11. August 2019 / 09:00 Uhr

DFB-Pokal-Kosten für Amateurvereine: "Glücklich, wenn wir mit kleinem Gewinn rausgehen"

DFB-Pokal-Kosten für Amateurvereine: "Glücklich, wenn wir mit kleinem Gewinn rausgehen"

Chantal Ranke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uwe Piehl ist Vizepräsident beim Bremer Oberligisten FC Oberneuland, der in der ersten Pokalrunde auf Darmstadt 98 trifft.
Uwe Piehl ist Vizepräsident beim Bremer Oberligisten FC Oberneuland, der in der ersten Pokalrunde auf Darmstadt 98 trifft. © Privat
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Fünftligist FC Oberneuland empfängt Darmstadt 98 im DFB-Pokal. Vizepräsident Uwe Piehl gibt Einblicke, in die komplizierten Vorbereitungen für eine derartige Partie und verrät, was finanziell wirklich beim Klub hängenbleibt.

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Endspurt beim FC Oberneuland: Am Sonntag tritt der Bremer Oberligist in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Zweitligist Darmstadt 98 an. Ein Heimspiel im DFB-Pokal für eine Amateurmannschaft? Ein Traum – aber bei Weitem kein Selbstläufer. Denn die Anforderungen des DFB sind hoch. Rund 80 Seiten an Auflagen schickte der Verband an die teilnehmenden Vereine. Sämtliche Aspekte rund um Sicherheit und Vermarktung bis hin zur Infrastruktur sind darin strengstens festgelegt. Uwe Piehl, Vizepräsident des FC Oberneuland, hat in den vergangenen Wochen eindrucksvoll erfahren, was es für einen Fünftligisten bedeutet, ein solches Spiel auszurichten.

Da war zunächst die Stadionfrage. Manch Amateurklub zieht für den Pokal in eine größere Arena um. Nicht so der FC Oberneuland. „Die Spieler und Fans haben es sich verdient, zu Hause zu spielen“, sagt Piehl. Der emotionale Aspekt ist nicht der einzige Grund. Als sich der FCO 2012 das bis dato letzte Mal für den DFB-Pokal qualifizierte, hieß der Gegner Borussia Dortmund. In der Hoffnung auf hohe Zuschauerzahlen entschied sich der damalige Vorstand für die Austragung im Bremer Weserstadion. Doch die Vereinsführung verschätzte sich gewaltig. Am Ende der Saison 2012/2013 stand die Insolvenz des Klubs.

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Sicherheitsplanung für DFB-Pokal-Spiele für Amateurvereine kaum zu stemmen

Sieben Jahre später ist Darmstadt zu Gast. Mit dem Los ist Piehl sehr zufrieden: „Darmstadt ist ein dankbarer Gegner für uns. Wir erwarten ungefähr 400 Auswärtsfans. Davon etwa 100 Ultras, die für die gewünschte Stimmung sorgen.” Der hessische Zweitligist ist auch gern gesehen, da keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen. Auf Grund der eher friedlichen Fans wird lediglich die Mindestanzahl an Ordnern eingesetzt, Alkohol darf ausgeschenkt werden. Dennoch beanspruchte besonders die Planung und Konzeptionierung der Sicherheit einen großen Teil der Organisation. Piehl bilanziert: „Ohne externe Unterstützung und Erfahrung kann ein Amateurverein die Organisation nicht stemmen.“ Somit engagierte der Klub eine Sicherheitsfirma und einen Ticketanbieter. Außerdem hilft der DFB: „Direkt nach der Auslosung gab es einen Workshop für alle Pokalneulinge.“

Das sind die #GABFAF-Unterstützer

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Rund 175.000 Euro erhält jeder Erstrundenteilnehmer. Eigentlich eine stolze Summe für einen Bremenligisten. Doch Piehl widerspricht: „Wenn wir am Ende mit einem kleinen Gewinn rausgehen, sind wir glücklich.“ Denn die Ausgaben, die auf die Verein zukommen sind enorm: 25 Prozent bekommt der Verband, 7000 Euro kosten die Schiedsrichter und die Reisegebühren für die Gastmannschaft. Und das sind nur einige der Posten – zumal die Hälfte der Ticketeinnahmen die Gästemannschaft kassiert. „Wenigstens die Top-fünf-Bundesligavereine könnten auf diese Einnahmen verzichten. Das ist auch eine Sache der Solidarität”, fordert Piehl. Sein Fazit: „Wenn man es ganz hart sagen will, lohnt sich eine Teilnahme am DFB-Pokal finanziell erst ab der zweiten Runde.” Der Vizepräsident hat einen Vorschlag: „Der DFB könnte fordern, dass die Ausschüttung zweckgebunden eingesetzt wird. Vereine könnten dann direkt in die Jugendarbeit oder die Infrastruktur investieren.”

Dennoch wird das Spiel am Sonntag – sportlich gesehen – für die Mannschaft ein Highlight. Rund 2000 Zuschauer werden erwartet. „Wir wollen die Menschen animieren, häufiger zum Amateurfußball zu gehen”, sagt Piehl. Die Aussichten, dass die Zuschauer seinen FC Oberneuland auch in der zweiten Pokalrunde sehen, beziffert er dabei als eher gering: „ Die Chancen stehen fünf zu 95 Prozent.“

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