15. Mai 2020 / 13:18 Uhr

Geisterendspiel auf der Lohmühle im Juli?

Geisterendspiel auf der Lohmühle im Juli?

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten


Leere Ränge im Stadion an der Lohmühle.
Leere Ränge im Stadion an der Lohmühle. © 54°
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NFV plant Entscheidung erst Ende Juni  - Regionalliga manövriert sich ins Chaos - Relegation VfB Lübeck gegen VfL Wolfsburg II mit Hin- und Rückspiel? - Wolfsburg schlägt sogar Saisonfortsetzung im Geisterspielmodus vor

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Eigentlich sollte die große Videokonferenz aller Nord-Regionalligisten mit dem Verband Klarheit bringen über Abbruch und Wertung der Saison 2019/20. Aber stattdessen hat das Votum die Liga und den Verband ins Chaos manövriert. Einhellig waren alle Beteiligten (18 Teams plus NFV-Präsidium) für einen Abbruch der Saison 2019/20 (siehe Dokument weiter unten). Ebenso klar war das Meinungsbild, dass es keine Absteiger geben soll, auch, dass es eine Abschlusstabelle per Quotientenregel geben soll. Das sei allgemeiner Tenor, dezidiert abgestimmt wurde darüber nicht. Nach dieser Regel wäre der VfB Lübeck der Aufsteiger in die 3.Liga.

Gegen den VfB: Profiklubs stimmen für Relegation

Dazu aber gab es das Veto des Tabellenzweiten VfL Wolfsburg II. Nachwuchschef Pablo Thiam forderte ein Entscheidungsspiel (Relegation) zwischen VfB und VfL II. Und dieser "Antrag" wurde dann tatsächlich in der Videoschalte abgestimmt - einzeln, nacheinander. Ergebnis: 8:6 für eine Relegation bei vier Enthaltungen. Auffällig: dem U23-Vorschlag folgten neben dem VfL die anderen Profiklubs HSV, Werder, Hannover 96, dazu HSC Hannover, der VfB Oldenburg, Altona 93 (mit Neu-Sportchef Richard Golz) und Drochtersen/Assel. Dagegen stimmten neben dem VfB Lübeck, Landesrivale Heider SV, der Lüneburger SK, Eintracht Norderstedt, SSV Jeddeloh und bemerkenswerterweise der FC St. Pauli (Holstein, Weiche, Havelse, Rehden enthielten sich).

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Thiam hatte zuvor im Hintergrund offenbar ganze Arbeit geleistet, sein Netzwerk genutzt - und sogar noch einen weiteren Vorschlag in der Videorunde unterbreitet. Er regte an, dass die Saison nicht abgebrochen wird, sondern im Geisterspielmodus beendet wird. Wie in der Bundesliga. Für die entstehenden Kosten - Corona-Tests, Quarantänen usw. - würde sich vielleicht ja ein Partner finden lassen, deutete er an. Diese Idee wurde vom NFV schnell einkassiert.

Schikorra: Mit dem VfB wird es keine Relegation geben

Auf dem Tisch liegt jetzt aber das Votum einer Aufstiegsrelegation zwischen dem VfB und dem VfL II. VfB-Vorstandssprecher Thomas Schikorra erklärte bereits, dass es mit dem VfB keine Relegation geben werde. Dazu fehle jegliche Grundlage. "Wenn man die Saison per Quotenregel beendet, dann haben wir einen Aufsteiger, nämlich den VfB Lübeck", sagt er. Alles andere sei keine Quotenregelung sondern eine Annullierung der Saison. Diese sei aber nicht gewollt gewesen. Schikorra: "Außerdem ist nur ein Meinungsbild erstellt worden. Entscheiden muss der Verband, der NFV."

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VfB Lübecks Top-Torschütze (16 Treffer) sieht bei dieser Übung hochkonzentriert aus. ©

Dazu bedarf eis eines Außerordentlichen Verbandstages. Und jetzt wird es skurril. Der NFV teilte am Freitagmittag mit, dass dieser Verbandstag "voraussichtlich Ende Juni" stattfinden kann. Das bedeutet: Stimmt der NFV für eine Relegation, dann kann die erst nach dem Beschluss, also erst im Juli stattfinden. Zu dem Zeitpunkt hätte der VfB aber gar keine vollzählige Mannschaft mehr, denn 17 Verträge von Spielern laufen Ende Juni aus. Und auch wenn der DFB meint, die Verträge verlängerten sich automatisch, wenn auch die Spielzeit (endet normalerweise am 30.Juni) verlängert würde (was ja der Fall wäre), so sieht man das beim VfB anders. Hier gelte nicht ein DFB-Statut, sondern das Arbeitsrecht.

Droht ein Finale ohne Fans?

Download NFV-Pressemitteilung: Vereine votieren für Abbruch der Saison.

Zweite Überraschung, die die aktuelle NFV-Mitteilung parat hält: Der Verband geht von einer Relegation in Hin- und Rückspiel aus, wenn es denn dazu kommen sollte. Das Rückspiel würde auf der Lohmühle steigen - natürlich ohne Zuschauer, als Geisterendspiel mit allen Schikanen. Ob es dafür eine Genehmigung durch die Behörden geben würde, ist mehr als fraglich. Übrigens: Hätte Corona nicht zugeschlagen, würde der VfB an diesem Sonntag auf seiner Lohmühle gegen Drochtersen-Assel sein letztes Heimspiel bestreiten, hätte dann wohl die Meisterschaft feiern können….