25. Oktober 2020 / 13:21 Uhr

"Gefühlte Niederlage": Hemmingen trotz drückender Überlegenheit nur mit Remis gegen Eldagsen

"Gefühlte Niederlage": Hemmingen trotz drückender Überlegenheit nur mit Remis gegen Eldagsen

Jens Niggemeyer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Clemens Grage (links) klärt gegen Eldagsens Niklas Dorf.
Clemens Grage (links) klärt gegen Eldagsens Niklas Dorf. © Dennis Michelmann
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Eigentlich ist Martin Pyka ein besonnener Trainer, doch nach dem 1:1 seines SC Hemmingen-Westerfelds gegen den FC Eldagsen schimpfte der SC-Coach ob der Selbsteinschätzung des Gegners. Dieser zeigte sich mit dem Punktgewinn sehr zufrieden.

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Normalerweise scheint Martin Pyka vom Typ her jemand zu sein, der stets in sich ruht. Ausgeglichen, besonnen, fast auf buddhistische Art gleichmütig - und in seiner Analyse zwar detailversessen und bestimmt, aber nicht emotional. Nach dem 1:1 im Heimspiel gegen den FC Eldagsen ließ sich der Coach des Landesligisten SC Hemmingen-Westerfeld und absoluter Verfechter des gepflegten Kombinationsspiels dann aber doch zu einem eher gefühlsmäßigen Urteil hinreißen: „Das war heute eine gefühlte Niederlage gegen einen absolut grausamen Gegner, der den Ball nur nach vorne gebolzt hat und gar nicht interessiert daran war, Fußball zu spielen“, schimpfte Pyka.

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"...dann fällt mir nichts mehr ein"

Dass er als Trainer natürlich weiß, dass es zum Fußball dazugehört, dass es verschiedene Wege zum Erfolg und eben auch Teams mit unterschiedlicher spielerischer Qualität gibt, darf vorausgesetzt werden. Was ihn nach eigenem Bekunden allerdings auf die Palme getrieben hat, war die lautstark bekundete Selbsteinschätzung der Eldagser: „Wenn die ernsthaft davon reden, dass sie in der ersten Halbzeit geil und gut gespielt haben und das Resultat leistungsgerecht ist, dann fällt mir nichts mehr ein.“ Grundsätzlich sei es aber natürlich so, dass die eigene Mannschaft es sich zum Vorwurf machen müsse, die deutlich Dominanz und die Mehrzahl an Chancen nicht in mehr als nur einen Treffer umzumünzen. „Die Jungs haben ein gutes Spiel gemacht. Aber dafür können wir uns am Ende nichts kaufen.“

Bilder vom Spiel der Landesliga Süd zwischen dem SC Hemmingen-Westerfeld und FC Eldagsen

Hemmingens Torwart Timo Kroß (rechts) gegen Eldagsens Nicolas Grupe. Zur Galerie
Hemmingens Torwart Timo Kroß (rechts) gegen Eldagsens Nicolas Grupe. ©

„Wir wollten kompakt stehen und auf Umschaltmomente warten“

Gästetrainer Holger Gehrmann konnte mit dem Remis gut leben: „Für uns ist das Ergebnis okay, auch wenn es vielleicht ein bisschen glücklich war. Wir haben alles rausgehauen, was momentan geht, und vor allem in der ersten Halbzeit haben wir es defensiv gut gemacht und keine richtig klaren Chancen zugelassen.“ Nach dem Wechsel und dem schnellen 0:1 hätte die Partie allerdings zugunsten der Hausherren kippen können. „Da haben sie eine Riesenchance zum 2:0. Wenn sie das Ding machen, ist das Spiel wohl vorbei.“

Dass seine Mannschaft extrem wenig Ballbesitz gehabt habe, sei letztlich die Taktik gewesen. „Wir wollten kompakt stehen und auf Umschaltmomente warten.“ Davon habe es vor der Pause zwei und nach dem Wechsel außer dem Tor noch drei, vier weitere gegeben. „Die haben wir leider nicht sauber und zielstrebig genug zu Ende gespielt.“ Die Taktik sei auf jeden Fall aufgegangen. „Das Geschehen hat sich meist zwischen den beiden Sechzehnern abgespielt.

Gute Chancen bleiben ungenutzt

Das sah sein Gegenüber allerdings gänzlich anders. „Die Mannschaft hat alles in allem einen souveränen Auftritt hingelegt, Wir hatten gefühlt 70, 80 Prozent Ballbesitz, haben sehr gut aufgebaut, Doppelpässe gespielt, hinterlaufen, pro Halbzeit sieben, acht Abschlüsse gehabt.“ Vor allem Aljoscha Hyde, Michael Gerlach und Steven Melz hätten über 90 Minuten mehrfach gute Schusschancen gehabt. „Wenn du in Top-Position wegrutscht oder den Ball nicht richtig triffst, kann man ja nicht ernsthaft behaupten, dass sei keine Torchance gewesen.“

Defensiv habe seine Mannschaft sich lediglich zwei Patzer geleistet: einen in der ersten Hälfte, einen nach der Pause unmittelbar vor dem Ausgleichstreffer, als ein Fehlpasse den Eldagsern den entscheidenden Konter ermöglicht habe. Unterm Strich sei die eigene Mannschaft vor dem gegnerischen Tor schlicht zu uneffektiv gewesen. Außer dem Tor von Melz zum 1:0 kurz nach der Pause (48.) sprang eben nichts heraus. Die dicksten Chancen vergaben kurz danach Melz, als er allein aufs FC-Tor zulief und Gerlach mit einem Lattenkopfball in der Schlussphase.

Eldagsens Coach Gehrmann zeigt sich zufrieden

Nicolas Grupes Treffer zum 1:1 (71.) riss die Gastgeber letztlich aus ihren Siegträumen. „Am positivsten war heute, dass Can Tuna zum ersten Mal fast durchgespielt und eine starke Leistung gebracht hat und dass mit Obed Owusu ein A-Jugendlicher seine ersten Einsatzminuten im Herrenbereich bekommen konnte", so Pyka abschließend.

Der Eldagser Coach zeigte sich zufrieden: „Ein Punkt in Hemmingen ist super.“ Dass es nicht mehr wurde, habe auch an der Spielweise des SC gelegen. „Ich hätte erwartet, dass die nach der Pause noch aggressiver und früher attackieren. Das haben sie aber nicht gemacht, und so ergaben sich auch nicht so viele Räume für uns.“