19. Mai 2020 / 11:53 Uhr

Disziplin geht vor Emotion: "Renntage gibt es erst wieder mit Programm und Publikum"

Disziplin geht vor Emotion: "Renntage gibt es erst wieder mit Programm und Publikum"

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auch am Donnerstag geht es auf der Neuen Bult ohne Publikum zur Sache.
Auch am Donnerstag geht es auf der Neuen Bult ohne Publikum zur Sache. © Florian Petrow
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Am Donnerstag geht es auf der Neuen Bult mit zwölf Rennen weiter, von echten Renntagen sind die Galopper aber noch weit entfernt. Natürlich wünschen sich die Trainer Galoppsport mit Emotionen vor Publikum, Dominik Moser weiß aber auch: "All dies darf natürlich niemanden gefährden."

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Die Ta­ges­ord­nung auf der Neuen Bult wird auch am Donnerstag von Stille und vom Mundschutz geprägt sein. Zwölf Galopprennen stehen von 13 Uhr auf der Bahn in Langenhagen an, die Veranstaltung läuft unter dem Titel Zucht- und Leistungsprüfungen.

140 Personen, alle mit Mundschutz

„Renntage gibt es erst wieder mit Programm und Publikum“, heißt die Devise von Gregor Baum, dem Präsidenten des Hannoverschen Rennvereins (HRV). Beide Elemente fehlen wegen der Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften, 140 Personen werden sich auf dem Rennbahngelände einfinden, alle mit Mundschutz. Besitzer, Zuschauer und Wet­t-Liebhaber bleiben vor der Tür.

Die Umstände seien ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, gibt Do­mi­nik Moser zu, der knapp 50 Galopper auf dem Lan­gen­ha­ge­ner Trainingsgelände vorbereitet: „Natürlich wäre es schöner und stimmungsvoller, wenn die Pferde wieder vor Publikum laufen könnten. Auch der Ga­lopp­sport lebt von Emotionen, dazu gehören natürlich auch die Besitzer, die mitfiebern und hinterher die Siege feiern.“

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Moser nimmt daher die Bemerkung von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, dass beim Profifußball in der neuen Saison auch wieder Fanbesuche in den Stadien möglich wären, auch als Fingerzeig für die eigene Betätigung. „Der Ministerpräsident ist ein kluger Mann und weiß, worauf es im Sport ankommt“, sagt Moser. Er betont aber im selben Atemzug: „All dies darf natürlich niemanden gefährden. Die Gesundheit geht über alles.“

"Herrschte große Unsicherheit in der Branche"

Moser freut sich daher zu­nächst, dass überhaupt wieder Rennen möglich sind. „Während der Saisonunterbrechung herrschte doch eine große Unsicherheit in der Branche“, sagt er. Das habe nicht nur die Besitzer betroffen, die monatlich 1500 bis 1800 Euro für Un­ter­brin­gung, Verpflegung und Training eines Galoppers aufwenden, aber durch fehlende Rennen kein Preisgeld gewinnen.

Trainer, Jockeys und Angestellte der Rennställe und Gestüte haben vor dem Neustart am 7. Mai teilweise um ihre Existenz ge­bangt. „Es ist daher gut, dass die Wiederaufnahme so gut und so diszipliniert geklappt hat“, sagt der Neue-Bult-Trainer. Übrigens auch in sportlicher Hinsicht – Moser verbuchte vier Platzierungen. „Wir sind im Training noch etwas zurück“, sagt der Trainer. Es sollte bei der Klasse der von ihm vorbereiteten Pferde nur eine Frage der Zeit sein, wann der erste Saisonsieg zu feiern ist.

Bilder zum ersten Geisterrenntag auf der Neuen Bult:

Der Renntag auf der Neuen Bult fand ohne Zuschauer statt. Zur Galerie
Der Renntag auf der Neuen Bult fand ohne Zuschauer statt. ©

Am Himmelfahrtstag richtet sich Mosers Blick auf seine Dreijährigen Amabilis, Chilly Filly und Narcos, die in den ersten beiden Rennen laufen: „Mal schauen, wie sie sich behaupten.“ Im zweiten Rennen zeigt sich auch der Hengst Legendary, eines von zwei bei Mo­ser trainierten Pferden, die eine Nennung für das Deutsche Derby haben. Dieses soll am 12. Juli in Hamburg ebenfalls ohne Publikum ausgetragen werden, eine andere Lösung lässt das bis zum 31. August geltende bundesweite Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern nicht zu.

„Es ist ausgesprochen wichtig, dass diese Zuchtrennen gelaufen werden“, sagt Mo­ser. Nicht nur für die Einstufung des aktuellen Jahrgangs, sondern auch ihrer Mütter, die in den Gestüten stehen: „Und niemand weiß, ob ein späterer Termin mit Zuschauern möglich ist.“