10. Januar 2020 / 17:00 Uhr

Gebühren, Strafen, Auflagen: Peiner Vereine fühlen sich gegängelt

Gebühren, Strafen, Auflagen: Peiner Vereine fühlen sich gegängelt

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Schiri Justus Becker zeigt Gelb. Hat ein Verein nicht so viele Schiedsrichter wie Mannschaften, kostet es Strafe, die sich nach der höchst spielenden Mannschaft richtet. Spielt sie bis zur Landesliga, sind es 200 Euro pro fehlendem Schiri, bis zur Kreisliga 100 Euro.
Schiri Justus Becker zeigt Gelb. Hat ein Verein nicht so viele Schiedsrichter wie Mannschaften, kostet es Strafe, die sich nach der höchst spielenden Mannschaft richtet. Spielt sie bis zur Landesliga, sind es 200 Euro pro fehlendem Schiri, bis zur Kreisliga 100 Euro. © Büchler
Anzeige

Fünf Euro Strafe plus fünf Euro Verwaltungsgebühr, weil das Ergebnis der F-Jugend ein paar Minuten zu spät eingetragen wird: Vereinsvertreter können das nicht verstehen und ärgern sich über den Umgang mit ehrenamtlich Tätigen. Und: Was Vereine berappen müssen, ist in den Fußballkreisen unterschiedlich geregelt.

Anzeige
Anzeige

In der Champions-League guckt der vierte Schiedsrichterassistent böse, wenn der Trainer die Coaching-Zone verlässt. Die ist inzwischen auch in der Bezirksliga vorgeschrieben. Das Problem: Auf einigen Sportanlagen ist gar kein ausreichender Platz dafür. Noch größeres Problem: Warum sie in der Bezirksliga nötig sein soll, können viele nicht nachvollziehen. „Ich muss doch mal zu meinem Spieler gehen dürfen“, sagt Thomas Mainka, Trainer des TSV Wendezelle.

Auch bei anderen Dingen fragen sich Vereinsvertreter, ob Verbandsfunktionären überhaupt noch klar ist, wofür sie da sind. Statt Unterstützung für ihre ehrenamtliche Arbeit zu bekommen, fühlen sich Vorsitzende, Kassierer, Trainer, Obleute und Betreuer gegängelt. „Für jede Kleinigkeit wird eine Strafe verhängt und Verwaltungsgebühr kassiert. Wofür zahlen wir überhaupt die Verbandsabgabe?“ fragt zum Beispiel Ulrich Attermeyer, Kassierer beim VfL Woltorf. „Die Gebühr für eine Pass-Änderung ist von 20 auf 30 Euro angehoben worden – um 50 Prozent. Das dürfte sich kein Geschäftsmann erlauben. Zu Beginn meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Kassenwart war das noch kostenlos.“

„Das Verhältnis stimmt nicht“, kritisiert Kiriakos Aslanidis, Jugendkoordinator beim VfB Peine. „Es kostet uns auf Bezirksebene zehn Euro, wenn die Telefonnummer des Trainers online nicht angegeben ist. Auch wenn der seit zehn Jahren dabei und überall bekannt ist.“ Olaf Heuer, Fußball-Obmann des TSV Edemissen, sieht ebenfalls die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben, wenn es fünf Euro Strafe kostet, wenn das Ergebnis eines F- oder E-Jugendspiels eine Stunde nach Spielschluss noch nicht im Internet eingegeben ist. „Dann kommen noch fünf Euro Verwaltungsgebühr dazu. Die Trainer haben sofort nach Spielschluss doch ganz andere Aufgaben, als sich ums Internet zu kümmern.“

Überhaupt nicht verstehen kann Aslandis die Strafen für Vereine, die nicht so viele Schiedsrichter wie Mannschaften gemeldet haben. „Wir haben in den zurückliegenden zehn Jahren 10 000 Euro wegen der Nichtstellung von Schiris bezahlt. Vergangene Saison waren es 1800 Euro. Der Verein leistet Sozialarbeit, aber die Ehrenamtlichen werden bestraft. Wird das noch hochgeschraubt, können wir den Laden dicht machen.“

Eine andere Regelung empfindet er ebenfalls als Ungerechtigkeit: „Wir haben in der D-Jugend zwei Trainer, aber aufgrund der Vielzahl an Spielern drei Mannschaften gemeldet. Die beiden Trainer betreuen die dritte Mannschaft abwechselnd und zusätzlich zu ihrem sonstigen Einsatz – müssen dafür aber viele Spiele verlegen. Auch das kostet Geld. Nur drei Verlegungen sind frei. Das heißt: Für ihren Einsatz werden sie auch noch bestraft.“

Mehr regionaler Fußball

Die Peiner sind mit ihrer Kritik nicht allein. Die Initiative „Amateurvereine fordern Unterstützung“ wurde in Hannover gegründet und hat beim NFV bereits die Abschaffung der Genehmigungs-Gebühr für Trikot-Werbung erreicht. Die hatte der Kreisverband Peine schon vorher nicht mehr erhoben. Auch Hallennutzungsgebühren bei den Jugendspielen entfallen.

Bei den Strafen und Gebühren haben die Kreise meistens einen Ermessensspielraum, und entsprechend unterschiedlich fallen sie aus. „Aber da laufen Gespräche beim NFV. Die Tendenz ist, dass es eine Angleichung auf insgesamt niedrigerem Niveau geben wird“, sagt Günter Hansen, Schatzmeister des Fußball-Kreisverbandes Peine. Er stellt jedoch auch fest, dass Strafen und Gebühren nicht nur aus disziplinarischen Gründen notwendig sind. „Die Arbeit der Kreisverbände finanziert sich zum großen Teil daraus. Ohne ginge es gar nicht.“

Hansen weist auch darauf hin, dass zum Beispiel Strafen für fehlende Pässe in absehbarer Zeit entfallen – weil sie künftig elektronisch erfasst werden und nicht mehr auf Papier vorliegen müssen. Der Landesverband hat den Kreisverbänden auch Arbeit abgenommen, indem er den Strafen- und Gebühreneinzug übernommen hat und das Geld dann an die Kreisverbände überweist.

Für VfL-Kassierer Attermeyer bedeutet das zusätzliche Arbeit. „Früher gab es eine Abrechnung für den Senioren- und eine für den Juniorenbereich. Jetzt kommt alles in einer Rechnung, und ich muss für unsere Jugendspielgemeinschaft alles wieder auseinanderrechnen“, erläutert er.

Zwar wird ehrenamtliche Arbeit wortreich gepriesen, in der Praxis wird den Betreffenden aber das Leben oft schwer gemacht – nicht nur im Fußball. „Die Datenschutzrichtlinien sind eine zusätzliche Belastung, genauso wie die Forderung nach Mindestlohn für Übungsleiter in Vereinen, die vom Ehrenamt geprägt sind“, kritisiert Attermeyer. „Ein anderes Beispiel: Die Sparkasse ersetzt die bislang kostenlose Kontoführung der Vereine durch ein Modell, in dem jede Buchung einzeln berechnet wird. Das bedeutet bei 760 Buchungen pro Beitragseinzug eine enorme finanzielle Belastung, obwohl eine fertige Datei übergeben wird.“

Diese acht Mannschaften spielten in der in der Endrunde des PAZ-Cup 2020.

Arminia Vechelde Zur Galerie
Arminia Vechelde ©
Anzeige

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Peine
Sport aus aller Welt