07. Juli 2019 / 08:48 Uhr

"Rumbrüllen bringt nichts": Willi Weidenstraß (80) ist Deutschlands wohl ältester Trainer

"Rumbrüllen bringt nichts": Willi Weidenstraß (80) ist Deutschlands wohl ältester Trainer

Paul Schubert
Lübecker Nachrichten
In seinem Element: Der 80-jährige Willi Weidenstraß beim Fußballtraining mit Kindern und Jugendlichen.
In seinem Element: Der 80-jährige Willi Weidenstraß beim Fußballtraining mit Kindern und Jugendlichen. © HDR
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Noch ist lange nicht Schluss für den wahrscheinlich ältesten aktiven Trainer Deutschlands. Willi Weidenstraß trainiert die B-Jugend der JSG Fehmarn (Schleswig-Holstein). Seine Devise: "Stärken statt Schwächen aufzeigen".

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"Guten Tag, ich bin Willi Weidenstraß, der älteste Trainer neben Otto Rehagel und Trappatoni - mit dem Unterschied, dass ich einen Job habe." So stellte sich der 80-Jährige jüngst auf dem Fortbildungslehrgang in Malente vor. Dass er tatsächlich der älteste Trainer Deutschlands ist, konnte selbst der DFB auf Anfrage des Sportbuzzers nicht zweifelsfrei klären. Aber entscheidend ist ohnehin sein Motto: „ Ich mache solange weiter, wie der Körper es zulässt“, stellt der 80-Jährige klar und schnürt auch in der kommenden Saison seine Schuhe als Trainer für die B-Jugend der JSG Fehmarn. Auf seinem Weg zum Coach verlief, bedingt durch Höhen und Tiefen, nicht alles planmäßig...

Gladbachs Nationalspieler Peter Meyer in seinem Schicksalsspiel verwickelt

Mit zehn Jahren bestritt er kurz nach dem Krieg bei einem der wenigen Turniere sein erstes Spiel für den DC Noethausen. Mit 33 endete seine Laufbahn als Spieler abrupt: Schienbeinbruch, Oberschenkelbruch und sämtliche Bänder gerissen. Karriereende. Und das alles in einem unwichtigen Freundschaftsspiel. Einem, in dem der Gladbacher Peter Meyer sich dazu bereit erklärte, mitzuspielen, da er häufig das Vereinsheim des TuS Gräfenbruch besuchte. Erst durch seine Zusage kam es überhaupt zu diesem Spiel. Auf große Euphorie folgte durch die Verletzung eine schwierige Zeit im Leben des jungen Weidenstraß. Erst sieben Monate später konnte Willi Weidenstraß wieder richtig laufen, ehe er nach zwei Jahren wieder auf dem Feld stand. Doch nun nicht mehr als Spieler, sondern als Trainer. Der Beginn einer Ära.

Bilder aus dem Leben von Willi Weidenstraß

Der eingefleischte Schalke-Fan Willi Weidenstraß mit Manuel Neuer. Zur Galerie
Der eingefleischte Schalke-Fan Willi Weidenstraß mit Manuel Neuer. ©
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"Nie mehr verlangen, als man selber kann bzw. konnte"

Schon im Alter von 25 hatte er neben seiner Spielerkarriere erste Trainererfahrungen gesammelt. Fortan aber galt sein Augenmerk nur noch dem Trainieren. Seine Philosophie: „Nie mehr verlangen, als man selber kann bzw. konnte“. Über Jahrzehnte hinweg legte sich Weidenstraß Ordner mit von ihm entworfenen Trainingsübungen an. „Wenn Sie meine Ordner sehen würden“, sagt er und lacht herzlich, „manche sagen, schreib doch ein Buch!“

Der wohl älteste Trainer Deutschlands betont, dass das Ganze für ihn "nicht nur ein Job, sondern seine Leidenschaft" sei, etwas wo er sein ganzes Herzblut reinstecken könne. Seit jeher an seiner Seite ist seine Frau, die er mit 25 kennenlernte, sie war damals 17. Sie half und unterstützte ihn bei einer Fahrradtour mit den D-Junioren zu einem Auswärtsspiel gleich zu Beginn, während seiner schweren Verletzung und auch jetzt immer noch, denn er hat eine Sehschwäche, die es ihm inzwischen verbietet, selbst Auto zu fahren. So fährt sie ihn zu "jedem Training, zu jedem Spiel" und natürlich auch im Sommer, wenn alljährlich "Willis kleine Fußballschule" ansteht.

Oldies but Goldies

Für ihn steht fest: "Rumbrüllen bringt nix!"

Dort ist von kleinen Knirpsen bis heranwachsenden Jugendlichen, egal ob Mädchen oder Jungs, jeder willkommen. "Die Jugend liegt mir sehr am Herzen", betont er im Gespräch mit dem Sportbuzzer mehrfach. "Ich bin ein Fußballer, ich weiß, wie man junge Menschen beim Kicken behandelt." Es nütze nichts "rumzubrüllen". Sein Motto lautet: "Stärken statt Schwächen aufzeigen. Wenn jemand 9-mal etwas falsch macht und einmal richtig, dann hebe ich diese eine Mal hervor. Egal, was davor vielleicht schiefgelaufen ist."

Der glühende Schalke-Fan, der auch schon Manuel Neuer und Gerald Asamoah die Hand schüttelte, weiß, dass er "ein Händchen dafür" hat, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, und so komme es eigentlich nie zu Komplikationen. Sein "Bombenverhältnis" zu jungen Leuten wird ihm in der anstehenden Saison auf Fehmarn sicherlich helfen.

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