07. Februar 2020 / 10:38 Uhr

Gegen „Schiebock“ will die BSG Chemie Leipzig den Bock umstoßen

Gegen „Schiebock“ will die BSG Chemie Leipzig den Bock umstoßen

Tom Rietzschel
SPORTBUZZER-Nutzer
Leutzscher als Team am Samstag zu 100 Prozent gefragt USER-BEITRAG
Leutzscher als Team am Samstag zu 100 Prozent gefragt © Christian Donner
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Am Samstag steht eine richtungsweisende Partie für die BSG Chemie Leipzig an. Das Ziel gegen den Bischofswerdaer FV 08 ist klar definiert.

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Vorschau auf den 21. Spieltag der Regionalliga Nordost

*BSG Chemie Leipzig (13.) – Bischofswerdaer FV 08 (18.) *

Datum: Samstag, 08.02.2020

Spielort: Alfred-Kunze-Sportpark, Leipzig

Anstoß: 13.30 Uhr

Nach der absolut überschaubaren Vorstellung in Babelsberg steht Regionalligist BSG Chemie Leipzig am Wochenende vor einer extrem richtungsweisenden Begegnung. Die absolut vermeidbare 0:1-Niederlage am vergangenen Sonntag hat die Mannschaft von Trainer Miroslav Jagatic für die nächsten Partien zusätzlich unter Druck gesetzt – nur Erfolgserlebnisse werden der Elf helfen, um den Abstand zur kritischen Tabellenregion aufrecht zu erhalten bzw. auszubauen. Schon deshalb ist das Heimspiel gegen das Schlusslicht vom Bischofswerdaer FV 08 an Wichtigkeit kaum zu überbieten. Mit aller Macht möchten die Leutzscher die drei Punkte im heimischen Alfred-Kunze-Sportpark behalten und sich mit einem Erfolg das dringend benötigte Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben holen. Das Ziel für diesen Heimspiel ist daher klar definiert, jeder Akteur im grün-weißen Trikot ist total fokussiert auf diese Aufgabe. Der Anstoß in Leutzsch erfolgt am Samstag um 13.30 Uhr.

BFV setzt auf junge Spieler

Nachdem der Traditionsverein aus der Oberlausitz im Jahr 1996 die Regionalliga verließ, feierte der Bischofswerdaer FV bei seiner Rückkehr in der vergangenen Saison ein eindrucksvolles Comeback. Für viele als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, landete der BFV in der Endabrechnung auf Rang 16, was den Verbleib in der Spielklasse zur Folge hatte. Damit hatten mit Sicherheit nur die kühnsten Optimisten gerechnet, schließlich ist der ehemalige DDR-Oberligist eines der wenigen Teams, welches in der Regionalliga vollends unter Amateur-Bedingungen arbeitet.

Während Bischofswerda in der Liga blieb, zogen sich jedoch zwei benachbarte Mannschaften aus dieser Spielklasse zurück. Der sportlich gerettete FC Oberlausitz Neugersdorf meldete fortan nur noch für die Oberliga, Budissa Bautzen (sportlich ebenfalls abgestiegen) übersprang sogar diese Klasse und startete ab Juli 2019 einen Neuanfang in der höchsten sächsischen Spielklasse. Allerdings waren sich alle in Bischofswerda darüber einig, dass die zweite Regionalliga-Saison ähnlich, wenn nicht sogar noch schwerer werden sollte. Dabei setzte man in der Sommer-Transferphase hauptsächlich auf junge Spieler, denen man das Regionalliga-Potenzial zutraute.

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Trainerroulette

Allerdings sollte im Verlauf der Hinrunde ersichtlich werden, dass es mit diesem Kader äußerst schwer werden sollte, die Klasse zu halten. Von Anfang an fand sich der BFV in den Niederungen der Tabelle wieder, nach acht Spieltagen hatten die Oberlausitzer nur zwei magere Punkte auf dem Konto (0:0 gegen Chemie Leipzig, 3:3 in Babelsberg). So entschloss sich der Vorstand nach sieben Spielen einen Wechsel auf der Trainerposition vorzunehmen. Für den zweifachen Aufstiegs-Trainer Erik Schmidt übernahm mit Fred Wonneberger ein ehemaliger Bischofswerdaer DDR-Oberligaspieler die Mannschaft, der zuvor den NFV Gelb-Weiß Görlitz in der Sachsenliga trainierte und bereits in den 200er Jahren den BFV in Bezirks- und Landesliga coachte. Wonneberger amtierte fortan in Doppelfunktion – Geschäftsstellenleiter und Trainer.

