09. Oktober 2021 / 10:25 Uhr

Geheime Fan-Datenbank: Werden auch in Sachsen Informationen gesammelt?

Geheime Fan-Datenbank: Werden auch in Sachsen Informationen gesammelt?

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
In Bayern werden auffällige Fans in einer Datenbank erfasst.
In Bayern werden auffällige Fans in einer Datenbank erfasst. © imago images
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Im Freistaat Bayern wird im Geheimen eine Fan-Datenbank geführt, die nicht nur bei Politikern, Datenschützern und Juristen auf harte Kritik stößt. Nun fragte Marika Tändler-Walenta, die sportpolitischen Sprecherin Der Linken, nach dem Stand in Sachsen.

Leipzig. Ende Juli erhielten die bayrischen Landtags-Abgeordneten Katharina Schulze und Maximilian Deisenhofer der Grünen vom Bayrischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration Antwort auf ihre Anfrage zur geheimen Datenbank von Sportfans neben der bekannten Sammlung in der bundesweiten Datei „Gewalttäter Sport“.

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1644 Personen in der Datenbank

Die seit dem 24. Januar 2020 in Bayern existierende Datei „EASy Gewalt und Sport (EASy GS)“ sammelt, wertet aus und führt Informationen insbesondere von Fußball- und Eishockeyfans zusammen von „bereits polizeilich vorhandenen relevanten personenbezogenen Erkenntnissen zur Unterstützung polizeilicher Aufgaben im Zusammenhang mit Störungen im Phänomenbereich Sport“.

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Störungen meint dabei ganz konkret von Gewalttaten gegen Personen über „Anbringen von Graffiti, Schmierschriften oder Aufklebern, Vermummung, Besteigen von Zäunen, Beleidigungen, Bedrohungen und Nötigungen“. Außerdem dient EASy GS „der Vorbereitung von präventiv polizeilichen Maßnahmen.“ Verneint wird die Ansammlung von Informationen zu einzelnen Fangruppen. Im Fußball sind aktuell vor allem Anhänger vom 1. FC Nürnberg (556), vom TSV 1860 München (407) sowie vom FC Bayern München (248) registriert.

Es finden sich allerdings auch vier Anhänger der Männer-Nationalmannschaft unter den aktuell gesammelten Informationen von 1644 Personen in der Datenbank. Der Aufenthalt dort ist nicht Resultat „eines einzelnen relevanten Sachverhaltes, sondern erfolgte auf der Grundlage einer sogenannten Individualprognose“. Die Speicherdauer kann bei beschuldigten Erwachsenen zehn Jahre betragen bis zu zwei Jahren. Begründet wird die gesonderte Datei neben der bundesweiten Datensammlung unter anderem durch den Zugriff „eines sehr eingeschränkten Personenbereichs“.

Wie sieht es in Sachsen aus?

Das ist in Bayern nicht neu. Hier werden wie Anfragen der Grünen in der Vergangenheit schon zeigten, seit 2016 landesweit Geheimdaten geführt. Auch in weiteren Bundesländern werden die Informationen von Szenekundigen Beamten in speziellen Dateien gespeichert.

Wie sieht es nun in Sachsen aus? Die Sportpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im sächsischen Landtag, Marika Tändler-Walenta, stellte Anfang September eine Kleine Anfrage zum Thema „Datenbanken über Besucher und Besucherinnen von Sportveranstaltungen im Freistaat“. Darin wollte sie wissen, „wie viele verschiedene Datenbanken in Sachsen existieren, welche auffälligen Fans im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen“ gelistet werden und wenn Datenbanken existieren. „Welchen informativen Mehrgewinn beziehen sächsische Ermittlungsbehörden aus den Datenbanken?“


Der sächsische Innenminister Roland Wöller antwortete am vergangenen Freitag sehr knapp: „Es existieren in Sachsen keine gesonderten Datenbanken zur ausschließlichen Erfassung von Personen im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen.“