19. Mai 2020 / 20:24 Uhr

Kommentar zur Gehaltsobergrenze: Der Plan von DFB-Präsident Keller verdient eine faire Chance

Kommentar zur Gehaltsobergrenze: Der Plan von DFB-Präsident Keller verdient eine faire Chance

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mit einem 5-Punkte-Plan will DFB-Präsident Fritz Keller den Fußball umkrempeln. Diese Idee, die auch eine Gehaltsobergrenze einschließt, verdient eine Chance, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp.
Mit einem 5-Punkte-Plan will DFB-Präsident Fritz Keller den Fußball umkrempeln. Diese Idee, die auch eine Gehaltsobergrenze einschließt, verdient eine Chance, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp. © imago images/Martin Hoffmann (Montage)
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Mit einem 5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit will DFB-Präsident Fritz Keller den deutschen Fußball neu aufstellen. Ein zentraler Bestandteil: die Einführung einer Gehaltsobergrenze. Dieser Plan verdient eine faire Chance, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

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Es klingt beinahe schon romantisch-naiv: Der Fußball will also wirklich eine Gehaltsobergrenze für Profis einführen. Dies ist Teil eines nachhaltigen 5-Punkte-Plans von DFB-Präsident Fritz Keller, der dank und mit der Unterstützung von Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge "sehr, sehr gute Chancen sieht, in dieser Angelegenheit einen Schritt weiterzukommen."

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Doch ausgerechnet dieser einflussreiche Rummenigge hatte sich erst vor wenigen Tagen sehr, sehr skeptisch zur Umsetzbarkeit der Idee geäußert und betont, dass sich bereits der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini eine blutige Nase bei diesem Unterfangen abgeholt habe, obwohl alle großen europäischen Klubs den Plan unterstützt hätten. "Man hat uns allerdings von Anfang an mitgeteilt, dass dies nicht in Einklang mit den Wettbewerbsgesetzen in Europa gebracht werden kann", so Rummenigge.

Keller will kämpfen - und das ist gut so

Keller will trotzdem kämpfen – und das ist gut so. Der DFB-Boss scheint zumindest die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. In einer ausführlichen Videorunde gestand er sich offen Fehler ein, unter anderem im Umgang mit den Fans. Mit diesem Mut zur Selbstkritik war nicht jeder seiner Vorgänger gesegnet. Zudem traf der Winzer auch den richtigen Ton: "Wenn einige Fußballer Bilder aus Learjets oder Luxuskarossen in den sozialen Netzwerken posten, hat das mit einer Vorbildfunktion nichts zu tun." Dies schade dem Fußball ebenso wie die „unsinnigen Gehälter und Ablösesummen, die nicht mehr glaubhaft sind und für die man sich fremdschämt“, so Keller.

Das sind die Vorgänger von DFB-Präsident Fritz Keller

Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach
 (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. Zur Galerie
Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. ©

Ob er mit seinem Vorstoß tatsächlich Erfolg haben wird, muss sich zeigen. Die Ausgangslage ist aus verschiedenen Gründen mehr als kompliziert und Lücken im System finden sich eigentlich immer – wie auch die bisherige Auslegung des „Financial Fairplay“ zeigt. Dennoch sollte man seinen Ideen auch bezüglich des 5-Punkte-Plans zumindest eine faire Chance einräumen.

Von Anfang an alles schlechtzureden ist eine Disziplin, in der wir Deutschen normalerweise Weltmeister sind. Aber vielleicht hat sich ja auch dies in der Coronakrise geändert – die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.