11. September 2020 / 15:24 Uhr

Gegen Aufsteiger Meppen und Victoria Krug: Turbine will nachlegen

Gegen Aufsteiger Meppen und Victoria Krug: Turbine will nachlegen

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Sofian Chahed hat seine Arbeit als Turbine-Trainer am Potsdamer Luftschiffhafen aufgenommen.
Turbine-Trainer Sofian Chahed glaubt, das Auswärtsspiel in Meppen wird eine "Einstellungssache". © Saskia Nafe
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Frauen-Bundesliga: Drei Jahre nach ihrem Abschied von Turbine Potsdam könnte die 22-jährige Drebkauerin ein Bundesliga-Comeback ausgerechnet gegen ihren Jugendverein feiern. Für

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Ein bisschen schlägt mein Herz noch für Potsdam“, sagt Victoria Krug. Doch am Sonntag um 14 Uhr werden die alten Freundschaften für 90 Minuten ruhen, wenn die 22-jährige Lausitzerin mit ihrem neuen Club, dem Aufsteiger SV Meppen, in der Frauenfußball-Bundesliga auf ihren Jugendverein Turbine Potsdam trifft. Für die Verteidigerin, die 2017 nach sieben Jahren an der Havel ein dreijähriges USA-Abenteuer gestartet hatte, wäre es ein sportliches Comeback in Deutschland.

Bryane Heaberlin (v.l.), Stefanie Draws, Inka Wesely, Victoria Krug und Jolanta Siwinska wurden vor dem Bayern-Spiel verabschiedet.
Victoria Krug (2.v.r.) 2017 bei ihrer Verabschiedung von Turbine Potsdam. © Verein

„Wenn man drei Jahre in Amerika war, ist das schon eine Umstellung. Aber ich habe mich schnell integriert“, sagt Krug über ihr Engagement im Emsland. Beim Bundesliga-Debüt des SVM (0:0 in Duisburg) musste sie wegen muskulärer Probleme noch pausieren. Jetzt ist sie fit und heiß auf das Duell mit dem Ex-Club. „Das ist schon aufregend. Potsdam war mein zweites Zuhause. Nicht nur der Verein, auch die Menschen drumherum“, sagt Victoria Krug. Mit Turbine-Torfrau Vanessa Fischer war sie auf der Sportschule in einer Klasse, sie wohnten zusammen im Internat. Auch Viktoria Schwalm, Johanna Elsig oder Co-Trainer Dirk Heinrichs seien ihr noch gut bekannt - schließlich durchlief die Lausitzerin am Luftschiffhafen sämtliche Jugendteams, wurde dort zur Bundesliga-Spielerin.

Nach elf Einsätzen im Oberhaus für Turbine wechselte die Defensivspezialistin, die in Drebkau aufgewachsen ist, vor drei Jahren in den US-Bundesstaat North Carolina an die Wake Forest University. Für das College-Team, die Demon Deacons, verpasste sie in der 2019er-Saison nur fünf Spielminuten. Insgesamt 58 Mal lief sie in der NCAA I auf. "Sport und Uni sind dort eng miteinander verbunden, man hat ein professionelles Umfeld." Im Dezember wird sie ihr Informatik-Studium online abschließen. „Eigentlich wollte ich bis dahin dort bleiben. Aber wegen Corona kam ich schon im März zurück, habe seitdem bei meinen Eltern individuell trainiert“, erzählt die Kickerin, die jetzt in Meppen eine neue Chance in der Bundesliga bekommt. "Es ist schön, wieder mit einer Mannschaft auf dem Platz zu stehen." In Meppen will man den Klassenerhalt schaffen. Victoria Krug freut sich auf die Rückkehr: "Wir wollen die Liga ein bisschen aufmischen."

In Bildern: Turbine Potsdam besiegt zum Saisonauftakt die TSG Hoffenheim mit 3:1.

Turbine Potsdam besiegt zum Saisonauftakt die TSG Hoffenheim mit 3:1. Zur Galerie
Turbine Potsdam besiegt zum Saisonauftakt die TSG Hoffenheim mit 3:1. © Saskia Nafe

Chahed: "Wollen früh Druck machen"

Der Respekt vor dem Neuling ist bei Turbine-Trainer Sofian Chahed groß – aber das Selbstvertrauen nach dem 3:1-Sieg zum Auftakt gegen Hoffenheim auch: „Es wird eine Einstellungssache. Wir wollen so früh wie möglich Druck machen.“ Der Aufsteiger sei schwer einzuschätzen, aber primär wolle man das eigene Spiel durchsetzen. "Wir wollen schnellstmöglich den Ball haben und nach vorne spielen", so Chahed, der zum Auftakt mit einer Dreierkette in der Abwehr überraschte, dessen Zentrum Neuzugang Merle Barth bildete. "Wir haben mit ihr besprochen, dass sie diese Rolle gegebenenfalls noch eine Weile übernehmen wird."

Positives gibt es aus dem Turbine-Lazarett zu vermelden: Das Slowenien-Duo Adrijana Mori und Sara Agrez ist zurück im Mannschaftstraining. Ob es in Meppen schon zu einem Einsatz reicht, ist laut Chahed offen. Dort hofft man derweil trotz der Zuschauerbeschränkungen auf eine große Kulisse in der heimischen Hänsch-Arena. Bis zu 500 Besucher dürfen rein. Erst am Mittwoch startete der Kartenvorverkauf - und innerhalb eines Tages waren schon knapp 300 Tickets vergriffen, wie die Emsländer vermeldeten.