09. September 2021 / 16:07 Uhr

Gastspiel bei Hansa Rostock: Für Schuhen kein normales Programm

Gastspiel bei Hansa Rostock: Für Schuhen kein normales Programm

Christian Lüsch
Ostsee-Zeitung
Beim 4:0-Heimspieg gegen Hannover 96 parierte Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen den Elfmeter von Florent Muslija.
Beim 4:0-Heimspieg gegen Hannover 96 parierte Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen den Elfmeter von Florent Muslija. © Thomas Frey/dpa
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Der Ex-Rostocker kommt am Sonntag mit dem SV Darmstadt 98 ins Ostseestadion. Er freut sich auf die Begegnung und das Wiedersehen mit den Fans. Der Torhüter, der zweieinhalb Jahre für den FC Hansa Rostock spielte, bringt seine Frau und seinen Sohn mit. Der wird am Sonntag ein Jahr alt.

Sonntag sind Sie mit Ihrer Mannschaft zu Gast in Rostock. Normales Profi-Programm für Sie?

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Ganz sicher nicht. Unsere Vorbereitung auf das Spiel läuft zwar wie immer. Aber ich freue mich besonders darauf, wieder mal im Ostseestadion zu spielen. Ich werde Freunde, Bekannte und die Hansa-Fans wiedersehen. Das ist etwas Besonderes. Ich erinnere mich an die positive Verrücktheit, die Leidenschaft in Rostock – für mich ist das Hansas größtes Merkmal.

Für Ihren SV Darmstadt läuft es seit Wochen gut: 6:1 gegen Ingolstadt, 2:2 beim Hamburger SV, Hannover mit 4:0 bezwungen. Verraten Sie Ihr Erfolgsrezept: Was macht Sie so gefährlich und erfolgreich?

Wir hatten einen schwierigen Saisonstart, weil mehrere Spieler – darunter ich selbst – in Quarantäne mussten. Dieser Umstand hat uns als Mannschaft zusammengeschweißt. Anstatt zu jammern haben wir versucht, aus dieser Zeit Kraft zu ziehen. Im Pokalspiel gegen 1860 München war zu spüren, dass eine neue Dynamik da war. Trotz des Ausscheidens sind wir dann gut in die Zweitliga-Saison reingekommen. Ich glaube, wir haben uns gefunden. Unser Rezept: mannschaftliche Geschlossenheit.

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Beim Sieg gegen Hannover haben Sie einen Elfmeter gehalten. Setzt das zusätzliche Energie frei?

Einen Elfmeter zu halten, ist immer etwas Beflügelndes. Mir hat aber die komplette Partie erneut das Gefühl gegeben, dass wir in der Saison angekommen sind. Wir haben gegen Hannover ein Riesenspiel hingelegt. Die Jungs haben vorne alles kurz und klein geschossen. Das hat einfach Spaß gemacht.


Welches Saisonziel hat sich Ihre Mannschaft gesteckt?

Der FC Hansa und seine Torhüter - eine lange Geschichte seit 2000:

Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. Zur Galerie
Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. ©

Keinen konkreten Tabellenplatz. Wir haben mit Torsten Lieberknecht einen neuen Trainer. Wir arbeiten konzentriert und versuchen, unsere Punkte zu holen. Wir wissen, wie ausgeglichen die Liga besetzt ist und dass große ambitionierte Vereine oben angreifen wollen.

Sie sind als zielstrebiger und ehrgeiziger Torhüter bekannt. Bleibt für Sie die 1. Liga ein Ziel?

Das ist definitiv mein Ziel, jeder Profisportler strebt nach dem höchsten Level. Aber ich habe nur auf meine eigene Leistung Einfluss, versuche so gut zu sein, wie es geht. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.

Sie sind 28 – da scheint das Karriereende noch weit weg. Haben Sie dennoch eine Idee für die Zukunft?

Ich baue mir ein zweites Standbein auf. Ich habe während meiner Zeit bei Hansa im Jahr 2017 an der Fachhochschule Wismar mit einem BWL-Studium angefangen. Ich bin jetzt im neunten Semester. Wenn Hansa in der Rückrunde nach Darmstadt kommt, sollte ich meinen Abschluss in der Tasche haben.

Haben Sie Hansas Weg in der 3. Liga verfolgt, und wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit?

(lacht) Ich war froh, dass ich im Sommer nach Hansas Aufstieg mein Magenta Sport-Abo kündigen konnte. Ich habe mir in der Vergangenheit häufiger Spiele angeschaut. Für einen Aufsteiger ist es immer schwierig, sich in der neuen Liga zurechtzufinden. Der Sieg in Hannover war schon etwas Besonderes. Als Neuling musst du ruhig bleiben, wenn du ein oder zwei Spiele verlierst. Ich glaube, dass der Verein auf einem guten Weg ist.

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Wer sind Ihre Aufstiegsfavoriten?

Meine Aufstiegsfavoriten stehen im Moment nicht an der Tabellenspitze. Es gibt viele Klubs, denen das zuzutrauen ist.

Und die Abstiegskandidaten?

Die sind auch schwer vorherzusagen. Auch wenn es abgedroschen klingt: ich schaue mir das von Spiel zu Spiel an und bleibe gespannt.

Glauben Sie, dass es ein Rezept für Aufsteiger gibt, um den Abstieg zu vermeiden?

Als Aufsteiger musst du schon etwas in der Kaderstruktur verändern – das hat Hansa gemacht. Dennoch wirken sie wie ein Team, das gut zusammenpasst. Du brauchst Kompaktheit, individuelle Klasse, große Geschlossenheit – und ganz viel Geduld. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in den vergangenen Jahren viele Aufsteiger den Klassenerhalt schon nach 25 Spieltagen perfekt gemacht hätten.

Sie wirken ausgeglichen und entspannt …

Vielen Dank. Dass liegt vielleicht auch daran, dass ich vor einem Jahr Vater geworden bin. Ich glaube, das ist neben dem Fußball die schönste Sache der Welt. Meine Frau und unser Sohn machen gerade an der Ostsee ein paar Tage Urlaub. Sie werden beide im Ostseestadion sein. Oscar feiert am Sonntag seinen ersten Geburtstag.