05. Januar 2022 / 21:12 Uhr

Gedämpfte Vorfreude dank Omikron: Die Bundesliga und die Furcht vor dem Stimmungskiller Corona

Gedämpfte Vorfreude dank Omikron: Die Bundesliga und die Furcht vor dem Stimmungskiller Corona

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann bereits sich aktuell mit einem stark ausgedünnten Rumpf-Kader auf die Bundesliga-Rückrunde vor.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann bereits sich aktuell mit einem stark ausgedünnten Rumpf-Kader auf die Bundesliga-Rückrunde vor. © IMAGO/Ulrich Wagner
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Vor dem Start der Rückrunde hat die Corona-Pandemie die Fußball-Bundesliga wieder voll erwischt. Das Auftaktspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach wackelt gewaltig. Vor allem der deutsche Rekordmeister leidet nach den Feiertagen unter der Omikron-Variante. Eine Situations-Analyse.

"Aus Liebe zum Fußball – Vorfreude auf die Rückrunde." So nennt sich der einminütige Trailer, der über die offizielle Bundesliga-Homepage zur Einstimmung auf die zweite Halbserie läuft. Es ist derzeit das meistgesehene Video auf dieser Plattform, auf der packende Zweikämpfe und tolle Tore zu sehen sind – und jubelnde Zuschauer auf den Rängen.

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Mit der Realität hat dieser Werbefilm eher weniger zu tun, wenn mit dem Klassiker Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr, Sat.1 und DAZN) eine Rückrunde fortgesetzt wird, die auf unbestimmte Zeit wieder im Geisterspielmodus läuft. Trotz dieser von der Ministerpräsidentenkonferenz der Bundesländer kurz vor dem Jahreswechsel beschlossenen Maßnahme besteht zudem die Gefahr, dass das Coronavirus nun ähnlich wie in England reihenweise für Spielabsagen in Deutschlands höchster Spielklasse sorgt. Das wäre der zweite Stimmungskiller.

So hat der FC Bayern angesichts des personellen Notstandes mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) bereits eine Verlegung des Heimspiels gegen Mönchengladbach erörtert, bestätigte Sportvorstand Hasan Salihamidzic am Mittwoch. "Wir haben zehn Feldspieler und zwei Torhüter. Deshalb machen wir uns Gedanken, wie wir das Spiel bestreiten können", sagte Salihamidzic. Da hatte der Sportvorstand den kurz darauf als positiv getestet gemeldeten Alphonso Davies allerdings noch mit eingerechnet.

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Omikron scheint gerade am Volkssport Nummer eins dem­ons­trie­ren zu wollen, wie rasend schnell sich diese Variante auch unter Berufssportlern verbreitet, selbst wenn diese nicht zu Impfskeptikern wie Joshua Kimmich zählen. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass der sportlich erneut weit enteilte – und von Bundestrainer Hansi Flick als unerreichte Nummer eins geadelte – Rekordmeister FC Bayern besonders betroffen ist.

Bis Mittwoch waren inklusive Davies neun positive Fälle im Mannschaftskreis bekannt, darunter mit Nationaltorhüter Manuel Neuer der Vorzeigekapitän aus Nationalmannschaft und Verein. Der Branchenprimus hatte alle Spieler, Trainer und Staff-Mitglieder entweder geimpft oder geboostert – aber das reicht offenbar nicht.

"Die Blase im Fußball spiegelt nur das wider, was in der Welt passiert"

Die grassierende Corona-Welle könnte nicht nur für die Münchner die wohl größte Stolperfalle darstellen: Es droht die komplizierteste Situation seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020, als die Bundesliga als weltweit erste Profiliga den Ball wieder ins Rollen brachte. Doch bei der hochinfektiösen Mutante helfen offenbar auch nachgeschärfte Hygienekonzepte nicht mehr viel.

"Die Blase im Fußball spiegelt nur das wider, was in der Welt passiert", sagt Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl. Solange 15 einsatzberechtigte Akteure (unter ihnen ein Torwart) zur Verfügung stehen, muss laut der Deutschen Fußball Liga (DFL) gespielt werden. Müßig ist die Frage, welche Ansteckung wegen Urlaubsreisen oder Freizeitaktivitäten vermeidbar gewesen wäre. Kein Familienvater unter den Berufskickern wird sich die nächsten Monate andauernd in der Isolation aufhalten können.

Immerhin: Der Terminplan ist nicht so proppevoll wie in England, Italien oder Spanien. Selbst der FC Bayern hätte durch sein Ausscheiden im DFB-Pokal kleine Puffer für Spielverlegungen. Ein wenig Spielraum besteht auch im wirtschaftlichen Bereich, weil die jüngste DFL-Mitgliederversammlung die Bedingungen im Lizenzierungsverfahren gelockert hat.

Die Bundesligisten nehmen im Schnitt nur jeden siebten Euro über den Kartenverkauf ein. Das müsste bei entsprechenden Sparmaßnahmen zu verkraften sein. Doch es sind nicht nur die finanziellen Einbußen, die Sorge bereiten. "Das Wirtschaftliche werden wir irgendwie in den Griff bekommen, auch wenn es uns natürlich wehtut", sagt Christian Heidel, Vorstand Strategie, Sport und Kommunikation beim Mittelklasseklub FSV Mainz 05. "Viel, viel schwieriger ist das Emotionale – und das betrifft alle Klubs, die ihre Anhänger kaum noch sehen. Man verliert irgendwann die Bindung."