27. Mai 2022 / 14:57 Uhr

Gegen Real knickte die Karriere: Loris Karius vor stillem Liverpool-Abschied - Adler gibt Transfer-Rat

Gegen Real knickte die Karriere: Loris Karius vor stillem Liverpool-Abschied - Adler gibt Transfer-Rat

Fynn Engelbrecht-Greve
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ende eines bewegten Kapitels: Der Vertrag von Loris Karius beim FC Liverpool läuft Ende Juni aus.
Ende eines bewegten Kapitels: Der Vertrag von Loris Karius beim FC Liverpool läuft Ende Juni aus. © Getty Images/IMAGO/Oliver Ruhnke (Montage)
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Als der FC Liverpool das letzte Mal gegen Real Madrid im Finale der Champions League spielte, wurde Loris Karius zur tragischen Figur. Vier Jahre später ist die Neuauflage seines Schicksalsspiels auch sein Abschied von den Reds, bei dem er jedoch keine Rolle spielen wird. Ex-Nationaltorwart René Adler sieht das Vertragsende im Juni für den 28-Jährigen als Chance auf einen Neuanfang.

Wenn der FC Liverpool am Samstagabend (21.00 Uhr/ZDF und DAZN [Anzeige]) gegen Real Madrid um den Sieg in der Champions League spielt, werden auf beiden Seiten zahlreiche Akteure auf dem Platz stehen, die sich bereits 2018 im Endspiel der Königsklasse bei derselben Paarung gegenüberstanden. Einer, der vor vier Jahren eine tragische Hauptrolle spielte, wird jedoch in diesem Jahr wohl nicht mal eine Nebenrolle spielen: Loris Karius.

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Es war so etwas wie das Schicksalsspiel des deutschen Torwarts, der nach wie vor bei den "Reds" unter Vertrag steht. Gleich zweimal hatte er folgenschwer gepatzt und damit zwei der drei Real-Tore zum 3:1-Sieg ermöglicht. Den ersten Treffer der "Königlichen durch Karim Benzema leitete der Keeper mit einem völlig missratenen Abwurf ein, beim 3:1 durch Bale ließ der damals 25-Jährige einen eigentlich ungefährlichen Schuss ins Tor abklatschen. Erst im Nachhinein war herausgekommen, dass Karius vor den Toren durch einen Ellenbogentreffer von Sergio Ramos wohl eine Gehirnerschütterung erlitten hatte.

Er selbst verschwendet nach eigener Aussage auch vor der Neuauflage des Finales keinen Gedanken mehr an das Spiel, das seine Karriere veränderte: "Warum sollte ich auch? Ja, es waren damals sehr unglückliche Umstände und für mich ein gebrauchter Tag, an dem ich nachweislich eine Gehirnerschütterung erlitten hatte und dadurch gesundheitlich angeschlagen war. Nach der Diagnose war es dann für mich einfacher, mit diesem Final-Abend abzuschließen. Das Spiel ist jetzt vier Jahre her, und das Thema ist für mich längst abgehakt", sagte er kürzlich in einem Interview der Sport Bild.

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Abgehakt war im Anschluss allerdings auch mehr oder weniger sein Kapitel beim FC Liverpool, der im selben Sommer Alisson Becker für über 60 Millionen Euro von der AS Rom holte. Ex-Nationaltorwart René Adler glaubt im SPORTBUZZER-Gespräch an einen direkten Zusammenhang mit den Karius-Patzern und dem Alisson-Transfer: Das Spiel von 2018 hatte "massiven Einfluss darauf, dass er nicht mehr in Liverpool gespielt hat. Das hat noch einmal unterstrichen, dass man für dieses Level einen neuen Torhüter braucht. Deshalb hat man Alisson Becker geholt, der einfach – bei allem Respekt vor Loris – noch mal auf einem anderen Niveau ist und das auch bestätigt hat", so der frühere Nationaltorwart.

