25. April 2019 / 15:02 Uhr

Mark Hungerecker im #GABFAF-Interview: Vereine ohne Kunstrasen haben keine Chance

Mark Hungerecker im #GABFAF-Interview: Vereine ohne Kunstrasen haben keine Chance

Jan-Phillip Wottge
Kieler Nachrichten
Mark Hungerecker ist Trainer beim Verbandsligisten SVE Comet Kiel. Er sagt: Wir können keinen mit unserem Schotterplatz hinter dem Ofen hervorlocken.
Mark Hungerecker ist Trainer beim Verbandsligisten SVE Comet Kiel. Er sagt: "Wir können keinen mit unserem Schotterplatz hinter dem Ofen hervorlocken." © Jan-Philipp Wottge
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Kein guten Trainingsmöglichkeiten? Nur ein holpriger Platz? Für Amateurfußball-Vereine kann das existenzbedrohend sein. Denn attraktive Anlagen sind beim Werben um Spieler immer wichtiger, sagt der Kieler Verbandsliga-Trainer Mark Hungerecker.

Dieses Interview ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Mark Hungerecker ist Coach des SVE Comet Kiel, der 2013 aus einer Fusion der Kieler Traditionsvereine SV Ellerbek und SC Comet Kiel entstand, und als aktueller Verbandsligaprimus ans Tor zur Landesliga klopft. Ein Amateurfußball-Idyll? Mitnichten. Der 37-Jährige sieht die Kieler Fußballvereine am Scheideweg. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über fehlenden Nachwuchs bei den Aktiven und im Ehrenamt, aber auch über die Platzpflege und über den Vorteil der Klubs mit Kunstrasen.

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Woran krankt der Fußball in Kiel?

In Kiel freuen sich alle über die Erfolge von Holstein Kiel. Ich mich natürlich auch. Aber dass in den kleineren Vereinen vieles im Argen liegt, nimmt kaum einer wahr. Die Generation, die heute ehrenamtliche Tätigkeiten ausübt, geht langsam in Rente. Dahinter sieht es düster aus. Alle jammern, aber keiner tut etwas. In 15 Jahren wird es kaum noch Ehrenamtler geben.

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Der offizielle Trailer: Das ist #GABFAF

Wo müsst man ansetzen?

Die Frage ist: Wie kann ein Verein wieder attraktiver werden? Wenn ich mich in Kiel umsehe, gibt es kaum einen Verein mit einem Kunstrasenplatz. Schaue ich kurz hinter die Stadtgrenze, wimmelt es von Kunstrasenplätzen. Ergo: Diese Vereine sind nicht nur im Werben um neue Spieler im Vorteil. Nein, sie können zusätzlich immer trainieren – egal ob es regnet oder schneit – und sich somit die Testspielgegner aussuchen. Wir müssen hingegen um Testspiele gegen diese Vereine kämpfen, um überhaupt im Winter planbare Tests durchzuführen.

Wie macht sich das bemerkbar?

Talentierte Spieler verlassen frühzeitig die Stadtteilvereine, schließen sich Klubs mit besseren Trainingsmöglichkeiten an und kehren fast nie wieder zu ihrem Stammverein zurück. Wir können keinen mit unserem Schotterplatz hinter dem Ofen hervorlocken. Der ist nicht mehr zeitgemäß. Zumal er auch Pflege benötigt. Gerade wenn er mangels Parkplätzen bei den Punktspielen hier und da auch mal als Behelfsparkplatz genutzt wird.

Ärger in Kiel

Wie sieht es sonst mit der Sportplatzpflege aus?

Uns sind die Hände gebunden. Die Plätze obliegen der Hoheit der Stadt. Wenn am Montag der Rasen gemäht wird, kann es im Sommer sein, dass er bei entsprechendem Wetter am Wochenende zum Anpfiff der Punktspiele bereits wieder knöchelhoch gewachsen ist. Da sind wir klar im Nachteil.

Inwieweit?

Meine Spieler bekommen große Augen, wenn wir zum Beispiel nach Dobersdorf fahren. Da wird der Platz wenige Stunden vor dem Spiel picobello gemäht und anschließend gewässert.

Mehr zu #GABFAF

Verlagert sich also der Spielbetrieb künftig auf die grüne Wiese, während in Kiel die Traditionsvereine dahinsiechen?

Tradition alleine reicht heute nicht mehr. Vereine wie der TuS Gaarden, VfB Kiel oder Holsatia Kiel verschwinden fast von der Bildfläche. Erfolg hat man heute entweder mit erhöhtem finanziellen Einsatz oder mit einer modernen Sportanlage. Schon jetzt brechen uns die Jugendlichen weg. Es gibt kaum noch A- und B-Juniorenteams. Das Mannschaftssterben wird sich aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung fortsetzen. In wenigen Jahren rekrutieren die Kreisligateams ihre Spieler aus den Alten Herren. Der SV Ellerbek und der SC Comet Kiel sind 2013 bewusst den Weg der Fusion gegangen, um sich nicht gegenseitig die Spieler abspenstig zu machen. Doch auch wir verfügen nicht über einen Kunstrasenplatz und somit in diesem Punkt nicht konkurrenzfähig.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Welche Sorgen hat Euer Verein? Meldet Euch beim Amateurfußball-Aktionsbündnis #GABFAF. Wir schaffen Aufmerksamkeit. Und helfen dabei, Verein mit Problemlösern und Sponsoren zusammenzubringen. Kontakt über die Website gabfaf.de.