26. Oktober 2020 / 19:04 Uhr

Gabriel Müller blendet Beleidigungen aus

Gabriel Müller blendet Beleidigungen aus

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Gabriel Müller
Gabriel Müller hat im Bückeburger Landesliga-Derby zwischen dem VfL und dem VfR Evesen viel Arbeit. Auch Nils Rinne (rechts) hat eine Frage. © Uwe Kläfker
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Der Algesdorfer Schiedsrichter Gabriel Müller leitet mit seinen Brüdern das Landesliga-Derby zwischen dem VfL Bückeburg und dem VfR Evesen. Die Bückeburger fordern zumindest einen Strafstoß. Warum es keinen gegeben hat, erklärt Müller im Interview.

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Das Landesliga-Derby zwischen dem VfL Bückeburg und dem VfR Evesen hat den Schaumburger Fußball elektrisiert. Mittendrin war Schiedsrichter Gabriel Müller (22) vom TSV Algesdorf, der sich Kritik gefallen lassen musste – in erster Linie vom VfL Bückeburg, der vergeblich zwei Strafstöße forderte. Wir haben uns mit stellvertretenden Lehrwart über das Spiel unterhalten.

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Herr Müller, war das Derby ein besonderes Spiel?

Ja, in jedem Fall. Die Ansetzung kam relativ kurzfristig. Ich war dann extra bemüht, mit meinen Brüdern Moses und Noah ein Gespann zusammenzukriegen. Das war auf jeden Fall eines der Spiele, auf die man sich vorher freut – und dann auch konzentriert.

Macht Sie das stolz, so ein Spiel mit den Brüdern zu leiten?

Ja. Aber Noah, Moses und ich hatten schon öfter das Glück, besondere Spiele, wenn auch nicht von dem Kaliber, zusammen leiten zu dürfen. Aber es ging mehr darum, das Gespann zu haben, mit dem ich mich am wohlsten fühle. Es ist ein schöner Nebeneffekt, das Spiel mit den Brüdern anschließend, auch kritisch, zu besprechen.

War es ein schwer zu leitendes Spiel?

Durch die Aufmerksamkeit war der Druck einfach da. Dem wollten wir in ersten Linie gerecht werden. Es wurde schwer, weil im Verlauf jede einzelne Entscheidung entscheidend gemacht wurde. Durch zwei Strafraumszenen, mit denen die Bückeburger nicht einverstanden waren, wurde es zunehmend schwerer. Ich habe gespürt, dass es um sehr viel geht. Wir hatten aber auch jederzeit das Gefühl, die wichtigen Entscheidungen korrekt getroffen zu haben. Dadurch konnten wir relativ sicher und selbstbewusst mit der Kritik umgehen.

Würden Sie die Entscheidungen erneut so treffen?

Ich würde es zu hundert Prozent wieder so machen – von dem, was ich auf dem Spielfeld wahrgenommen habe. Das ist die eine Sicht. Die andere: Hat einem vielleicht ein Stück Wahrnehmung gefehlt? Hätte man anders stehen können, um mehr zu sehen? Es gibt relativ viele Videoszenen vom Spiel. Von dem, was ich bisher gesehen habe, würde ich sagen, dass wir richtig lagen. Ich habe mir allerdings noch nicht das ganze Spiel angeschaut.

Es wurde im Spielverlauf immer lauter, auch von außerhalb des Spielfeldes. Nehmen Sie die Rufe und Beleidigungen wahr?

Man hat extrem gespürt, vor welcher Tribünenhälfte man sich gerade befindet, weil es von jeder Partei eine Fankurve gab. Beide Seiten hatten ihre Brillen auf, was dazugehört. Ich als Schiedsrichter habe das nicht wahrgenommen. Mein Bruder Moses, der als Assistent vor der Tribüne eingeteilt war, schon eher. Wir haben aber vorher darüber gesprochen, dass wir unsere Entscheidungen nicht auf das anpassen, was wir hören, sondern das entscheiden, was wir wahrnehmen. Es ist dann schade, wenn Beleidigungen kommen, aber wir versuchen, das auszublenden.

Also einen Haken dran?

Ich hatte nach dem Spiel noch ein Gespräch mit Alexander Bremer, der der Meinung war, dass ich mindestens einen Strafstoß pfeifen muss. Ich habe ihm gesagt, dass ich mir das – wie er auch – im Video anschauen werde. Ich hatte den Eindruck, dass er überrascht war, nicht einfach weggeschickt worden zu sein. Wenn es ein Strafstoß war, dann ist das natürlich scheiße. So selbstkritisch muss man sein, den Anspruch haben wir. Ich hoffe aber, dass man unsere Entscheidungen vertreten kann und dass Alexander Bremer das nach Videostudium auch so sieht. Wenn man trotz Frust sagen kann: Das Spiel wurde nicht vom Schiedsrichter entschieden, sondern von den Spielern auf dem Platz.