29. Januar 2020 / 08:00 Uhr

Von der Bundesliga zum Amateurfußball: Darum spielt Ex-Bochumer Marcel Maltritz jetzt in der Kreisliga B

Von der Bundesliga zum Amateurfußball: Darum spielt Ex-Bochumer Marcel Maltritz jetzt in der Kreisliga B

Henning Uebel und Chantal Ranke 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bis 2014 spielte Marcel Maltritz noch beim VfL Bochum. Seit dieser Saison steht er für die DJK Teutonia Ehrenfeld auf dem Platz. Sein langjähriger Freund Andreas Pahl (links) lockte ihn in die Kreisliga B2. 
Bis 2014 spielte Marcel Maltritz noch beim VfL Bochum. Seit dieser Saison steht er für die DJK Teutonia Ehrenfeld auf dem Platz. Sein langjähriger Freund Andreas Pahl (links) lockte ihn in die Kreisliga B2.  © imago images/ Nordphoto, imago images/ Norbert Schmidt, Henning Uebel
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258 Bundesligaspiele und 156 Partien in der 2. Bundesliga für den VfL Wolfsburg, den HSV und vor allem den VfL Bochum: Das ist die Karrierebilanz von Marcel Maltritz. Diese Saison gab der ehemalige Bochum-Kapitän sein Comeback in der Kreisliga B. Wie es dazu kam und was Maltritz am Amateurfußball besonders schätzt, erzählt der gebürtige Magdeburger im Interview mit #GABFAF. 

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SPORTBUZZER: Fünf Jahre nach deinem Karriereende bist du wieder als Spieler aktiv bei der DJK Teutonia Ehrenfeld in der Kreisliga B2 in Bochum. Wer hat dich zu diesem Comeback bewegt?

Marcel Maltritz (41): Das war Andreas Pahl, der auch heute noch Zeugwart des VfL Bochum ist. Ich kenne ihn schon seit meiner Zeit als aktiver Spieler. Wir verstehen uns richtig gut, und er hat schon immer bei mir gebaggert, ob ich nicht mal mit ihm zusammen in der Kreisliga spielen will. Ich habe immer freundlich abgelehnt und mich herausgeredet. Dieses Jahr hat er wieder gefragt, ob ich nicht mal vorbei gucken möchte. Und ich habe ja gesagt. In dem Moment hatte er den Anmeldebogen auch schon komplett ausgefüllt und gesagt: Hier kannst du unterschreiben und dann am Wochenende spielen. So hat er mich am Donnerstag angemeldet und am Sonntag war dann direkt das erste Spiel auf Asche. Da dachte ich mir: Herzlichen Glückwunsch, bei 30 Grad auf Asche. Jeder, der das schon mal gemacht hat, weiß wie das ist. Trotzdem hat es im Laufe der Zeit immer mehr Spaß gemacht. Die Mannschaft ist top in Ordnung, und wenn man an der Tabellenspitze steht, dann will man auch aufsteigen. Deswegen ist die Trainingsbeteiligung normalerweise sehr hoch.

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Kanntest du dich vorher mit dem Kreisligasystem in Bochum aus?

Wir haben früher mit dem VfL auch Freundschaftsspiele gegen Teams aus der Kreisliga A gemacht. Somit kannte ich mich insofern aus, dass es eine Kreisliga A, B und C gibt. Wie das Niveau ist, wusste ich allerdings nicht. Wenn man mal 3:0 oder 4:0 führt, ist das Spiel noch nicht durch. Da kann noch alles passieren. Genauso, wenn zwei, drei Stammspieler nicht dabei sind.

43 Punkte aus 16 Spielen, Ihr seid Tabellenführer. Du hast bereits 12 Tore geschossen. Sind deine Tage es Innenverteidiger damit endgültig vorbei?

Ja. Ich habe direkt im ersten Spiel eine Halbzeit auf der Sechser-Position gemacht. Dann hat der Trainer umgestellt und mich nach vorne gestellt. Seitdem es jetzt auch die Torjägerkanone in der Kreisliga gibt, muss ich ja auch ein bisschen Gas geben.

Da geht's gleich rund: Der neue Mannschaftskollege von Marcel Maltritz (Nummer 4) zeigt ihm auf welchem Platz er kicken darf. 
Da geht's gleich rund: Der neue Mannschaftskollege von Marcel Maltritz (Nummer 4) zeigt ihm auf welchem Platz er kicken darf.  © Henning Ubel
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Wie reagieren die Gegenspieler und Zuschauer, wenn plötzlich ein Marcel Maltritz auf dem Platz steht?

Ich glaub schon, dass die Zuschauer einen gewissen Anspruch haben und denken, der rennt da alleine mit dem Ball über den ganzen Platz. Aber ich bin ja auch schon 41. Ich möchte mich einfach noch ein bisschen bewegen und Spaß auf dem Platz haben. Man kann mit den meisten Gegenspielern gut sprechen, ich bin ein ganz normaler Mensch. Manche sind schon extra motiviert. Die überwiegende Anzahl ist total nett und freundlich und freut sich, dass wir gegeneinander spielen können.

Worin liegt für dich der größte Unterschied zwischen Kreisliga und Profifußball?

