16. März 2019 / 09:01 Uhr

#GABFAF: Umziehen im Schiffscontainer, Duschen in der Schule

#GABFAF: Umziehen im Schiffscontainer, Duschen in der Schule

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Am Dedenser Fußballplatz stehen nur provisorische Umkleiden ohne Duschen. Es sind alte Schiffscontainer.
Am Dedenser Fußballplatz stehen nur provisorische Umkleiden ohne Duschen. Es sind alte Schiffscontainer. © Florian Petrow
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Duschen hat der SV Dedensen aus der Region Hannover nicht – weil es nicht genügend Wasser gibt. Die Kreisliga-Spieler müssen jedes Mal zur Grundschule laufen. Wenn dort nicht gerade Ferien sind...

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Hinweis: Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Es regnet, es ist windig, es ist kalt. Und es wird schlimmer. Ein Sturm zieht über die Anlage des SV Dedensen an diesem Abend im März. Extreme Bedingungen für das Training einer Amateurmannschaft. Bedingungen, bei denen sich Profis vermutlich gar nicht auf den Platz trauen würden. Spieler und Trainer der ersten beiden Männer-Mannschaften des Fußball-Kreisligisten schleppen sich durchnässt vom Platz. Doch von der wärmenden Dusche trennen sie noch 400 Meter. Die Spieler müssen nach „nebenan in die Turnhalle der Grundschule“, sagt Frank Sprehn, Pressewart des Klubs. Eine Zumutung für alle Beteiligten, die im Regen ihre Sporttaschen schultern und losstapfen. „Alles andere als optimal“, sagt Jan Sander. Der Verteidiger spielt seit viereinhalb Jahren für den Verein, er kommt aus dem benachbarten Hannover. 40 Minuten Autofahrt nimmt er auf sich. „Die Kabine ist sicherlich nicht der Grund, warum ich hier spiele“, sagt er.

Die Umkleide ist zu eng für eine ordentliche Traineransprache.
Die Umkleide ist zu eng für eine ordentliche Traineransprache. © Florian Petrow
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Trainer-Ansprache? Ersatzspieler müssen raus

Die Kabine, wie sie es nennen, ist ein Schiffscontainer, der 2018 an den A-Platz gestellt wurde. Nebenan am B-Platz, dort, wo die Männer sonntags in der Kreisliga kicken, stehen weitere. Es sind provisorische Umkleiden, damit den Mannschaften und Schiedsrichtern zumindest die Möglichkeit geboten wird, sich direkt am Platz umzuziehen. Doch es ist eng. „Bei meiner Ansprache vor dem Spiel muss ich einige Jungs rausschicken, so wenig Platz ist hier. Meistens ist nur die Startelf dabei“, sagt Trainer Sascha Pohle. „Das ist mehr als unglücklich, dass einige Spieler stehen müssen und ich keinen Blickkontakt zu allen aufbauen kann.“

Extreme sind sie hier gewohnt. Dort, wo hinter den Fußballplätzen die Felder der Bauern liegen. Fließendes Wasser oder Abwasserkanäle gibt es nicht auf den zwei Plätzen, Flutlicht ist nur auf einem Platz vorhanden. Das Sporthaus an Platz A wurde einst in Eigenregie gebaut, es ist nicht mehr als ein Raum mit Teeküche. Immerhin ist das Häuschen gerade so groß, dass die Spieler nach dem Training gemeinsam ein Bier trinken können.

Für die #GABFAF-Initiative haben wir den SV Dedensen in der Region Hannover besucht. Hier findet Ihr die Bilder. Zur Galerie
Für die #GABFAF-Initiative haben wir den SV Dedensen in der Region Hannover besucht. Hier findet Ihr die Bilder. ©

"Die packen alle mit an"

Es gebe dennoch genug Gründe, hier spielen zu wollen, sagen Verantwortliche, Trainer und Spieler. „Der Zusammenhalt bei Mannschaft und Betreuern ist herausragend“, sagt Verteidiger Sander. Sportlich macht der SV Dedensen viel aus seinen Möglichkeiten, spielt auch in dieser Saison wieder oben mit in der Kreisliga. „Die Jungs sind voll dabei. Wir überzeugen hier mit der Gemeinschaft“, sagt Pohle. So muss beim Training auch mal das Grünzeug geschleppt werden, das beim letzten Beschneiden der Hecke liegen geblieben ist. Die Vorsitzende Andrea Kolbien schwärmt: „Da packen alle mit an. Das gehört sich so bei einem Dorfverein.“

Doch auch die Eigeninitiative hat bisher nicht dazu geführt, dass ein Vereinsheim entstehen konnte. Es fehlt einfach das Geld. Es gibt nur Brunnenwasser am Platz, das für den Betrieb von zwei Toiletten reicht. Geduscht werden muss daher eben in der Turnhalle – in 400 Metern Entfernung. Und wenn in den Sommerferien dort das Wasser abgestellt wird, müssen die Spieler ungeduscht nach Hause.

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"Fühle mich wie ein Verkehrspolizist"

Die weiten Wege bereiten noch mehr Probleme. „An Spieltagen fühle ich mich wie ein Verkehrspolizist“, sagt Trainer Pohle. „Dann muss ich den Schiedsrichtern, Gästemannschaften und Zuschauern sagen, wo sie was finden.“ Vor allem die Schiedsrichter sind meist schon vor dem Anpfiff genervt. „Die können keine anständige Passkontrolle durchführen, weil die Gastmannschaft sich oft nach dem Warmmachen noch einmal in die Kabine der Sporthalle setzt“, sagt Sprehn.

Pohle trainiert dennoch gern beim SV Dedensen. Denn wie es auf dem Dorf so ist: „Es zählt das Drumherum. Und das ist top.“

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