02. April 2020 / 14:49 Uhr

Karsten Heine: Der Trainer des vereinten Berlins wird 65

Karsten Heine: Der Trainer des vereinten Berlins wird 65

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Seit Sommer 2019 als Trainer bei der VSG Altglienicke in der Verantwortung: Karsten Heine.
Seit Sommer 2019 als Trainer bei der VSG Altglienicke in der Verantwortung: Karsten Heine. © Kevin Päplow
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Regionalliga Nordost: Karsten Heine hat den Berliner Profi-Fußball in den letzten Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt - sowohl im Ost- als auch West-Teil der Stadt. Heine wirkte lange erst bei Union, dann bei Hertha. Nun wird der Trainer 65.

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Das wohl denkwürdigste Spiel in der Laufbahn von Karsten Heine war ein Freundschaftsspiel. Noch heute wird der am 6. April 65 Jahre alt werdende Fußballtrainer auf das so genannte „Wiedervereinigungsspiel“ zwischen Hertha BSC und Union Berlin angesprochen. Mehr als 50 000 Menschen kamen im Januar 1990 ins Olympiastadion - es herrschten „pure Freude und großes gegenseitiges Interesse füreinander“, erinnerte sich Heine vor dem ersten Bundesliga-Derby beider Clubs im November.

Genau dieses Derby hatte Heine nach dem „Wiedervereinigungsspiel“ fast 30 Jahre lang herbei gesehnt, immer wieder wurde der gebürtige Köpenicker in seiner Zeit als Union- oder Hertha-Trainer auf mögliche Duelle in der Bundesliga angesprochen. „Wir haben alle gemeinsam gehofft, dass beide Vereine mal in der ersten Liga aufeinander treffen“, sagte er im vorigen Jahr, nachdem Union der Aufstieg in die Bundesliga gelungen war. Auch wenn die Beziehung beider Clubs längst „sicher etwas abgekühlt“ ist, wie es Heine mit seinen charakteristisch zurückhaltenden Worten formuliert.

In Bildern: Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit 2012/13. Stand: 16. März 2020

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Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13. ©

Zu DDR-Zeiten hatte Heine mehr als 100 Oberliga-Spiele für Union und Stahl Brandenburg bestritten - seiner enormen Schussstärke zum Trotz oder wegen bekam er den schönen Spitznamen „Kuller“. Bereits kurz nach seinem Karriereende wurde der Diplomsportlehrer mit 32 Jahren Trainer in der DDR-Oberliga und hielt mit Union 1988 durch einen 3:2-Siegtreffer in der Nachspielzeit am letzten Spieltag in Karl-Marx-Stadt sensationell die Klasse. Doch ein Jahr später folgte der Abstieg und ausgerechnet in der für die Eingliederung in den gesamtdeutschen Fußball wichtigsten Saison spielte Union nicht in der Oberliga.

Heine ging in den Westen. Allerdings nicht flüchtend, sondern weil er entlassen wurde, wie er später immer wieder betonte. Er kam bei Hertha unter, zunächst als Co- und Amateur-Trainer, später auch als Cheftrainer in der 2. Bundesliga. Nach der Rückkehr zu Union, die von finanziellen Problemen und einer Beinahe-Insolvenz geprägt war, hatte Heine auch beim SV Babelsberg 03 in Potsdam kein Glück und verabschiedete sich rund um die Jahrtausendwende schon vom Trainergeschäft.

Doch 2004 kehrte er zu Hertha als U23-Trainer zurück und führte die goldene Generation des Hertha-Nachwuchses rund um die Boateng-Brüder Jerome und Kevin-Prince in den Profi-Fußball. Wobei er stets Mario Basler, den er trainieren durfte, als genialsten Fußballer beschreibt. Zwischendurch musste der loyale, ruhige Heine noch zwei Mal bei den Profis aushelfen und kam so sogar zu einem Europapokalspiel bei Sporting Lissabon.

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Noch heute schwelgt der Ostberliner Heine, der nach wie vor in Köpenick lebt, in Erinnerungen an seine Zeit beim Westclub Hertha. Vor allem an die vielen namhaften Spieler und Trainer, die er dort erlebte: Marcelinho und Alex Alves, Otto Rehhagel und Friedhelm Funkel - und natürlich all die Spieler, deren Weg er besonders beobachtete, denen er den Weg aus der Jugend zu den Profis ebnete.

Um seinen Geburtstag will Heine, der immer da war, wenn er gebraucht wurde, aber auch stets ohne zu murren wieder ins zweite Glied rückte, kein Großes Aufsehen machen. „Es gibt gerade Wichtigeres“, sagt er nur. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat auch ihn in eine Zwangspause versetzt. Heine rangiert mit der VSG Altglienicke, die er im vorigen Sommer nach einer Saison im Abstiegskampf übernommen hatte „und ein wenig nach oben“ bringen wollte, auf Platz 1 der Regionalliga Nordost.