10. April 2019 / 09:42 Uhr

#GABFAF: Das sind die Erfolgsrezepte gegen Schiedsrichtermangel

#GABFAF: Das sind die Erfolgsrezepte gegen Schiedsrichtermangel

Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schiri Oliver Metz (links) und sein Assistent Axel Felsmann vor dem Anpfiff. Auch für Schiedsrichter gilt: Gemeinsam geht's besser.
Schiri Oliver Metz (links) und sein Assistent Axel Felsmann vor dem Anpfiff. Auch für Schiedsrichter gilt: Gemeinsam geht's besser.
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Im deutschen Amateurfußball fehlen Schiedsrichter. Aber es gibt Möglichkeiten, dem Mangel zu begegnen. Erfolgreiche Vereine setzen auf Betreuung, Verbindlichkeit und Respekt.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Tatort Kreisliga B in Dortmund am vergangenen Sonntag: Nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters gehen Spieler der Klubs DJK Westfalia Kirchlinde und Tamilstars Dortmund aufeinander los. Auch Zuschauer, so der Polizeibericht, mischen munter bei der Massenschlägerei mit. Was ein Pfiff so alles anrichten kann.

Das Problem: Viele Fußballschiedsrichter müssen sich jedes Wochenende mit ähnlichen Phänomenen herumschlagen. Spieler, die ausfällig werden. Trainer, die alles besser wissen. Schimpfende Eltern. Wer kein dickes Fell hat, kann da schnell die Lust verlieren. „Viele schmeißen schnell wieder hin, wenn sie im ersten Spiel negative Erfahrungen machen“, sagt etwa Carsten Byernetzki, stellvertretender Geschäftsführer des Hamburger Fußballverbandes.

Viele Schiris hören schnell wieder auf

Viele Amateurvereine haben deshalb den Schiedsrichternotstand ausgerufen. Die Ausbildungslehrgänge sind zwar gut besucht, mehr als 6500 zumeist junge Menschen haben in der vergangenen Saison erstmals ein Spiel geleitet. Aber viele springen nach kurzer Zeit wieder ab. Die Folge: Für rund 150 000 Fußballmannschaften in Deutschland gibt es 57 000 aktive Schiedsrichter – fast 30 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Jeder siebte Verein sieht den Mangel an Unparteiischen als existenzielle Bedrohung.

Die Gründe für die vielen an den Nagel gehängten Pfeifen: Die Anforderungen im Job steigen, zu wenig Zeit für die Familie, mangelnder Respekt auf dem Platz. „Vielen fehlt einfach die Lust, sich damit herumzuärgern“, sagt Hannes Ventzke aus Schwerin, der als Schiedsrichter auf Landesebene unterwegs ist.

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Rezepte gegen den Drop-Out

Auch mit Geld lässt sich nicht für die Schiedsrichterei werben. Beim Niedersächsischen Fußballverband beispielsweise gibt es 17 Euro Spesen für die Leitung eines Spiels von der 1. Kreisklasse abwärts (Assistenten 15 Euro), in der Kreisliga steigt dieser Betrag auf 20 Euro. Pro Kilometer An- und Abfahrt kommt eine Pauschale von 30 Cent dazu.

Lässt sich etwas tun gegen das Ausscheiden von jungen Schiedsrichtern? Ex-Zweitliga-Referee Byernetzki ist davon überzeugt. Entscheidend sei, dass die jungen Aktiven in ihrem Verein gut betreut werden. „Darum haben wir ein sehr ausgeprägtes Obleutesystem.“ Jeder Klub muss einen Verantwortlichen stellen, der sich um Schiedsrichterfragen kümmert. Und bestenfalls werden Anfänger von Paten betreut, die sie zu den ersten Einsätzen begleiten. „Wo das Patensystem gut läuft, sind die Zahlen stabil“, sagt Byernetzki. In keinem anderen Landesverband ist die Schiedsrichter-Abdeckung so gut wie bei ihm in Hamburg.

Carsten Byernetzki (Mitte) war früher als Schiedsrichter in der 2. Liga im Einsatz, hier im Jahr 1996 beim Spiel Hannover 96 gegen VfB Leipzig im Niedersachsenstadion.
Carsten Byernetzki (Mitte) war früher als Schiedsrichter in der 2. Liga im Einsatz, hier im Jahr 1996 beim Spiel Hannover 96 gegen VfB Leipzig im Niedersachsenstadion. © imago/Rust
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Auch anderswo setzen Vereine und Verbände auf Patenschaften. Offenbar überall mit guten Erfahrungen. Und manche Vereine gehen sogar noch einen Schritt weiter.

Verträge mit den Schiedsrichtern

Etwa die SG Olympia 1848 in Leipzig. Mit 15 Unparteiischen hat der Klub mehr als doppelt so viele wie vorgeschrieben, wird immer wieder als Vorbild genannt. Dabei ist es keine acht Jahre her, dass es als Strafe Punktabzüge für die erste Mannschaft gab, weil Referees fehlten. Damals übernahm Axel Felsmann den Posten des Schiedsrichter-Obmanns. Auch sein Erfolgsrezept heißt: intensive Betreuung.

Der Verein schließt mit den Unparteiischen Verträge ab. Erfüllt der Schiedsrichter seinen Teil, bekommt er ein Budget für seine Ausstattung und am Saisonende einen Bonus von 50 Euro. Muss der Verein Strafen zahlen, weil der Referee ein Spiel versäumt, wird das abgezogen. Es geht dabei nicht um viel Geld, aber die Vereinbarung schafft Verbindlichkeit und Respekt.

GABFAF begleitet Alex Felsmann beim Stadtliga-Einsatz:

Axel Felsmann, Michael Kössler, Dominic Menzer und Oliver Metz (von links) begehen vor der Stadtliga-Partie SV Tapfer gegen SG Rotation II das Spielfeld. Zur Galerie
Axel Felsmann, Michael Kössler, Dominic Menzer und Oliver Metz (von links) begehen vor der Stadtliga-Partie SV Tapfer gegen SG Rotation II das Spielfeld. ©

Vertrauensperson ist wichtig

Felsmann verspricht: „Bei uns geht niemand unvorbereitet in einen Lehrgang.“ Manchen Bewerber habe er nach dem Erstgespräch zwar nicht wiedergesehen, „aber das ist dann auch für alle besser so“. Die Abbrecherquote ist bei der SG gering. „Viele Vereine unterschätzen, wie wichtig es ist, eine Vertrauensperson als Ansprechpartner zu haben“, sagt Felsmann.

Schiedsrichter Hannes Ventzke hatte in der Partie über viele knifflige Szenen zu entscheiden.
Auch, wenn es manchmal Ärger gibt: Schiedsrichter Hannes Ventzke aus Schwerin schwärmt von seinem Hobby. © Johannes Weber

Die Schiedsrichter, die dabei bleiben, schwärmen dann auch in der Regel von ihrem Hobby. Sich durchsetzen, Entscheidungen treffen, mit schwierigen Menschen umgehen – alles Dinge, die man auf dem Platz lernen kann. „Das hilft auch bei Bewerbungsgesprächen“, sagt Ventzke.

Etwas mehr Respekt darf es trotzdem gern sein. Es muss ja nicht nach jedem Pfiff Ärger geben.

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Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF

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