05. Juli 2019 / 22:05 Uhr

#GABFAF: "Amateurvereine fordern Unterstützung" kämpft für Entlastungen

#GABFAF: "Amateurvereine fordern Unterstützung" kämpft für Entlastungen

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wir haben es lange genug ertragen. Die Initiative Amateurfußballer fordern Unterstützung um Sprecher Rolf Jägersberg beklagt Willkür und zu viel Verbandsbürokratie beim NFV.
"Wir haben es lange genug ertragen." Die Initiative "Amateurfußballer fordern Unterstützung" um Sprecher Rolf Jägersberg beklagt Willkür und zu viel Verbandsbürokratie beim NFV. © Debbie Jayne Kinsey
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Noch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit arbeitet "Amateurvereine fordern Unterstützung" um Entlastungen für die Klubs der Region. Eine zentrale Forderung der Gruppe um Rolf Jägersberg an den NFV ist ein spürbares Plus an Transparenz beim Verband. Im exklusiven Interview mit dem SPORTBUZZER findet der Sprecher der Initiative aber auch lobende Worte für das neue Präsidium.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Herr Jägersberg, als Sprecher der Initiative „Amateurvereine fordern Unterstützung“ kämpfen sie für Entlastungen der Vereine. Wo setzen Sie an?

Die Verwaltungsgebühren sind häufig höher als die Strafen selbst. Nach unserer Auffassung darf das nicht sein. Die Gebühren sind reine Willkür. Es gibt keinen einheitlichen Schlüssel im Bereich des NFV bzw. des DFB. Auch das prangern wir an. Wir brauchen eine Vereinheitlichung. Es kann doch nicht sein, dass jeder und der Verband nach Wetterlage entscheiden, wie hoch die Gebühren ausfallen.

Klare Strukturen also…

Wir brauchen ein einheitlich funktionierendes System. Auch dies ist eine unsere Forderungen, die zum Aufgabenbereich der Finanz AG gehört, um eine erhebliche Entlastung der Vereine zu erreichen. Gebühren betreffen jeden. Die Gebühr darf die Strafe nicht überschreiten.

Das #GABFAF-Manifest

Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF
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Ein weiterer Kritikpunkt der Vereine sind die Strafen.

Stimmt. Die Verhältnismäßigkeit der Strafen ist ein weiterer Punkt unseres Thesenpapiers. Wenn eine Jugendmannschaft einmal nicht antritt, kann es doch nicht sein, dass eine Strafe in Höhe von 100 Euro fällig wird.

Die Strafen aber sind ein zentraler Baustein zur Finanzierung der der Kreise.

Das ist das Problem. Die Finanzierung der Kreise darf im Wesentlichen nicht durch Strafen und Gebühren erfolgen. Es ist die zwingende Aufgabe der Dachverbände, den Finanzbedarf der Kreise zu eruieren und sie dann mit ausreichenden Mitteln auszustatten. Dies muss im Dialog zwischen dem NFV und den Kreisen geklärt werden.

Über die Notwendigkeit, die Vereine zu entlasten, sind wir uns alle einig. Die Vereine haben lange genug zugeschaut und es ertragen. Klar ist auch, dass mit der Entlastung der Vereine eine Gegenfinanzierung benötigt wird. Dies ist eine Mammutaufgabe. Das geht aber nur Schritt für Schritt.

Die an der Initiative beteiligten Vereine der Region Hannover wie der VfL Eintracht, Heimat von Rolf Jägersberg, fordern, dass sich die Kreise des NFV nicht maßgeblich über Strafen und Gebühren finanzieren.
Die an der Initiative beteiligten Vereine der Region Hannover wie der VfL Eintracht, Heimat von Rolf Jägersberg, fordern, dass sich die Kreise des NFV nicht maßgeblich über Strafen und Gebühren finanzieren. © Debbie Jayne Kinsey

Der DFB kassiert Millionenbeträge über seinen Nationalmannschaft, da müssten doch auch die Landesverbände mehr profitieren, oder?

