27. März 2019 / 08:50 Uhr

#GABFAF: BFC Germania 1888 - der älteste Fußballverein Deutschlands: "Wie eine zweite Familie"

#GABFAF: BFC Germania 1888 - der älteste Fußballverein Deutschlands: "Wie eine zweite Familie"

Elena Butz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der BFC Germania 1888 blickt auf eine lange Historie zurück.
Der BFC Germania 1888 blickt auf eine lange Historie zurück. © Jacqueline Schulz
Anzeige

Der BFC Germania 1888 aus Berlin ist der älteste Fußballverein Deutschlands und spielt heute in der Kreisliga. Dort kämpft der Klub mit den Problemen des Amateurfußballs. Eine #GABFAF-Reportage.

Anzeige
Anzeige

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Abendliches Training beim BFC Germania 1888, es ist schon dunkel. Noch spielt die Seniorenmannschaft im Flutlicht Fußball, aber gleich ist die erste Herrenmannschaft mit ihrem Training dran. Am Spielfeldrand trudeln die Sportler ein und begrüßen sich per Handschlag, ein paar Jungs aus der C-Jugend raufen um einen Ball. Ein ganz normaler Abend bei einem Kreisligaverein, der aber eine Besonderheit hat: Er ist der älteste Fußballverein Deutschlands.

Zu dem Getummel am Spielfeldrand in Berlin gesellen sich nach und nach sechs Leute, die zusammen den Vereinsvorstand bilden. Manche kommen direkt von der Arbeit. Sie schauen zusammen das Training der ersten Herren an. „Bei uns ist das so üblich“, sagt Heinz-Dietrich Kraschewski. Er sitzt dem Verein BFC Germania 1888 vor. Auf einem Hocker neben ihm sitzt Mario Puljic und zieht an seiner E-Zigarette. Er ist erst seit 2012 im Verein, war schon Geschäftsführer und ist derzeit Jugendleiter. Die Kälte des Märzabends kriecht zwischen die Kleidung. Manche am Spielfeldrand tragen Daunenjacken mit Vereinslogo, die ihnen bis zu den Knien reichen. Es ist 20 Uhr, die Senioren räumen das Feld.

Kultig: Der Vereins-Imbiss des BFC Germania 1888. Zur Galerie
Kultig: Der Vereins-Imbiss des BFC Germania 1888. ©
Anzeige

Der DFB hat den Fußballern aus dem Berliner Stadtteil Tempelhof mit einem Zertifikat bestätigt, dass ihr Verein der älteste Fußballverein Deutschlands ist. Vereine, die vor 1888 gegründet wurden, aber erst später eine Fußballabteilung hatten, zählen dabei nicht. Der TSV 1860 München ist ein Beispiel dafür. Germania Berlin schreibt den Titel als oberstes, an die Eingangstür, auf die Rücken der Trikots, auf die Website. „Der älteste deutsche Fußballverein begrüßt seine Gäste“, steht dort etwa. „Das macht einfach stolz“, sagt Puljic, der Jugendleiter. „Stolz, ein Teil davon zu sein.“

Zuerst hat nur sein Sohn im Verein gespielt, mittlerweile ist nicht nur er, sondern auch seine Frau im Vorstand. Wenn mal kein Spiel ist, treffen die sechs Vorstandsmitglieder sich zum Essen. „Das ist wie eine zweite Familie“, sagt Puljic. Er nimmt noch einen Zug von seiner E-Zigarette und pustet ihn in Richtung Spielfeld, wo die kleine weiße Wolke im Flutlicht schwebt. „Solange es Leute gibt wie uns, lebt der Verein weiter.“

Mehr zu #GABFAF

280 Mitglieder zählt der Klub, davon sind etwa 200 aktiv. Neben den Senioren und der ersten Herren spielen Jugendteams in allen Altersklassen von der G-Jugend bis zur C. Eine B-Jugend ist im Aufbau. Trotzdem schmerzt es Kraschewski, Puljic und ihre Kollegen, dass die zweite Herrenmannschaft sich vor Kurzem aufgelöst hat. „Vor drei Jahren hatten wir auch eine ordentliche A-Jugend“, sagt Kraschewski. „Die haben dann im Winter beschlossen, aufzuhören.“ Damit klafft zwischen der C-Jugend und der ersten Herrenmannschaft eine Lücke.

„Der große Fußball macht alles kaputt“

Kraschewski glaubt, dass die Kinder als Jugendliche aufhören, weil sie keinen Bezug zum Fußball vermittelt bekommen haben. „Die kriegen von dem großen Fußball ja nichts mit.“ Die Spiele der Nationalmannschaft seien zu spät, die Bundesligaspiele nur auf seltsamen TV-Sendern zu sehen. Das Erbe dieses Spiels weiterzugeben, funktioniere so nicht. „Der große Fußball macht alles kaputt.“

Emotionale Laudatio von Matthias Killing: #GABFAF erhält den Sportjournalistenpreis

Auf einem Gartentischchen zwei Meter neben dem Rasen steht eine Snackbox mit Salzbrezeln und Chips. Ein Stück weiter hat sich der Verein einen Imbiss mit Küche eingerichtet: Ein paar Sorten Bier stehen herum, Glasbehälter voll Gummibärchen. An Spieltagen versorgt der Verein hier Besucher und Spieler mit Essen. Diese Woche hat die erste Herrenmannschaft kein Spiel. Wohl auch darum sind nur fünf von ihnen zum Training gekommen. Ein sechster Spieler ist ein mitgebrachter Freund. Der Trainer flucht. „Auch das ist Amateurfußball“, sagt Kraschewski.

Unterstützung Berlins sichert dem Verein die Existenz

Den Imbiss hat Germania Berlin von der Stadt Berlin gepachtet. Die Umkleiden, ein Vereinsraum und das Spielfeld gehören ebenfalls der Stadt. Den Antrag dazu stellt der Verein einmal im halben Jahr. „Da muss man nicht jede Woche betteln gehen“, sagt Kraschewski. Die Unterstützung Berlins sichert dem Verein die Existenz, denn selber könnte er das warme Wasser der Duschen und das Flutlicht nicht bezahlen. Fast nebenbei erwähnt er, dass im Vereinsraum seit 2017 ein Wasserschaden war und die Maler erst vor wenigen Wochen fertig geworden seien. Im Gang steht noch eine Kiste voller Pokale, die wieder eingeräumt werden müssen.

Das #GABFAF-Manifest

Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF

Im Vereinsraum zeigt Kraschewski eine Wand voll Bildern alter Mannschaften. „Ein paar behaupten ja, ich war da dabei“, sagt er schmunzelnd und deutet auf ein Bild von 1904. „Das ist natürlich gelogen.“ Der 66-Jährige hat aber dennoch eine lange Vergangenheit bei Germania Berlin. Sein Vater ist auf Mannschaftsfotos dieser Ahnengalerie des Vereins zu sehen. Über ihn kam Kraschewski zum Fußball, hat Jugendmannschaften trainiert, bis vor vier Jahren selbst gespielt. Er schließt für jedes Training die Türen auf, ist meistens schon nachmittags beim Training der Jugend dabei. Die Jungs, die nach ihrem Training noch weiter bolzen, kennt er beim Namen. Sie nennen ihn „Kraschi“.

Als das Training vorbei ist, die Fußballer die Sporttasche über die Schulter werfen und sich verabschieden, räumt er die letzten Gläser in den Imbiss zurück und klappt den Gartenstuhl zusammen.

Das sind die #GABFAF-Unterstützer

Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

ANZEIGE: 50% auf dein Winter-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus aller Welt