Zwar verloren die Oberlausitzer beim Wonneberger-Debüt auch in Halberstadt mit 1:2, doch in der Folgezeit präsentierte sich der BFV deutlich verbessert. Leider schaffte es die Mannschaft jedoch nur allzu selten, sich für ihre mutigen Auftritte selbst zu belohnen. Unter Wonneberger gelangen einzig zwei Heimsiege über Lichtenberg (2:0) und Auerbach (2:1) – in Cottbus (0:2) sowie daheim gegen Meuselwitz (2:2) und den Berliner AK (1:1) verschenkte die Elf trotz sehr guter Leistungen dagegen im Kampf um den Klassenerhalt wertvolle Punkte. Unter schwierigen Bedingungen holte Trainer Wonneberger bis zur Winterpause acht Punkte aus zwölf Spielen, wodurch der BFV 08 auch zur Winterpause weiterhin am Tabellenende hängt.

Aufgrund interner Querelen im Verein entschloss man sich in Bischofswerda jedoch noch im alten Jahr erneut eine Veränderung auf der sportlichen Kommandobrücke vorzunehmen. Wonneberger wurde von seinen Funktionen als Trainer und Geschäftsstellenleiter entbunden, sein Nachfolger als Coach wurde sein Vorgänger. So wurde Erik Schmidt kurzerhand zurückgeholt, der mit den Oberlausitzern zuvor die Aufstiege in die Ober- und Regionalliga bewerkstelligt hatte. Auch auf dem Transfermarkt blieb der BFV im Winter nicht untätig, was verdeutlich, dass man sich im Kampf um den Ligaverbleib noch längst nicht aufgegeben hat. Auch wenn mit Oliver Birnbaum (Radebeul), Tommy Klotke und Oliver Merkel (beide Niesky) drei Leistungsträger den Verein verließen, versuchte man die Abgänge gleichwertig zu ersetzen. Für die Torhüterposition verpflichtete man kurzerhand den Tschechen Lukas Kycek, der beim 1. FC Lokomotive Leipzig nicht über die Reserverolle hinauskam und zuvor beim Oberligisten 1. FC Lok Stendal das Tor hütete. Kycek bildet somit das Torhüter-Duo mit Mika Schneider, der in den letzten Spielen des Jahres 2019 zum Einsatz kam. Weiterhin sicherte man sich die Dienste von Marcel Bär (Rot-Weiß Erfurt), Max Tuchel (VfL Halle), Justin Jacob (vereinslos, zuvor A-Junioren Dynamo Dresden) und Nicholas Prasad (FC Tulsa/USA).

Sicherlich plant man in Bischofswerda aufgrund der Tabellenkonstellation bereits zweigleisig, doch wird die Mannschaft mit Sicherheit alles geben, um letztlich vielleicht doch noch das Unmögliche möglich zu machen. Der Rückzug des insolventen FC Rot-Weiß Erfurt kommt den Oberlausitzern daher schon ganz gelegen, doch ist dafür eine überragende Rückrunde von Nöten. Daher ist für den BFV 08 die Auswärts-Partie bei der BSG Chemie schon vielleicht die letzte Chance, um noch einmal entscheidend im Kampf um den Klassenerhalt eingreifen zu können. Soll dies bewerkstelligt werden, müssen die Oberlausitzer jedoch auswärts entscheidend zulegen. Erst einen Punkt ergatterte man in fremden Stadien (3:3 in Babelsberg), daheim ist man mit neun Zählern aus zehn Begegnungen weitaus erfolgreicher. Dabei ruhen die Hoffnungen des Traditionsvereins zweifelsohne auf Frank Zille und Hannes Graf. Das Offensiv-Duo des BFV 08 hat elf der bisherigen 16 Treffer beigesteuert, wobei Zille mit sieben Saisontreffern der erfolgreichste vereinsinterne Torschütze ist.