Der Brasilianer bestätigte die in ihn gesetzten Hoffnungen schnell und ließ Karius durch seine Leistungen keine Chance auf ein Comeback. Nur ein Jahr später war der neue Schlussmann einer der Garanten auf dem Weg zum Champions-League-Sieg. Karius war zu der Zeit nicht mehr Teil des LFC-Kaders, spielte auf Leihbasis für Besiktas Istanbul in der Türkei. Auch an der Tatsache, dass Liverpool in diesem Jahr erneut das Endspiel erreichen konnte, hatte Alisson keinen unerheblichen Anteil. In Endspurt der enttäuschenden Premier-League-Saison 2020/21 erzielte er den 2:1-Siegtreffer gegen West Bromwich Albion und wahrte so die Mini-Chance auf die Qualifikation zur Königsklasse.

Zum Zeitpunkt dieser Heldentat seines Konkurrenten war Karius in Berlin, konnte sich im Duell mit Andreas Luthe den Stammplatz im Tor von Union allerdings nicht erkämpfen. Alles langfristige Auswirkungen des Schicksals-Spiels von 2018? "Ich glaube, es wäre auch zu einfach, alles nur auf dieses Spiel zu schieben", so Ex-Keeper Adler. "Es ist ja nicht so, dass der Fehler von damals dafür verantwortlich war, dass er in Berlin nicht gespielt hat. Das lag dann vermutlich eher daran, dass Andi Luhe so gut gespielt oder besser trainiert hat.“

Nach seiner Leih-Station in Berlin kehrte Karius zurück nach Liverpool. Ein Spiel bestritt er dort jedoch nicht. Sein letzter Pflichtspieleinsatz datiert aus der Februar 2021 für Union. Trotz der fehlenden sportlichen Perspektive verzichtete der mittlerweile 28-Jährige auf einen Wechsel. Eine Entscheidung, die Adler nachvollziehen kann: "Ich glaube, dass er einen gut dotierten Vertrag bei Liverpool hat und dass es großen Spaß macht, dort zu trainieren – in den modernen Räumlichkeiten, mit diesen Weltklasse-Spielern. Vielleicht ist das für eine gewisse Zeit auch besser, als zu Verein XY zu gehen, wo das Niveau einige Klassen tiefer ist."

Eine Vermutung, die Karius bestätigt: "In Anbetracht der Umstände ist Liverpool die beste Adresse, die du haben kannst. Ich habe ein Jahr lang mit der besten Mannschaft der Welt trainiert, das darf man nicht unterschätzen. Und ich bekomme hier ein Top-Torwarttraining. Wir haben mittlerweile drei Torwart-Trainer, jeder bringt neuen Input mit. Ich konnte noch mal ganz andere Reize setzen und noch intensiver trainieren."

Ende Juni wird das Kapitel beim FC Liverpool allerdings endgültig vorbei sein, dann läuft der Vertrag des früheren Bundesliga-Profis aus. Ein Neuanfang soll her: "Mein Anspruch ist es, wieder im Tor zu stehen, für einen Verein alles zu tun und eine wichtige Rolle zu spielen." Eine Rückkehr nach Deutschland wäre reizvoll, so Karius: "Ich bin Deutscher, daher ist die Bundesliga immer reizvoll. Aber es gibt kein festgelegtes Traumziel. Mir ist wichtig, eine sportliche Perspektive zu haben, wo ich mich wohlfühle und Top-Leistung bringen kann." Dafür würde er sogar in die 2. Liga wechseln.

"Ich halte ihn für einen sehr guten Torhüter. Die Leistungen, die er damals in Mainz gezeigt hat, waren der Grund, warum er nach Liverpool gewechselt ist", meint Adler und traut Karius den Neuanfang bei einem anderen Klub zu: "Er wird manchmal vielleicht zu sehr auf seine anderen Nebenkriegsschauplätze reduziert. Aber auch da ist jeder seines eigenes Glückes Schmied. Deshalb ist es ganz allein seine Entscheidung. Aber wenn er sich selbst vornimmt, dass er es nochmal allen zeigen will, dann muss er zwangsläufig Schritte zurück gehen. Er wird als Nummer eins keinen Verein auf dem Niveau von Liverpool finden – zumindest nicht jetzt."

Zum Abschluss will Karius noch einmal mit seinen Liverpool-Kollegen feiern: "Ich werde die Jungs von außen maximal unterstützen." Im Falle eines Sieges würde er sich "definitiv" auch als Titelträger fühlen, wie er gegenüber der Sport Bild klarstellte: "Ich bin Teil der Mannschaft, und als solcher habe ich meinen Anteil."