28. Mai 2021 / 08:54 Uhr

Gänsehaut auch bei den Gästen: So emotional lief die Fan-Rückkehr beim SC DHfK Leipzig

Gänsehaut auch bei den Gästen: So emotional lief die Fan-Rückkehr beim SC DHfK Leipzig

Tilman Kortenhaus und Nico Schmook
Leipziger Volkszeitung
Endlich wieder echte Menschen! Beim SC DHfK Leipzig sind die Fans zurück.
Endlich wieder echte Menschen! Beim SC DHfK Leipzig sind die Fans zurück. © Christian Modla
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Monatelang mussten Fans, Spieler und Verantwortliche auf diesen Moment warten. Am Donnerstagabend war es soweit: Der SC DHfK Leipzig empfing den THW Kiel, 1000 Fans durften live dabei sein. Dass die Gastgeber die Partie verloren, spielte am Ende (fast) keine Rolle. Zu groß war die beiderseitige Wiedersehensfreude.

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Leipzig. Die Zuschauerränge der Arena Leipzig waren am Donnerstagabend in grün und weiß getaucht. Trommler heizten die Handball-Fans mit rhythmischen Schlägen an, Klatschpappen, Sprechchöre und Wechselgesänge schallten durch die Halle. Dinge, die zum Besuch eines Handballspiels einfach dazugehören - normalerweise. Monatelang war all das nicht möglich. Die Kommandos der Trainer und die dumpfen Schläge der wenigen zugelassenen Trommler waren die einzigen Klänge in einer unangenehmen Stille. Doch nach über sieben Monaten des Wartens war all das wieder da. Und mit den schallenden Klängen 1000 Fans des SC DHfK.

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Ministerin Köpping: "Großes Kompliment"

Und wie sie da waren. Schon eine Stunde vor Anpfiff des Top-Spiels gegen Rekordmeister THW Kiel war die Stimmung euphorisch. Mit jeder Minute, die der Anpfiff näher rückte, wurde die Atmosphäre besser, die Fans lauter. Der monatelange gegenseitige Entzug ließ Profis wie Anhänger mit Gänsehaut dem Start der Partie entgegenfiebern. Es war förmlich zu spüren, was sich über Monate angestaut hatte. „Das kann man gar nicht in Worte fassen, wie glücklich wir sind, wieder hier sein zu dürfen. Es hat uns sehr gefehlt“, sagte Rosi Gaubisch begeistert. Und sprach damit wohl auch für die 999 weiteren Fans, die gemeinsam ihr geliebtes Team bejubelten.

DURCKLICKEN: Bilder zur DHfK-Niederlage gegen Kiel

Die DHfK-Fans feierten die Handballer trotz der Niederlage gegen Kiel. Zur Galerie
Die DHfK-Fans feierten die Handballer trotz der Niederlage gegen Kiel. © Christian Modla

Dass sie den Arena-Besuch auch DHfK-Manager Karsten Günther und seiner viralen Brandrede zu verdanken hatten, war allen klar. Jede Aussage des Geschäftsführers im Vor- und Halbzeitgespräch mit Arena-Sprecher Sascha Röser wurde beklatscht. „Man merkt, dass sich der Verein sehr für seine Fans einsetzt und dass wir ihm am Herzen liegen. Ich bin dankbar und happy, heute hier sein zu können“, machte Anhängerin Marion Jasper deutlich. Und auch für Günther war es ein ganz besonderer Abend. „Es hat richtig Spaß gemacht heute und alles hat reibungslos funktioniert. Vom Testen, über Sitzplätze und Masken, die jeder getragen hat“, freute sich der Geschäftsführer und lobte die Fans für das konsequente Einhalten der „Spielregeln“. Unter ihnen auch die sächsische Gesundheits- und Sozialministerin Petra Köpping, die sich das Modellprojekt aus nächster Nähe angucken wollte. „Großes Kompliment, es funktioniert alles fantastisch", so ihr Urteil.



Weber: "Das hat uns echt extrem gefehlt"

„Auch wenn wir die Auswärtsmannschaft waren, haben wir uns gefreut, dass wir wieder vor vielen Zuschauern spielen durften. Ich hoffe, dass wir das bei uns in Kiel auch bald wieder haben dürfen. Ich freue mich, dass der Handball lebt und wir wieder ein Stück weit Normalität haben“, kommentierte THW-Abwehr-Ass und Nationalspieler Hendrik Pekeler. Dass weiterhin die Pandemie das Geschehen bestimmt, konnte trotz der Euphorie nicht in Vergessenheit geraten. Über das Hallen-Mikrofon appellierte Sascha Röser vor dem Anwurf an die Fans: „Sollte der Ball ins Publikum fliegen, darf er auf keinen Fall angefasst werden.“ Der eigentlich unwahrscheinliche Fall trat ein, der Appell fand Gehör und so wurde der Ball ganz nach Hygienevorschrift und etwas kurios mit dem Fuß von den Zuschauerrängen zurück Richtung Platte bugsiert.

Peter Leopold, der als Mitglied des Fanclubs Feuerball L.E. zusammen mit seinen Kollegen an den Trommeln stand, war wohl einer der Hauptverantwortlichen für die gute Atmosphäre. „Wir freuen uns, dass endlich wieder so viele Zuschauer da sind. Da bekommt man schon mal Gänsehaut. Und endlich können die Feuerbälle für Unterstützung sorgen“, war Leopold begeistert. Unterstützung, die auch die DHfK-Profis zu schätzen wussten. „Es war auf jeden Fall ein schönes Gefühl, hier wieder einzulaufen und die Leute hinter uns zu haben. Das hat uns echt extrem gefehlt“, so Rückraumspieler Philipp Weber.

Jicha: "Das waren große Emotionen"

Mit auf den Rängen stand auch Gabi Wunderlich. Seit ihrer Kindheit ist sie DHfK-Fan, wie lange genau, kann sie gar nicht richtig sagen. Was sie aber weiß: Sie hat lange auf diesen Tag hingefiebert, hatte alle Spiele von der Couch aus verfolgt. Nun war sie endlich zurück in ihrem zweiten Wohnzimmer. „Was ein bisschen fehlt, sind die Wiederholungen“, scherzte sie. „Ansonsten ist es toll, so einen guten Handball live zu sehen. Wenn jetzt noch die Schiedsrichter mitmachen würden“, fügte sie schmunzelnd hinzu. Ein Pfeifkonzert nach dem Nächsten mussten die Unparteiischen im ersten Durchgang ertragen. Auch das können 1000 Fans bewirken.

Dass Fans in der Arena dabei sein durften, ist Teil eines Modellprojektes. Regeln gab es deshalb reichlich.
Dass Fans in der Arena dabei sein durften, ist Teil eines Modellprojektes. Regeln gab es deshalb reichlich. © Christian Modla

Die letztliche 26:33-Niederlage ihrer Grün-Weißen rückte für die Fans letztlich in den Hintergrund. Statt dessen wurde das Wiedersehen gefeiert. Die DHfK-Truppe bedankte sich bei ihren Anhängern und selbst die Kieler Profis applaudierten den Stimmungsmachern. Auch Gäste-Coach Filip Jicha wurde emotional: „Ich möchte Leipzig gratulieren, dass sie wieder Handball vor Zuschauer spielen dürfen. Ich habe mich sehr gefreut und hatte Gänsehaut, als ich die Jungs von Leipzig einlaufen gesehen habe. Das waren große Emotionen.“ Für Trainer, Spieler und Zuschauer wurde am Donnerstag ein kleiner Traum wahr. Ein Traum, der bald wieder Normalität sein könnte.