12. August 2014 / 10:13 Uhr

FV Bad Düben zieht Mannschaft zurück und sieht sich als „Vorreiter“

FV Bad Düben zieht Mannschaft zurück und sieht sich als „Vorreiter“

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
FV Bad Düben zieht Mannschaft zurück und sieht sich als „Vorreiter“
FV Bad Düben zieht Mannschaft zurück und sieht sich als „Vorreiter“ © dpa
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Bad Dübener Fußball steht in der neuen Saison ohne Männerteam da.

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Bad Düben. Der Exodus der Fußballmannschaften im Altkreis nimmt kein Ende. Nachdem bereits während der vergangenen Saison der FC Delitzsch ausgelöst und die Reserve des Radefelder SV zurückgezogen wurde, hat nun auch der FV Bad Düben kein Fußball-Männerteam mehr für die kommende Saison gemeldet. Dabei kickten die Kurstädter noch vor gut zwei Jahren in der damaligen Bezirksliga - waren sozusagen die fußballerische Nummer zwei hinter der Nummer eins FC Eilenburg.

Die Gründe für den vorläufigen Abschied klingen wenig überraschend. „Wenn man nur 12, 13 Spieler hat, macht es keinen Sinn, eine gesamte Saison anzugehen“, sagte FV-Vorsitzender Frank Rösiger dieser Zeitung.

Viele hätten aus persönlichen, beruflichen oder gesundheitlichen Gründen aufgehört. Gleichwohl bleibe der Trainingsbetrieb bestehen, sollen Freundschaftsspiele stattfinden und Turniere besucht werden.

Rösiger sieht Bad Düben als „Vorreiter“ einer Entwicklung, die letztlich auch viele andere Vereine treffen werde. „Die Zukunft liegt in Spielgemeinschaften und Fusionen.“ Es mache keinen Sinn, ständig bei anderen Mannschaften anzuklopfen und Spieler abzuwerben.

Dabei haben die Kurstädter in der Vergangenheit am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn die Konkurrenz sich eifrig die Rosinen stiebitzt. Ex-Trainer Michael Heinrich etwa lotste die Talente Daniel Hielscher und Luis Emilio Jimenez vom FV zu seinem neuen Club nach Löbnitz.

Doch wie kann es trotz alledem sein, dass in einer Stadt mit 8000 Einwohnern keine Fußball-Männermannschaft zusammenkommt? Rösiger sieht die Fehler vor allen Dingen in der Vergangenheit. „Der alte Vorstand hat jahrelang grundlegende Dinge vor sich hergeschoben.“

Das vielleicht größte Problem ist, dass der Fußballverein Bad Düben die Nebenkosten für Stadion und Sportlerheim selbst tragen muss - eine absolute Seltenheit.

Gut möglich, dass auch die vier Jahre in Sachsens zweithöchster Spielklasse am Club-Geldbeutel nagten. Denn nach dem Rücktritt von Präsident Stefan Lange im Jahr 2011, folgte unter der neuen Chefin Katja Heinrich der freiwillige Rückzug aus der Bezirksliga - aus finanziellen Gründen.

Einige Sponsoren hätten sich zurückgezogen, hieß es damals. Fast alle Leistungsträger verließen daraufhin die Mannschaft, die wenig überraschend auch in der Nordsachsenliga völlig überfordert war.

Vor der Saison 2013/14 bündelten die Kurstädter die Kräfte, machten aus zwei Teams eins und schafften als Tabellen-Zwölfter gerade so den Klassenerhalt in der Kreisliga.

Jedenfalls sportlich. „Aber wenn du permanent auf die Mütze kriegst, bist du irgendwann demoralisiert“, sagt Rösiger. Deswegen sei es der einzig richtige Weg ein, zwei Jahre Pause zu machen und dann wieder in der Kreisklasse anzufangen.

Der Nachwuchs zumindest lässt  hoffen. Von den Bambini bis zu den  A-Junioren schicken die Dübener fünf Mannschaften in den Spielbetrieb. Und vielleicht ja eines Tages auch wieder eine Männermannschaft.

Die Auswirkungen

Durch den Rückzug des FV Bad Düben spielen in der kommenden Saison nur 13 Teams in der Kreisliga West. Einem Antrag des LSV Mörtitz von der Oststaffel zurück in den Westen zu wechseln, gab der Verband nicht statt, weil die Kurstädter erst nach der offiziellen Staffeleinteilung am 9. Juli ihre Entscheidung bekanntgaben. Dies ist in den Statuten der Sächsischen Spielordnung unter Paragraf 49 geregelt. Demnach steht der FV als erster Absteiger fest, die jeweiligen Gegner haben an den entsprechenden Spieltagen frei. Freuen kann sich der ursprüngliche Dübener Pokalgegner. Die „Alten Herren“ des SV Naundorf ziehen kampflos in die zweite Runde ein.