28. Oktober 2020 / 10:06 Uhr

Gegen die eigene Vergangenheit: Rico Buczilowski trifft auf seinen Ex-Verein

Gegen die eigene Vergangenheit: Rico Buczilowski trifft auf seinen Ex-Verein

Christoph Laak
Märkische Allgemeine Zeitung
IMG_5104
Rico Buczilowski spielte über 20 Jahre für den FC Stahl Brandenburg. Seit diesem Sommer schnürt er für den TSV Chemie Premnitz die Töppen. © Christoph Laak
Anzeige

Landesliga Nord: Der TSV Chemie Premnitz erwartet zum Lokalderby den FC Stahl Brandenburg - keine Tageskasse geöffnet.

Anzeige

An seine Anfänge kann sich Rico Buczilowski noch ganz genau erinnern: „Ich habe beim BSV Brandenburg 1994 bei den Bambini angefangen, da spielten die Männer noch in der Regionalliga. Mein erster Trainer war Frank Altenkirch.“

Anzeige

An diesem Samstag, 14 Uhr, trifft er mit seinem jetzigen Verein Chemie Premnitz auf den FC Stahl Brandenburg, für den er insgesamt über 20 Jahre lang Fußball gespielt hat. Für den 31-Jährigen ist das natürlich ein ganz besonderes Spiel. Doch auch in Premnitz ist der Name Buczilowski kein Unbekannter. Vater Lutz spielte einst mehrere Jahre für die damalige BSG Chemie in der Bezirks- und DDR-Liga.

Sebastian Krumbholz besorgt vor über 200 Zuschauern beide Tore für die Gastgeber.

Die Premnitzer (in grün) setzten sich verdient durch. Zur Galerie
Die Premnitzer (in grün) setzten sich verdient durch. © Christoph Laak

„Klar, wenn man so lange für einen Verein gespielt hat, dann kribbelt es schon mehr als sonst“, verrät Buczilowski, der seit Sommer 2020 für die Premnitzer die Außenbahnen beackert. Zuvor hatte er zwei Jahren für den Kreisoberligisten SV Alemania 49 Fohrde die Stiefel geschnürt, der Reiz, noch einmal höherklassig zu spielen, sprach aber für den TSV. „Eigentlich war ich mir mit Sascha (Weser, Anm. d. Red.) einig, dass, wenn wir wechseln, dann nur zusammen“, erklärt Buczilowski seinen Schritt.

Bereut habe er diesen bisher nicht. „Ich wurde richtig gut aufgenommen. Die Jungs haben es mir aber auch einfach gemacht“, sagt Rico Buczilowski, der in Schlagenthin im Jerichower Land lebt. Trainer Peter Oberschmidt hat nur Gutes über seinen Neuzugang zu berichten. „Butze ist absolut zuverlässig. Man hat das Gefühl, dass er schon zehn Jahre bei uns ist“, sagt er. „Verletzungen hatten ihn in den letzten Jahren immer wieder ausgebremst, insofern ist es schön, dass er wieder fit ist“, fügt Oberschmidt an.


Operation sorgt für Stabilität

Vor allem Schulterprobleme sorgten dafür, dass Rico Buczilowksi meist nicht auf dem Feld stand. Eine Operation am Gelenk und den Bändern war von Nöten. „Jetzt ist aber wieder alles in Ordnung und ich bin einfach nur froh, endlich wieder auf dem Platz stehen zu können. So fit war ich lange nicht mehr“, sagt der Flügelspieler.

Am Samstag geht es nun also gegen die alte Liebe. Großen Kontakt zu seinem Ex-Verein hält der jetzige Premnitzer nicht mehr. „Es war damals immer eine schöne Zeit, wir waren ein richtig verschworener Haufen. Aber davon ist ja fast niemand mehr da“, erklärt Buczilowski, der aber immerhin noch mit dem jetzigen Stahl-Kapitän Daniel Schimpf gemeinsam auf dem Platz gestanden hat.

Anfänge im Männerbereich als Libero

„Ich hatte meinen ersten Einsatz in der ,Ersten’ noch in der Landesliga. Gegen Neuruppin musste ich Libero spielen. Und mit dem Trainerteam um Maik Aumann, Stefan Taube und Stephan Schubarth habe ich auch noch zusammen gespielt“, erzählt Buczilowski mit einem Schmunzeln. Den Weg des Gegners verfolgt er natürlich noch immer.

„Im Sommer haben sie einen großen Umbruch eingeleitet. Ich bin jetzt nicht so dicht dran, aber auf den ersten Blick ergibt es Sinn, was sie vorhaben. Sie setzen vor allem auf junge Spieler aus der Region“, sagt Buczilwoski. Über Jahre hatten die Brandenburger vermehrt auf Spieler aus Südamerika oder Japan gesetzt, das ist nun vorbei.

Mehr Fußball aus Brandenburg

Der FC Stahl hat einen richtig guten Saisonstart hingelegt, vor allem spielerisch überzeugt die Mannschaft. Nach acht Spielen führt das Aumann-Team die Tabelle an, Chemie belegt mit neun Punkten den elften Tabellenplatz. „Wir gehen sicherlich nicht als haushoher Favorit in das Spiel“, sagt auch Buczilowski, „aber ein Derby ist immer etwas anders. Wir wollen körperlich voll dagegenhalten. Dann haben wir in meinen Augen eine gute Chance das Spiel zu gewinnen.“

Rein fußballerisch sind die Premnitzer also in der Außenseiterrolle, wollen mit viel Leidenschaft aber das Spiel in die richtige Bahn lenken. „Wir müssen im Kopf voll da und richtig heiß sein. Wir müssen die junge Truppe in den Zweikämpfen fordern“, sagt Buczilowski.

Die Tageskasse bleibt geschlossen

Schade findet es der 31-Jährige, dass am Wochenende nicht alle Zuschauer das Spiel verfolgen können. Lediglich knapp 100 Eintrittskarten stehen zur Verfügung. „Es wären sicherlich mehr als 300 gekommen und mit ein paar der alten Stahl-Fans hätte ich auch gerne ein Bier nach dem Spiel getrunken. Das muss jetzt wohl ausfallen“, sagt Buczilowski, der seinem Ex-Verein durchaus den Aufstieg zutraut. „Ich würde es ihnen auch gönnen, aber am Samstag bleiben die drei Punkte erst einmal in Premnitz.“

Zum Landesliga-Derby wird keine Tageskasse im Stadion der Chemiearbeiter geöffnet werden. Die Chemiker haben Karten für das Spiel gegen Stahl nur im Vorverkauf angeboten. Auch die Brandenburger werden vom TSV Chemie einige Karten zur Verfügung gestellt bekommen. Die Karten werden personalisiert verkauft, eine Anmeldung beim Verein ist verpflichtend. Die Anreise am Spieltag ohne Karte ist zwecklos, auch kurzfristig werden keine weiteren Tickets verkauft. Die Premnitzer weisen ebenfalls auf die allgemein gültigen Hygienerichtlinien hin.