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BSG seit sechs Spielen ohne Sieg

Die Leutzscher sind ihrerseits bestrebt, eine Reaktion für das schlechte Auswärtsspiel in Babelsberg zu zeigen. Die knappe Niederlage in der Filmstadt hat die Elf von Trainer Miroslav Jagatic in eine absolute Drucksituation gebracht, zumal davon auszugehen ist, dass die Konkurrenten um den Klassenerhalt in den nächsten Spielen ebenfalls punkten werden. Daher ist das Ziel für dieses Heimspiel gegen Bischofswerda klar und eindeutig definiert. Mit voller Vehemenz möchte man die drei Punkte in Leutzsch behalten, ohne dabei der Mannschaft zusätzlichen Druck auszusetzen. Nur ein Heimsieg könnte vor den anstehenden Aufgaben für etwas Ruhe sorgen, zumal würde sich die Mannschaft für eine anstrengende Vorbereitung selbst belohnen.

Seit sechs Spielen sind die Fünfeckträger in der Regionalliga ohne Sieg, seit drei Begegnungen hat die Elf keinen eigenen Treffer erzielt – daher wird es nun Zeit, den Bock umzustoßen. Sicherlich ist die Ausgangsposition für die Leutzscher dabei nicht einfach, doch hat das Team in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass es mit Drucksituationen umgehen kann. Daher ist es wichtig, dass man sofort die tolle Stimmung auf den Rängen auf den Platz übertragen kann – von Anfang an soll deutlich gemacht werden, wer die drei Punkte behalten soll.

Andy Wendschuch und Daniel Heinze nach Gelbsperre zurück

Um dieses Ziel verwirklichen zu können, ist allerdings ein ganz anderer Auftritt als in Babelsberg von Nöten. Vor allem im Offensivspiel muss die Elf entscheidend zulegen – Mut, Spielwitz, Entschlossenheit und Torgefährlichkeit sind dabei ganz erhebliche Faktoren. Defensiv steht die Mannschaft seit Monaten ganz hervorragend, was natürlich auch gegen das Schlusslicht so bleiben soll. Problem seit Wochen ist eindeutig das Spiel nach vorn, wo man einfach zu ausrechenbar und nicht zwingend genug agiert. Dies soll nun gegen die Oberlausitzer bedeutend besser werden – nach Babelsberg möchte man nicht noch einem weiteren Kellerkind den Wiedereintritt im Kampf um den Klassenerhalt ermöglichen. Demzufolge wurde in der Trainingswoche sehr fokussiert und intensiv geübt, nichts wurde man Zufall überlassen. Schon aus diesem Grund wird man gut vorbereitet in diese Begegnung gehen, auch wenn personell noch das eine oder andere Fragezeichen vorhanden ist.

Neben dem definitiven Ausfall von Raffael Cvijetkovic (Muskelfaserriss) verletzte sich zuletzt der gerade wiedergenesene Marc Böttger im Training an der Leiste und wird leider pausieren müssen. Der eine oder andere Spieler quält sich noch mit leichten Blessuren, doch ist man im Leutzscher Lager guter Dinge, dies bis zum Spieltag am Samstag hinzubekommen. Dagegen haben Andy Wendschuch und Daniel Heinze ihre Gelbsperren abgesessen und stehen wieder zur Verfügung.

Mit dem Schiedsrichter-Kollektiv, welches die Begegnung am Samstag im Alfred-Kunze-Sportpark leitet, ist man auch bestens vertraut. Mann an der Pfeife ist Marko Wartmann aus dem thüringischen Großvargula, der die BSG Chemie zuletzt im Trainingslager in Teistungen gegen den TSV Havelse pfiff. Assistiert wird er von Michael Wilske (Bretleben) und Chris Rauschenberg (Wenigenlupnitz), welche beide bereits vor 14 Tagen im Heimspiel gegen den Berliner FC Dynamo in Leutzsch gastierten. Während Wilske ebenfalls als Schiedsrichter-Assistent zum Einsatz kam, leitete Rauschenberg die Begegnung gegen den DDR-Rekordmeister. Wünschen wir dem Unparteiischen-Gespann ebenfalls ein gutes Spiel und jederzeit ein glückliches Händchen.

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