Das Trainerteam macht sich seine Gedanken zum Spiel und zum Gegner, aber die wissen am Freitag nicht mal, wer am Sonntag überhaupt da ist. Wo am Samstag einer in der Zeche versackt ist, wo die Oma am Sonntag plötzlich Geburtstag oder das Kind Schnupfen hat. Da muss man als Trainer auch viel improvisieren. Ich glaube, das ist auch ein gesellschaftliches Problem. Viele sehen das Hobby nicht mehr so verpflichtend. Das weiß man als Trainerteam nie, wer am Sonntag fit ist.

Holt sich der Trainer auch mal einen Rat bei dir ab?

Ingo Freitag kenne ich schon ein bisschen länger, das ist seine erste Station als Cheftrainer. Ab und zu kann ich ihm einen Hinweis geben. Alles andere macht er aber selbst. Ich will da nicht der Oberschlaumeier sein.

Was ist das Besondere am Amateurfußball?

Die Trikots sind selbst gewaschen, jeder bringt seine eigenen Sachen mit zum Spiel. Im Profifußball steigst du nur noch mit der Kulturtasche aus dem Bus, alles andere ist vorbereitet. Die Gemeinschaft ist im Amateurfußball viel ausgeprägter als im Profitum.

Als Amateurfußballer unterstützt Maltritz natürlich auch #GABFAF: Die Städte müssen mehr für die Infrastruktur tun. Fußball hat eine Integrationsfunktion.
Als Amateurfußballer unterstützt Maltritz natürlich auch #GABFAF: "Die Städte müssen mehr für die Infrastruktur tun. Fußball hat eine Integrationsfunktion." © Privat

Der Amateurfußball liegt in vielerlei Hinsicht brach. Auch in Bochum sind viele Plätze in einem sehr schlechten Zustand. Was muss passieren?

Die Städte müssen mehr für die Infrastruktur tun, dass vernünftige Plätze und Umkleiden entstehen. Fußball hat eine Integrationsfunktion. Auf dem Platz sind alle Spieler gleich. Es sind doch oft die kleinen Vereine, die die Grundlagen schaffen für die jungen Fußballer. Da könnte man auch noch viel mehr zum Beispiel in die Ausbildung der Trainer investieren. Übungsleiterpauschalen könnten vielleicht das Ehrenamt stärken, um wieder mehr Leben in die Vereine zu bringen. Leider geht auch das Ehrenamt ein Stückweit verloren. Keiner hat mehr die Zeit und Lust, sich um das Vereinsleben zu kümmern. Manche bekommen sogar noch einen Arschtritt, wenn sie etwas falsch gemacht haben.

Ein trauriges Thema sind die gewalttätigen Übergriffe auf Schiedsrichter.

Ich glaube, das ist ein gesellschaftliches Problem. Das findet nicht nur im Fußball statt. Die Gewalthemmschwelle ist gesunken, und das leider extrem auf dem Fußballplatz, wo der Schiedsrichter eigentlich mit Respekt behandelt werden sollte. Der eine Amateurschiedsrichter muss den ganzen Platz abdecken, was extrem schwierig ist. Sei es Abseits, sei es Aus oder strittige Situationen. Da habe ich mich auch schon manchmal gefragt: Was hat er da jetzt gesehen? Aber Fehler gehören dazu.

Ex-Bochumer Marcel Maltritz erzählt, was Amateurfußball für ihn bedeutet

Ich hab's lieber, dass man richtig in die Zweikämpfe geht, aufsteht und weitermacht.

Müssen die Profifußballer bessere Vorbilder sein?

Im Profifußball versucht jeder, Entscheidungen für sich zu nutzen. Sei es ein banaler Einwurf, wo zu Unrecht die Hand gehoben wird. Da fängt es an. Oder Elfmeter zu schinden, Freistöße rauszuholen. Ich hab‘s lieber, dass man richtig in die Zweikämpfe geht, aufsteht und weitermacht. Da wird viel zu viel geschunden. Einige Spieler haben daher auch keine Vorbildfunktion.

Welches Erlebnis ordnest du in die Kategorie: So was erlebt man nur im Amateurfußball?

Man wird immer durch Kleinigkeiten überrascht. Bei einem Spiel auf Kunstrasen ist mein Schuh kaputt gegangen. Dann habe ich vom Auswechselspieler einen anderen Schuh angezogen. In der Kreisliga hat man ja nur ein Paar Schuhe dabei. Und dann habe ich in der Halbzeit das typische Kreisligatape um den Schuh gewickelt. Das passiert halt nur in der Kreisliga.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

<strong>TSV Sulzfeld (Bayern):</strong> Mit einem hauchdünnen Vorsprung setzten sich die Sulzfelder in der #GABFAF-Vereinskasse durch und haben damit nun auch 2000 Euro mehr auf ihrem Konto. Damit kann der Klub nun endlich mit der Sanierung der sehr maroden Duschen beginnen. Der erste Schritt: Neue Duschköpfe.  Zur Galerie
TSV Sulzfeld (Bayern): Mit einem hauchdünnen Vorsprung setzten sich die Sulzfelder in der #GABFAF-Vereinskasse durch und haben damit nun auch 2000 Euro mehr auf ihrem Konto. Damit kann der Klub nun endlich mit der Sanierung der sehr maroden Duschen beginnen. Der erste Schritt: Neue Duschköpfe.  ©

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