Es wird bisher für die Vereine leider nicht offengelegt, wie sich der NFV finanziert. Es fehlt an Transparenz. Ein derart großer Verband muss seine Zahlen offenlegen. Das gilt auch für das gesamte Finanzierungsbild des NFV – durch den DFB – auch das ist leider nicht öffentlich.

Wieviel Geld bekommt der NFV vom DFB? In meinen Augen ist vieles Flickschusterei, die man nicht als seriöses Finanzsystem bezeichnen kann. Es fehlt an Verlässlichkeit. Diese Unsicherheit wird nach unten durchgereicht und wirkt sich nachteilig bis in die Arbeitsebene der Kreise aus.

Und diese Transparenz wollen Sie mit der Arbeitsgruppe nun schaffen?

Die Beschwerden der fußballspielenden Vereine sind seit Jahren latent und dem NFV bekannt. Es herrscht große Unzufriedenheit über den Umgang zwischen den Verbänden einerseits und den Vereinen andererseits. Leider ist viele Jahre nichts passiert.

Darum haben wir die Initiative „Amateurvereine fordern Unterstützung“ gegründet. Unserer ersten Einladung folgten 35 Vereine. Mit ihnen zusammen haben wir das Thesenpapier entworfen und dem NFV im Juni 2017 übergeben. Bis dahin war nicht erkennbar, dass etwas gegen die Unzufriedenheit der Vereine unternommen wurde.

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Kam es zum Umdenken im Verband?

Das im Oktober 2017 gewählte Präsidium des NFV unter Führung von Günter Distelrath hat die Punkte aus unserem Thesenpapier aufgegriffen. Es wurde die Arbeitsgruppe Finanzen gegründet mit Vertretern aus dem NFV, den Bezirken und Kreisen und einigen Vereinen, in die ich ebenfalls als Sprecher berufen wurde. Es ist die Aufgabe der AG das bisherige Finanzsystem zu überarbeiten und zu verändern.

Die Bewältigung der Aufgaben wird voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Dazu müssen Ross und Reiter benannt werden. Das konkrete, zielgerichtete Arbeiten wurde erst mit der Arbeitsgruppe Finanzen begonnen. Ohne unsere Initiative wären wir wahrscheinlich noch nicht soweit. Es ist ein Segen für den NFV, dass mit Günter Distelrath ein Präsident aktiv ist, der Sachen anpackt, ein Herz für den Amateurfußball hat und nicht nur für seinen Verein und sein Umfeld.

Ein Mann von der Basis also..

Ja, damit unterscheidet er sich wohltuend von seinem Vorgänger Karl Rothmund. Dazu kommt: Auch mit Hans-Heinrich Hahne ist ein Mann der Basis als Vizepräsident aktiv. Seitdem läuft es gut.

Rolf Jägersberg, Sprecher der Initiative Amateurvereine fordern Unterstützung, fordert unter anderem ein Mehr an Transparenz beim NFV.
Rolf Jägersberg, Sprecher der Initiative "Amateurvereine fordern Unterstützung", fordert unter anderem ein Mehr an Transparenz beim NFV. © Debbie Jayne Kinsey

Sie haben Entlastungen von 350.000 Euro erreicht bislang. Das klingt nicht nach dem ganz großen Wurf.

Über die bisher auf Initiative der Finanz AG erzielten Ergebnisse sind wir froh, jedoch noch nicht stolz. Nach Gründung der Finanz AG ging es zunächst darum, ein Cluster zu entwickeln mit der Fragestellung: Wo fangen wir an, wo können wir entlasten? Die Trikotgebühren sind weg, ebenso wie die Startgebühren.

Die nächste Empfehlung der Finanz AG war die Reduzierung der Gebühren, die keinesfalls höher ausfallen dürfen als die verhängten Strafen. Wir gehen davon aus, dass das Präsidium bzw. der Vorstand des NFV auch dieser Empfehlung der AG folgt.

Die Vereine wollen aber schon wissen, was am Ende für sie herumkommt.

