04. April 2019 / 16:32 Uhr

Gegnercheck: Bayer Leverkusen will mit Offensivpower gegen RB Leipzig zurück in die Erfolgsspur

Gegnercheck: Bayer Leverkusen will mit Offensivpower gegen RB Leipzig zurück in die Erfolgsspur

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Die Leverkusener Julian Brandt und Kai Havertz gehören zu den größten deutschen Talenten und stehen bei europäischen Spitzenclubs auf dem Wunschzettel. 
Die Leverkusener Julian Brandt und Kai Havertz gehören zu den größten deutschen Talenten und stehen bei europäischen Spitzenclubs auf dem Wunschzettel.  © 2019 Getty Images
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RB Leipzig tritt am Samstag zu einem der wohl schwersten Auswärtsspiele de Bundesliga-Rückrunde an. Gegner Bayer Leverkusen ist mit einer Vielzahl an jungen Talenten gespickt und spielt unter Peter Bosz teilweise berauschenden Offensivfußball.

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Leverkusen/Leipzig. RB Leipzig blickt 2019 immer noch auf eine lupenreine Auswärtsbilanz. Fünf Spiele, fünf Siege und 12:1 Tore kann kein anderes Team der Liga vorweisen. Zum Vergleich: Selbst der deutsche Rekordmeister Bayern München hat im gleichen Zeitraum fünf Punkte weniger auf fremden Plätzen geholt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass RB mit Bayer Leverkusen erstmals in der Rückrunde von einer Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte empfangen wird.

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RB Leipzig - Bayer 04 Leverkusen (3:0) ©

Dass die Werkself nach 27 Spieltagen überhaupt in diesen Gefilden anzutreffen ist, war nach einem gehörigen Stotterstart nicht zwingend zu erwarten. Ex-Trainer Heiko Herrlich hatte den Club in der Vorsaison nach einer schwierigen Phase fast noch in die Champions League geführt, fand im laufenden Wettbewerb aber nie zu Konstanz und der von den Leverkusener Bossen geforderten offensiven Spielphilosophie. Zudem setzte es zum Teil deutliche Pleiten gegen vermeintliche Konkurrenten. Zu einem 1:3 gegen Bayern und einem 2:4 gegen Borussia Dortmund gesellten sich im späteren Verlauf der Hinrunde ein 1:4 gegen die TSG 1899 Hoffenheim und die völlig blutleere 0:3-Auswärtsklatsche in der Red Bull Arena. Kurz vor Weihnachten war trotz zuvor zwei Siegen gegen Hertha BSC und Schalke 04 Schluss für Herrlich.

Rückkehr der Leverkuseners Offensiv-Power

Nachfolger Peter Bosz lieferte hingegen in der Rückrunde von Beginn an eben jenen Offensiv-Fußball, den er vor einigen Jahren schon beim BVB gezeigt und den sich wohl auch die Bayer-Spitze bei seiner Verpflichtung erhofft hatte. Nach einer unglücklichen Auftaktniederlage gegen Borussia Mönchengladbach ging es für Leverkusen steil bergauf. Aus den sieben darauffolgenden Spielen holte Bayer mit teils berauschendem Fußball 18 Punkte und schnupperte zwischenzeitlich sogar an den Champions-League-Plätzen.

Dabei gelang Bosz genau das, was Herrlich aus Sicht von Sportdirektor Rudi Völler vermissen ließ. Für das mit hochveranlagten Spielern gespickte Team scheint der Niederländer genau die richtigen Worte zu finden. Vor allem die jungen deutschen Talente Julian Brandt, Kay Havertz und Mitchell Weiser spielten vor allem zu Beginn der Rückrunde regelmäßig groß auf. Besonders deutlich ist der Leistungssprung zudem bei Kevin Volland. Der Stürmer kommt unter dem neuen Trainer auf sieben Tore und fünf Vorlagen, ist im Angriff gesetzt.

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Defensive Schwächen

Das ebenso angriffslustige wie schnelle Bosz-Spiel zeigt aber wie schon bei der ersten Bundesliga-Station Schwächen: Zuletzt ging Bayer zuhause gegen Bremen mit 1:3 und auswärts in Hoffenheim mit 1:4 unter. Wenngleich Leverkusen in beiden Partien mindestens ebenbürtig war, legen die Pleiten doch die defensiven Schwächen der Mannschaft offen und bestärken die Vermutung, dass Abweichungen vom Offensivspektakel nur bedingt möglich sind: abwarten, mauern, verwalten – unter Bosz nur schwer vorstellbar. Nach den Niederlagen steht Leverkusen mit 42 Punkten auf Platz sieben der Tabelle.

Den Roten Bullen sollte die Bayer-Spielweise am Samstag eigentlich entgegenkommen. Das auf Balleroberungen und schnelles Umschaltspiel ausgelegte Spiel von RB-Trainer Ralf Rangnick lässt sich auf mitspielende Mannschaften viel besser anwenden, als auf tiefstehende Abwehrreihen. Für die bisher mit 20 Gegentoren stärkste Defensive der Liga wird das Duell mit Bayers spektakulärer Offensivpower hingegen eine echte Reifeprüfung, auch wenn Karim Bellarabi nach seiner Muskel-Sehnen-Verletzung aus dem Spiel gegen Hoffenheim nicht zur Verfügung stehen wird.