17. April 2019 / 08:29 Uhr

#GABFAF-Reportage: Altrincham FC - ein Traditionsklub aus Manchester im Schatten der Milliarden

#GABFAF-Reportage: Altrincham FC - ein Traditionsklub aus Manchester im Schatten der Milliarden

Hendrik Buchheister
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
FC Altrincham: Ein Sechstliga-Klub aus Manchester, der im Schatten der großen Fußballmilliarden viele Fans anlockt.
FC Altrincham: Ein Sechstliga-Klub aus Manchester, der im Schatten der großen Fußballmilliarden viele Fans anlockt. © Hendrik Buchheister
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#GABFAF hat sich im englischen Amateurfußball umgeschaut. Dort können und wollen sich manche Fans die Tickets für die Spiele der Spitzenteams nicht mehr leisten – kleinere Klubs profitieren davon.

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Diese Reportage ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Alan steht auf der Steintreppe hinter dem Tor und berichtet, dass er schon als kleiner Junge hier gewesen ist. Sein Vater hat ihn mitgenommen, damals in den 70ern und 80ern, als in den englischen Profistadien die Hooligans herrschten. Seitdem ist er immer wieder gekommen. „Man fühlt sich als Teil des Klubs. Das hier ist echter Fußball“, sagt er.

Das hier – damit meint Alan, 48 Jahre alt, den Altrincham Football Club, einen Sechstligisten aus dem Südwesten Manchesters, der seine Heimspiele im Stadion an der Moss Lane austrägt. Stehplätze hinter den Toren und auf der Gegengerade, größtenteils überdacht, Sitzplätze auf der Haupttribüne.

Altrincham FC: Ein Traditionsklub im Schatten der Millionen

Altrincham FC: Ein englischer Traditionsverein, der in Manchester im Schatten der Millionen von United und City existiert und trotzdem viele Fans anzieht. <b>#GABFAF</b> war zu Besuch bei den Robins und zeigt die besten Fotos. Zur Galerie
Altrincham FC: Ein englischer Traditionsverein, der in Manchester im Schatten der Millionen von United und City existiert und trotzdem viele Fans anzieht. #GABFAF war zu Besuch bei den "Robins" und zeigt die besten Fotos. ©
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Klubs wie Altrincham bilden den Unterbau des englischen Fußballs, der an der Spitze dank der Premier League ein Milliardengeschäft mit Fans auf der ganzen Welt ist. Die Spitzenteams um Manchester City, den FC Liverpool, Tottenham und Manchester United dominieren in dieser Saison die Champions League. Dennoch haben Klubs wie Altrincham ein loyales Publikum, Leute aus dem Ort, die irgendwie schon immer da waren. Leute wie Alan.

Ins Old Trafford geht Alan nie - es ist einfach zu teuer

Er sagt, er sei auch Fan von Manchester United, doch dabei scheint es sich eher um eine offene Beziehung zu handeln. Ins Old Trafford gehe er nie – trotz Champions-League-Teilnahme –, zu teuer, außerdem darf dort kein Bier auf den Rängen getrunken werden. Und überhaupt: „Es ist mir nicht so wichtig, ob United gewinnt oder verliert. Aber wenn Altrincham gewinnt oder verliert, bestimmt das über mein Wochenende“, sagt er.

Die Mannschaft hat Kidderminster Harriers zu Gast an diesem Samstag im Frühling. Die Sonne scheint, der Rasen sieht besonders grün aus. Mehr als 1000 Zuschauer sind da. Vor dem Anpfiff setzt eine Art Völkerwanderung ein. Die Altrincham-Fans verlassen die Tribüne hinter dem Tor und gehen zur Gegengerade, ans andere Ende des Spielfelds, denn ihr Team spielt zuerst auf dieses Tor. Sie wollen nah dabei sein.

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Nähe ist ein großes Thema in den unteren Ligen. Während die Premier League die Bindung zur Basis nach Meinung vieler Fans gekappt hat, besteht beim Fußball unterhalb der oberen vier Spielklassen ein enges Verhältnis zum Publikum. So wie bei Alan, auch dank seines Sohnes Tom. „Als kleiner Junge war er Einlaufkind. Er durfte in die Kabine und hat die Spieler getroffen. Bei Manchester United muss man dafür wahrscheinlich einen Wettbewerb gewinnen oder Geld zahlen”, sagt Alan über seinen 17-jährigen Sohn.

Die Zuschauer in Altrincham sind bunt gemischt, bunter als in der Premier League

Die Zuschauer in Altrincham sind bunt gemischt, bunter als in der Premier League. Man sieht ein paar Männer, die einem Hooligan-Film entstiegen sein könnten, viele Frauen, Jungs mit Turnschuhen und Poloshirts und Rentner, die das Spiel mit der Gelassenheit des Alters verfolgen, um den Hals einen rotweißen Altrincham-Schal, an der Mütze Altrincham-Pins. In der Ecke zwischen Hintertor- und Gegentribüne spielen Kinder Fußball. Die Amateurvereine sind der Mittelpunkt dessen, was man in England Community nennt, sie sind eine wichtige Institution des Zusammenlebens. Und eine, die sich engagiert, auch über den Fußball hinaus.

Im Februar hat Altrincham ein Spiel in Regenbogen-Trikots ausgetragen, als Zeichen gegen Homophobie. Die Aktion machte europaweit Schlagzeilen. Es gibt die Trikots zu kaufen, viele Fans tragen sie, Frauen und Männer, auch Kinder und Ältere. Über das Internet gingen auch Bestellungen aus Deutschland ein.

Das sind die #GABFAF-Unterstützer

Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Warum die klare Haltung? „Wir haben eine Verantwortung. Wir müssen zeigen: Wir sind für alle offen“, sagt der Klub-Vorsitzende Grahame Rowley, 57 Jahre alt. Er trägt einen schwarzen Anzug und eine rote Krawatte, beides mit Vereinswappen. Vorsitzender eines Amateurklubs zu sein ist in England eine ernste Sache.

Er berichtet vom Leben im Schatten der Premier League und will nicht klagen. Weil Manchester United und Manchester City nur selten samstags um 15 Uhr spielen, würden viele United- oder City-Fans zu Altrincham kommen. Auf den Tribünen ist eine Fußball-Ökumene zu beobachten.

"Früher dachten die Leute, wir wären nur eine Stufe über dem Fußball im Park"

Rowley hat zudem festgestellt, dass immer mehr Fans zum Amateurfußball gehen. Sie seien vom Profi-Business genervt und könnten oder wollten sich die Tickets nicht mehr leisten. Klubs wie Altrincham, Spitzname Alty, bieten eine gute Alternative – auch, weil sich die Wahrnehmung des Amateurfußballs geändert hat. „Früher dachten die Leute, wir wären nur eine Stufe über dem Fußball im Park. Dann kommen sie her und sehen: Wir haben ein richtiges Stadion, das Niveau ist ordentlich“, sagt Rowley.

Das Spiel an diesem Tag endet 2:1 für den Gastgeber. Nach Abpfiff singen die Fans. Die Spieler drehen eine kleine Ehrenrunde und applaudieren dem Publikum. Das ist ein bisschen wie in der Premier League. Nur eben ganz anders. Hier, wo das Herz noch zählt.

Das #GABFAF-Manifest

Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF

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