30. Juli 2022 / 13:50 Uhr

Geballte Weltklasse: Auf diese Spielerinnen kommt es im EM-Finale zwischen Deutschland und England an

Geballte Weltklasse: Auf diese Spielerinnen kommt es im EM-Finale zwischen Deutschland und England an

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sie sind die Stützen ihrer Mannschaft: Merle Frohms (links) und Mary Earps (rechts) haben bei der EM bisher jeweils nur einen Gegentreffer zugelassen.
Sie sind die Stützen ihrer Mannschaft: Merle Frohms (links) und Mary Earps (rechts) haben bei der EM bisher jeweils nur einen Gegentreffer zugelassen. © IMAGO/Beautiful Sports, Sportimage, Offside Sports Photography (Montage)
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Im EM-Finale zwischen Deutschland und England steht nicht zuletzt das Duell der Torhüterinnen Merle Frohms und Mary Earps unter besonderer Beobachtung. Beide kassierten bisher jeweils nur einen Gegentreffer. Aber auch die anderen Mannschaftsteile sind bei beiden Teams hochkarätig besetzt. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

Es gibt solche Momente, die eine Karriere verändern können. In die eine oder andere Richtung. Merle Frohms, eine der erfreulichsten Entdeckungen aus deutscher Sicht bei dieser Europameisterschaft der Fußballerinnen, erzählt gern, dass sie sich die Sequenz vom 9. November 2019 schon unzählige Male angeschaut hat. England gegen Deutschland, fast 78.000 Menschen waren zu Spottpreisen zu diesem Freundschaftsspiel gelockt worden, als die anstelle der verletzten Almuth Schult zur Nummer eins ernannte Frohms einen Elfmeter verschuldete. Nikita Parris lief an – und Frohms parierte. Ein Aufstöhnen auf den Rängen. Als Klara Bühl in letzter Minute den 2:1-Siegtreffer erzielte, war es mucksmäuschenstill. Für Frohms war die Großtat auf dem heiligen Rasen ein Startschuss.

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"Daran erinnere ich mich gern", sagte die 27-Jährige vor dem Finale England gegen Deutschland (18.00 Uhr MESZ/ARD und DAZN [Anzeige]). Sie ist eine der tüchtigsten Torhüterinnen des Turniers. Aber auch Gegenüber Mary Earps hat erst einen Gegentreffer zugelassen. Mit aufgeblasenen Backen hat sie sich oft auf den Boden plumpsen lassen, aber auch waghalsige Paraden gezeigt. Dass sie nicht immer die Trainingsfleißigste war und einige Kilo zu viel mit sich herumtrug, ist aus ihrer Zeit beim VfL Wolfsburg bekannt. Dort war sie 2018/2019 Ersatztorhüterin hinter Almuth Schult. Genau wie Frohms viele Spielzeiten. Earps hat sich mal wenig lobend über ihre Zeit in Deutschland geäußert. "Ich habe gelernt, zu widersprechen und Nein zu sagen." Sie floh schnell wieder aus der Autostadt. Beim EM-Tri­umph würde die 29-Jährige wohl wie ein Flummi bis zum Himmel hüpfen.

Lucy Bronze auf absolutem Toplevel

Auch auf dem Feld finden sich Schnittmengen zwischen den beiden Finalisten. Etwa hinten rechts. Gibt es gerade bessere Rechtsverteidigerinnen als Giulia Gwinn und Lucy Bronze? Die Deutsche, beste Nachwuchsspielerin der WM 2019, und die Engländerin, Weltfußballerin 2020, interpretieren ihre Rolle so modern wie möglich. Man muss aber so ehrlich sein, dass die 30-jährige Bronze, sieben Jahre älter als Gwinn, das absolute Toplevel darstellt. Der Sunday Telegraph hat über die Tochter eines Portugiesen und einer Engländerin zuletzt geschrieben: "In jedem Löwenrudel gibt es eine Löwin, die stärker als die anderen ist. Sie ist die stärkste Killerin." Das beschreibt martialisch ih­ren enormen Einfluss.

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Neben Bronze kommt auch Millie Bright sehr breitschultrig daher. Sie hält mit gutem Stellungsspiel und umsichtigem Aufbauspiel das Team zusammen. Eigentlich hatte die 28-Jährige mal von einer Karriere als Springreiterin geträumt – jetzt ist sie heimliche Chefin der "Lionesses". Eine ähnliche Rolle spielt auch Marina Hegering, die nur im Viertelfinale gegen Frankreich (2:1) erste Unsicherheiten verriet. Ansonsten ist ihre Spielweise der von Bright gar nicht unähnlich. Sollte die 32-Jäh­ri­ge, die am Freitag nur eingeschränkt trainierte, nicht spielen können, wäre das ein Verlust.

DFB-Frauen müssen auf "Mini-Messi" aufpassen

Eine Reihe davor sind Lena Oberdorf und Fran Kirby zentrale Figuren – die eine mehr defensiv, die andere mehr offensiv. Aber wegen der identischen Ausrichtung der beiden Finalisten im 4-3-3-System verschwimmen die Rollenverteilungen speziell für das Mittelfeldtrio. Was Oberdorf mit erst 20 bei dieser EM anbietet, ist uneingeschränkte Weltklasse. Wuchtig, willensstark, widerstandsfähig. Kirby wurde vom ehemaligen Nationaltrainer Mark Sampson mal "Mini-Messi" genannt. Den finalen Pass beherrscht die 29-Jährige.

Ihre liebste Adressatin ist dabei nicht mehr Ellen White – die Rekordtorjägerin scheint mit 33 ihren Zenit überschritten zu haben –, aber dafür kommt Beth Mead groß raus. Die 27-Jährige hat mit sechs EM-Toren das gleiche Level wie Mittelstürmerin Alexandra Popp vorzuweisen. Entweder Popp oder Mead – nur eine wird am Sonntag nach dem Abpfiff jubeln.