17. Oktober 2021 / 08:00 Uhr

Gastbeitrag von Reiner Calmund zum Topspiel Leverkusen gegen FC Bayern: Hoffen auf den "Fußballgott"

Gastbeitrag von Reiner Calmund zum Topspiel Leverkusen gegen FC Bayern: Hoffen auf den "Fußballgott"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Manager Reiner Calmund hofft auf einen Leverkusen-Sieg gegen den FC Bayern.
Ex-Manager Reiner Calmund hofft auf einen Leverkusen-Sieg gegen den FC Bayern. © IMAGO/RHR-Foto/Die Videomanufaktur/Montage
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Als Manager und Geschäftsführer prägte Reiner Calmund bei Bayer Leverkusen von den späten 80er-Jahren bis 2004 eine Ära. Noch heute ist der 72-Jährige der Werkself tief verbunden. Vor dem Bundesliga-Topspiel zwischen dem Tabellenzweiten aus Leverkusen und Tabellenführer FC Bayern München hat Calmund exklusiv für den SPORTBUZZER einen Gastbeitrag verfasst. Er wünscht sich einen Bayer-Sieg und hofft auf Unterstützung vom Fußballgott.

Beim Bundesliga-Spitzenspiel am Sonntag (15.30 Uhr, DAZN) wünsche ich mir genau wie viele andere Fans einen Sieg von Bayer 04 über den Rekordmeister Bayern München. Trotz allem Respekt vor den Leistungen und Erfolgen der Bayern würde dem deutschen Fußball ein neuer Meister sehr guttun. Egal ob Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Bayer Leverkusen, ein neuer Vereinsschriftzug auf der Meisterschale wäre auch für die neutralen Fans ein gutes Signal.

Aktuell belegen beide Teams punktgleich die Tabellenspitze. Leverkusen kann bis auf seine langzeitverletzten Innenverteidiger Edmond Tapsoba und Timothy Fosu-Mensa, die erst in dieser Woche wieder mit dem Mannschaftstraining beginnen konnten, sowie den beiden mental starken Defensivakteuren Robert Andrich (noch ein Spiel gesperrt) und Julian Baumgartlinger (im Aufbautraining) weitgehend alle Asse aufbieten. Der clevere und gut gestartete neue Bayer-04-Coach Gerardo Seoane wird sicher die zuletzt erfolgreiche Elf ins Rennen schicken, unklar ist, wer neben Patrik Schick (sechs Tore/zwei Assists), Moussa Diaby (4/1) und Florian Wirtz (4/5) der Vierte in der Offensive ist. Mit Adli, Paulinho und Bellarabi stehen gute Kandidaten zur Verfügung. Die Bayern haben bis auf den gesperrten Weltmeister Benjamin Pavard alle Stars an Bord.

Wenn es einen Fußballgott gibt, müsste der Bayer 04 ordentlich die Daumen drücken

Bayer Leverkusen hat zuletzt für Furore gesorgt. 4:0 in Bielefeld, 4:0 bei Celtic Glasgow, 1:0 gegen Mainz, 3:1 in Stuttgart. Die Mannschaft spielt schnell und attraktiv. Dennoch sind Spiele gegen Glasgow oder Bielefeld nicht mit Duellen gegen München zu vergleichen. Die Bayern verkörpern Weltklasse. Das Team um den jungen Erfolgscoach Julian Nagelsmann hat mit Neuer, Pavard, Süle, Upamecano, Hernandez, Davies, Kimmich, Goretzka, Sabitzer, Musiala, Sane, Coman, Gnabry, Lewandowski, Thomas Müller und Co. einen Transferwert von 840 Millionen Euro. Dahinter rangiert Dortmund mit rund 600 Mio., Leipzig mit 500 Mio. und Leverkusen mit 380 Mio. in der Transferwerttabelle. Aber: In einem Spiel ist immer alles möglich.

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Wenn es einen Fußballgott gibt, müsste der Bayer 04 ordentlich die Daumen drücken. Ich habe mal in meiner Erinnerung gestöbert in den Zeiten, als die Werkself mit tollem Offensivfußball ihre Anhänger verzauberte – auch ohne Titel: 1996 Klassenerhalt durch Markus Münch beim dramatischen 1:1 gegen den 1.FCK in der 82. Minute. Ein Jahr später, 1997, Vizemeister, zwei Punkte hinter den Bayern, weil wir das vorletzte Spiel in Köln 0:4 verloren. 1999 wieder Vizemeister hinter den Münchnern, ebenso wie 2000, als wir durch das Torverhältnis Zweiter wurden, Stichwort: Unterhaching.

Wieder zwei Jahre später mit Klaus Toppmöller als Trainer gleich drei Vizetitel: In der Liga ein Punkt hinter dem BVB, im DFB-Pokalfinale gegen Schalke verloren und im Endspiel um die Champions League diese dramatische und unglückliche 1:2-Niederlage gegen Real Madrid. Vorher hatten wir Teams wie Roter Stern Belgrad, Olympique Lyon, FC Barcelona, Fenerbahçe Istanbul, Juventus Turin, FC Liverpool und Manchester United ausgeschaltet.

Ein Europapokalsieg ist für Bayer realistischer als ein Meistertitel

Zurück zur Aktualität. Wir waren damals enger dran, heute sind die Bayern deutlich enteilt. Das hat nichts mit mir und meinem damaligen Kollegen zu tun. Bei der wirtschaftlichen Übermacht und dem Kader, den die Bayern heute haben, hätten wir die gleichen Schwierigkeiten gehabt. Bayern ist Weltklasse in kurzen und in langen Hosen. Das ist einmalig, und für mich ist München mit der Wirtschafts-, Vereins- und Finanzpolitik der beste Verein der Welt. Es gibt noch ein paar andere, die das ordentlich machen, dazu gehört aktuell auch Bayer 04, aber Bayern München ist das Maß aller Dinge.


Für Leverkusen ist eine Qualifikation für die Champions League immer etwas Besonderes, ein Europa-League-Platz ist Pflicht. Ich hoffe, dass Bayer am Sonntag gewinnt. Aber bei der Besetzung der Bayern sehe ich die Chance nur bei maximal 40 Prozent. Die Titelchance liegt nur bei 10 Prozent. Ein Europapokalsieg ist für Bayer realistischer als ein Meistertitel.