07. August 2021 / 13:10 Uhr

Gehörlosen-Handball: Zwei Regiser mit dem Adler auf der Brust?

Gehörlosen-Handball: Zwei Regiser mit dem Adler auf der Brust?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gregor Sadowski und Hung Le Ngoc aus Regis-Breitingen haben die Chance, den deutschen Adler auf der Brust zu tragen.
Gregor Sadowski und Hung Le Ngoc aus Regis-Breitingen haben die Chance, den deutschen Adler auf der Brust zu tragen. © Verein
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Das wäre eine Riesensache: Es besteht die realistische Chance, dass in naher Zukunft zwei Handballer aus Regis-Breitingen das deutsche Nationaltrikot des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes tragen werden.

Regis-Breitingen. Gregor Sadowski und Hung Le Ngoc haben schon ihr ganzes Leben damit zu kämpfen, gehörgeschädigt zu sein. Manchmal kann so eine Beeinträchtigung aber auch ungeahnte Möglichkeiten hervorbringen – wie in diesem Fall.

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Die beiden jungen Männer wurden im Juni zum Lehrgang des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes (DGSV) ins pfälzische Haßloch eingeladen. So kam es dazu: Hung ist unter der Woche in Nürnberg tätig und hatte dort über Bekanntschaften zufällig den Nationalmannschafttrainer des DGSV kennengelernt. Dann kam eins zum anderen. Der Coach war auf der Suche nach jungen Spielern für den Nationalkader, welcher nächstes Jahr in Brasilien bei den „Deaflympics“ (Olympia für Gehörlose) um die Medaillen mitspielen möchte.

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Hung konnte seinen Kumpel Gregor Sadowksi mit vorschlagen und schließlich heranziehen – eine sensationelle Fügung. Beide bekamen im Vorfeld ein Trainingsprogramm, welches sie wöchentlich zu Hause absolvierten, um im Trainingslager fit zu sein. Der eindeutige Tenor der beiden: von Anfang an alles höchst professionell. Der Lehrgang war geprägt von Koordinations- und Ausdauertests, sowie von Videoanalyse und Bodybuilding. Alle Spieler mussten sich erst kennenlernen und hatten dementsprechende Teambuildings. Außerdem ist es essenziell, dass die Gebärdensprache beherrscht wird. Das müssen beide Spieler nun in der freien Zeit erlernen, weil es auf dem Spielfeld die einzige klare Verständigungsvariante für die „Deafboys“ ist.

Alle Mannschaftskameraden sind in ihren Vereinen in höherklassigen Ligen unterwegs – was es für die Pleißestädter noch herausfordernder machte. Im August und November stehen die nächsten Lehrgänge an. Dann entscheidet sich, ob Hung und Sadowksi in das 14-Mann-Aufgebot gewählt werden. Nach eigener Einschätzung stehen die Chancen derzeit bei 50 Prozent, bei der „Mission Goldmedaille“ dabei zu sein. Alle Mitglieder des SV Regis-Breitingen sind gespannt, wie sich die Reise der Beiden entwickelt und hoffen natürlich auf eine Nominierung. rgd