08. April 2020 / 18:00 Uhr

Gehaltsverzicht bei den Fußballerinnen? "Nicht nachvollziehbar"

Gehaltsverzicht bei den Fußballerinnen? "Nicht nachvollziehbar"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
VfL-Torfrau Almuth Schult und Wolfsburgs Sportlicher Leiter Ralf Kellermann
VfL-Torfrau Almuth Schult und Wolfsburgs Sportlicher Leiter Ralf Kellermann
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Fußballerinnen verdienen nur den Bruchteil der Gehälter, die bei den Männen gezahlt werden. Für Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der Frauen beim VfL Wolfsburg, ist eine Diskussion um Gehaltsverzicht darum "nicht nachvollziehbar". Torfrau Almuth Schult sieht es genauso.

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Nationaltorhüterin Almuth Schult vom VfL Wolfsburg und Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Fußballerinnen, haben in der Diskussion um einen möglichen Gehaltsverzicht im Angesicht der Corona-Krise klar Position bezogen. "Wir Frauen können nicht einfach sagen, jede spendet mal 50 000 Euro. Das ist nicht drin“, so Schult im Eurosport-Podcast „Extra Time“. Kellermann hält den Ansatz, Fußballerinnen sollten freiwillig auf Gehalt verzichten, insgesamt für "nicht nachvollziehbar" und verweist auf die erheblichen Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball.

"Bei den Fußballerinnen kann man davon ausgehen, dass sie ihr Einkommen für ihren Lebensunterhalt brauchen", so Kellermann auf SPORTBUZZER-Nachfrage."Und unsere Spielerinnen beteiligen sich oft schon finanziell an sozialen Projekten - ohne dass die Öffentlichkeit das immer mitbekommt." Was außerdem dazu kommt: Ein nicht geringer Teil der Spielerinnen-Einkommen besteht aus Prämien, die beim VfL an das Erreichen von Saisonzielen gekoppelt sind - beispielsweise der Meisterschaft, dem Pokalsieg oder das Erreichen des Champions-League-Finals. Und ob und wann diese Wettbewerbe weitergehen, stehe aktuell gar nicht fest. "Auch das", so Kellermann, "müsse man in der Diskussion berücksichtigen". Und: "Wir haben auch Spielerinnen, die sich mit dem Fußball ihr Studium finanzieren."

12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg

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Man müsse wissen, so Schult, dass einige Spielerinnen, „nur ein paar hundert Euro verdienen. Wenn sie davon noch etwas abgeben sollen, ist das einfach nicht möglich.“ Darum müsse jede Spielerin individuell entscheiden, wie viel sie abgeben könne. Die Torfrau pausierte bereits vor der Corona-Unterbrechung des Spielbetriebs wegen ihrer Schwangerschaft, sie erwartet in den nächsten Wochen zum ersten Mal Nachwuchs. Aus ihrer Sicht werde es beim VfL "in den nächsten vier bis sechs Wochen darum gehen, wo gekürzt oder worauf verzichtet werden muss". Erst dann "können wir entscheiden: Was können wir abgeben oder sind wir auch auf Hilfe angewiesen?"

Mit Ex-Nationalspielerin Lena Goeßling und DFB-Kapitänin Alexandra Popp hatten sich zwei VfLerinnen zuvor bereits ähnlich geäußert. „Die Frauen-Mannschaften haben nicht die finanziellen Mittel, um Wahnsinnssummen zu spenden”, so Goeßling. Popp hatte im „Kicker” darauf verwiesen, dass die Fußballerinnen „keine Großverdiener" seien: „Ich helfe mit Taten, gehe zum Beispiel für unseren älteren Nachbarn im Haus einkaufen.” Popp engagiert sich zudem unter anderem für den Tierpark Essehof, in dem sie ihre Ausbildung absolviert hatte.

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Siegfried Dietrich, Vorsitzender des Liga-Ausschusses und Manager des 1. FFC Frankfurt, ist ebenfalls gegen einen Gehaltsverzicht. „Die Spielerinnen sind die Hauptakteurinnen und brauchen jeden Euro für ihren Lebensunterhalt", sagte er der DPA. "Die finanzielle Dimension ist nicht vergleichbar mit der Männer-Bundesliga." Um dem, so sein Wolfsburger Kollege Kellermann, sei "eigentlich nichts hinzuzufügen".