Es geht nach meiner Meinung nicht darum, einen konkreten Betrag als Entlastung der Vereine zu formulieren. Wir durchforsten das ganze Finanzsystem. Wir reden über die Gesundung dieser wirtschaftlich schwierigen Situation sowohl aus Sicht der Vereine als auch des NFV. Es geht darum, ein seriöses, strukturiertes und nachvollziehbares System zu entwickeln, um diesen Missstand zu beseitigen.

Das sind die #GABFAF-Unterstützer

Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Wie konnte es denn überhaupt so weit kommen?

Ich finde, der DFB und auch der NFV haben in der Vergangenheit die Vereine in vielen Bereichen im Regen stehen lassen. Deshalb ist es zu der weit verbreiteten Auffassung der Vereine gekommen, sie seien lediglich Befehlsempfänger und Geldgeber. Es wurde vielfach vergessen, dass die Grundlagenarbeit in den Amateurvereinen die Basis für eine erfolgreiche Nationalmannschaft bildet.

Ich bin auch der Meinung, dass sich der DFB von der DFL hat ausziehen und vieles aus der Hand nehmen lassen. Alles zu Lasten der Amateurvereine. Als reichster Verband muss sich der DFB fragen lassen, weshalb er den Unterorganisationen und Vereinen als „reichster Verband“ nicht mehr Geldmittel zur Verfügung stellt.

Konkretisieren Sie das bitte…

Der Begriff der „Mauschelei“ wird leider immer noch im Zusammenhang mit dem DFB kolportiert. Die Aufdeckung von Sachverhalten hat dies leider bestätigt. Ein Verband ist nicht mehr glaubwürdig, wenn er sich als Selbstbedienungsladen darstellt. Das Damokles-Schwert der Entziehung der Gemeinnützigkeit schwebt - jedenfalls für einen gewissen Zeitraum - über dem DFB.

Sollte dieser Umstand eintreten, wird dies voraussichtlich auch zu Nachteilen bei den Amateurvereinen führen. Ich persönlich vermisse ein kritisches Auftreten der Landesverbände gegenüber dem DFB zur Stärkung der Position der Amateurvereine. Es gleicht einem Hörigkeitsgefühl.

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Wie hat sich die Arbeit der Initiative bislang entwickelt?

Unserer Initiative sind aktuell 60 Vereine aus dem NFV Kreis Region Hannover beigetreten. Wir haben 233 Vereine über das NFV-Postfach angeschrieben mit der Bitte, unserer Initiative beizutreten.

Da wir unsere Arbeit ehrenamtlich verrichten und die Mitgliedschaft in unserer Initiative kostenlos ist, ist die Mitgliederzahl ausbaufähig, um uns noch mehr Unterstützung zu gewähren. Die Vereine sind aber auch auf Verbandstagen gefordert, sich sachlich und kritisch zu äußern. Das passiert natürlich nicht, wenn man lediglich den Platzwart und nicht einen Fachkundigen schickt.

Es gibt aber auch Funktionäre, die die Reduzierung der Strafen nicht gerade klasse finden.

Von Verantwortlichen des Kreises bzw. Bezirks wurde uns entgegengehalten, wir würden ihnen die finanzielle Basis entziehen. Unsere Initiative richtet sich jedoch nicht gegen die Kreise und Bezirke. Das ist schlichtweg Unsinn. Unser Ziel ist es in diesem Zusammenhang, die Kreise und Bezirke wirtschaftlich zu stärken, da ihre ehrenamtliche Arbeit auf der bisherigen Basis nicht mehr zu leisten ist.

In Niedersachsen ist es die Aufgabe des NFV den Kreisen und Bezirken die erforderlichen Mittel für ein funktionierendes System zur Verfügung zu stellen. Die Zahlung von Beiträgen, Strafen und Gebühren durch die Vereine ist sicherlich ein Teil in diesem System, nicht jedoch deren Säule.

Das Aktionsbündnis #GABFAF setzt sich für den Amateurfußball ein. Wer die Idee unterstützt, kann sich auf gabfaf.de/supporter eintragen. Vereine können sich mit ihren Problemen über das Kontaktformular auf gabfaf.de bei der Initiative melden.

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